Die Leopoldina empfiehlt, die Weihnachtsferien vorzuziehen. GEW und Eltern lehnen das ab. Was sagt die Landesregierung dazu?
Stuttgart - Die ersten Bundesländer haben bereits angekündigt, die Weihnachtsferien nach vorne verlängern zu wollen. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt den anderen Bundesländern, dem Beispiel von Sachsen-Anhalt und Brandenburg zu folgen, die die Weihnachtsferien schon Mitte Dezember beginnen lassen. Wie Baden-Württemberg sich dazu verhält, ist unklar. „Die Landesregierung passt ihre Maßnahmen permanent an das Infektionsgeschehen an“ und tausche sich mit medizinischen Fachleuten aus, teilt ein Sprecher des Kultusministeriums mit. „Maßnahmen, die wir ergreifen, verkünden wir umgehend.“
„Eine Ferienverlängerung ermöglicht hoffentlich Schulstart“
„Die Infektionswelle muss unbedingt gebrochen werden“, dafür seien Kontaktbeschränkungen über einen längeren Zeitraum notwendig, sagt Robert Thimme, Ärztlicher Direktor an der Uniklinik Freiburg und Mitglied der Leopoldina. Eine Ferienverlängerung „wird es uns hoffentlich ermöglichen, nach den Weihnachtsferien unter kontrollierten Bedingungen die Schule wieder zu starten“. Man werde der Situation nicht Herr, so seine Befürchtung. Zwar sollten Schulschließungen unbedingt vermieden werden. Aber wenn die Krankenhäuser nicht mehr handlungsfähig seien, sei auch dieser Punkt wieder erreicht.
Der Landeselternbeirat rechnet schon mit Schulschließungen
„Was ist der Sinn der Aktion?“, will Michael Mittelstädt, der Vorsitzende des Landeselternbeirats, wissen. 2020 hatten die Weihnachtsferien nach einigem Hin und Her schon Mitte Dezember begonnen. Haupteffekt war, „dass der Reiseverkehr früher begonnen hat“. Er rechnet ohnehin damit, dass den Familien im neuen Jahr wieder der Fernunterricht blüht. Weitere Fehltage „können wir uns nicht leisten“, so der LEB-Chef. Nur ein Lockdown für alle würde helfen.
GEW: Dann fallen die regelmäßigen Tests weg
Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält wenig von vorgezogenen Ferien, wenn sie nicht einhergehen mit einem Lockdown. „Wenn Jugendliche sich weiter treffen dürfen, ist ja nicht geholfen“, sagt Matthias Schneider, der GEW-Geschäftsführer. Im Gegenteil: aktuell würden 1,5 Millionen Schüler regelmäßig getestet; „das entfällt dann auch“.
Die designierte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hält vorgezogene Ferien auch für das letzte Mittel. „Wir können durch Masken, Hygienevorschriften, konsequentes Impfen und Boostern in den Schulen verhindern, dass eben solche Maßnahmen getroffen werden müssen“, sagte sie den Fernsehsender RTL/ntv.