Die Bauarbeiten für die Bahn verändern das Gesicht Wendlingens. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Großprojekte kommen auf die neuen Stadträte in Wendlingen zu. Nicht zuletzt die Bauarbeiten im Zusammenhang mit der Neubaustrecke Stuttgart – Ulm verändern das Gesicht der Stadt.

WendlingenIn Wendlingen wird kräftig gebaut. Dabei verändert die Stadt, die aufgrund sprudelnder Steuerquellen finanziell gut aufgestellt ist und millionenschwere Projekte ohne Kreditaufnahme stemmen kann, ihr Gesicht. Ein wichtiges Vorhaben war die Beseitigung des beschrankten Bahnübergangs Schützenstraße. Nach über 30 Jahren Planungszeit wurde die Unterführung im November 2018 eingeweiht. Durch die ICE-Neubaustrecke Stuttgart-Ulm wurde das 16,7 Millionen Euro teure Projekt möglich. Denn für die geplante Güterzugeinschleifung von der Bestandsstrecke auf die Neubaustrecke musste die Landesstraße verlegt werden. Nicht nur diese Großprojekte werden die neuen Stadträte herausfordern. Denn die Infrastruktur muss mitwachsen.

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Auch die „Rote Schule“ hat ihr Gesicht verändert. Die Generalsanierung der Fassade und des Daches der Ludwig-Uhland-Schule war dringend notwendig geworden und im Zuge des Bauvorhabens sorgte die zukünftige Farbgestaltung für Zündstoff im Gemeinderat. Das markante Rot, Namensgeber für die Schule, wich Grautönen. Die Veränderung war von Verwaltung und Schulleitung gewollt. Die Kosten der Sanierung liefen zum Unmut der Stadträte aus dem Ruder. Bei Baubeginn im Sommer 2016 sollte das Projekt noch rund 5, 4 Millionen Euro kosten. Heute steht fest, dass die Stadt noch über eine Millionen Euro mehr drauflegen muss. Und die Fertigstellung verzögert sich.

Für Aufregung sorgte die Entscheidung der evangelischen Kirchengemeinde, die Johanneskirche abzureißen. Ein Argument der Gegner: Das markante Gebäude in der Stadtmitte sei prägend für das Stadtbild und habe orts- und zeitgeschichtliche Bedeutung. Ein Bürgerentscheid vor zwei Jahren scheiterte an der notwendigen Wahlbeteiligung und inzwischen hat der Gemeinderat den Bebauungsplan für den Neubau eines Gemeindezentrums mit Wohnungen für Behinderte auf den Weg gebracht. Der markante Glockenturm bleibt stehen.

Die Streuobstwiesen nördlich der Lauter gehören auch bald der Vergangenheit an und für die Erschließung des Neubaugebiets Steinriegel I wird eine Brücke über den Fluss gebaut. Lange rangen die Stadträte im Gemeinderat um die Dichte der Wohnbebauung. Vor allem die Fraktionen der CDU und der FWV setzten auf „Hochwertiges Wohnen in aufgelockerter Bebauung“. Grüne und SPD wollten eher dem Wunsch nach kleineren und damit erschwinglicheren Grundstücke folgen. So einigte man sich auf vier freistehende Einfamilienhäuser weniger.

In Wendlingen gibt es aber noch viel mehr umzugraben: Die Weberstraße soll als „Tor zur Stadtmitte“ aus ihrem stiefmütterlichen Dasein geholt und ein einladendes Gesicht erhalten. Kürzlich wurde im Gemeinderat ein zwei Millionen teurer Maßnahmenkatalog für die Aufwertung der Verbindungsachse zwischen Bahnhof und Stadtmitte vorgestellt. Dazu gehört die Umgestaltung des ZOB, aber auch ein Skulpturenpark bei der Städtischen Galerie. Nach kontroversen Diskussionen einigte sich die Ratsrunde, zunächst die Straßenbeleuchtung zu erneuern und im Einmündungsbereich in die Albstraße eine Fußgängerquerung zu schaffen. Das baurechtliche Verfahren für ein urbanes Quartier mit hochwertigen Arbeitsplätzen sowie zentrumsnaher Wohnbebauung auf dem 10, 5 Hektar großen Areal der ehemaligen Textilfabrik Heinrich Otto und Söhne in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes, ist eingeleitet. Darüber hinaus stehen die Neugestaltung der Ludwigstraße mit Uferpromenade entlang der Lauter sowie die Schaffung von vier attraktiven Quartiersplätzen mit Zugang zum Wasser an. Auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus wird ab nächstem Jahr ebenfalls gebaut. Da das Gebäude aus dem Jahr 1959 inzwischen aus allen Nähten platzt, soll ein rund zwei Millionen Euro teurer Erweiterungsbau für die Mitarbeiter, die sich zurzeit Büros teilen, Abhilfe schaffen.

Eng wird es in nächster Zeit auch in den Kindertageseinrichtungen. Zwar ist der Neubau einer dreigruppigen Einrichtung in der Ohmstraße geplant. Doch mit dem über drei Millionen Euro teuren Projekt, das im Herbst 2020 fertiggestellt sein soll, wird der Bedarf laut Prognose nicht gedeckt. Nun sind weitere Lösungen gefragt. Hochwasserschutz entlang des Neckars, der ebenfalls mit zahlreichen Baustellen verbunden ist, wird die neuen Stadträte ebenfalls beschäftigen.

Die CDU-Fraktion hatte jüngst zum wiederholten Mal beantragt, das Gremium aus Kostengründen (Ersparnis 7400 Euro jährlich) um vier Sitze auf 18 zu reduzieren. Sämtliche Mitglieder der anderen Fraktionen lehnten das ab: Der Gemeinderat soll ein Abbild der Bevölkerung sein. Derzeit hat die CDU acht, die FWV fünf, die Grünen ebenfalls fünf und die SPD vier Sitze inne. Bis auf drei Stadträte aus den Reihen der CDU und den FWV treten alle anderen erneut bei der Kommunalwahl an. Hannah Fritz (SPD) ist mit 19 Jahren die jüngste in der Runde und Stadtrat Peter Wittemann (CDU) mit 73 Jahren der älteste. Die Grünen gehen mit den meisten Frauen ins Rennen, nämlich zehn. Und die CDU sowie die FWV teilen sich mit vier Kandidatinnen das Schlusslicht. Es treten auch einige Familien an. So steht auf dem Wahlvorschlag der Grünen neben Hermann Sommer auch wieder die Kreisrätin Marianne Erdrich-Sommer. Das Ehepaar hatte sich in der Vergangenheit zwei Mal die Klinke in die Hand gegeben.

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