Die Fils soll erlebbar werden. Foto: Thomas Faltin

Trotz knapper Kassen investieren Kommunen und Verband Region Stuttgart Millionen Euro in neue Naherholungsgebiete für Wanderer, Radler und Naturfreunde – auch im Kreis Esslingen.

Öde Betonufer an der Fils bei Plochingen oder am Neckar nahe dem Cannstatter Wasen? Eine Hecke, ein Zaun, das Ufer in Beton gegossen – bisher ist das keine Idylle für Spaziergänger oder Radler auf dem Neckartalradweg. Doch das ändert sich grundlegend: Das Projekt „Kleines Wasenufer“ lässt sich die Stadt Stuttgart mehr als 300 000 Euro kosten. Ziel ist die Renaturierung des Flussufers, um direkten Zugang für Erholungssuchende zu schaffen, inklusive Sitzgelegenheiten zum Verweilen und Genießen.

Diese Verwandlung ist exemplarisch: Das „Kleine Wasenufer“ ist eines von 16 Vorzeigeprojekten quer durch die Region Stuttgart – darunter einige besonders attraktive Vorhaben im Kreis Esslingen. Insgesamt 1,6 Millionen Euro an Zuschüssen hat der Planungsausschuss des Verbandes Region Stuttgart nun bewilligt. Die klare Zielsetzung: bestehende Freizeitwege aufwerten, attraktive Rastplätze schaffen, Bewegung im Freien fördern und die siedlungsnahe Erholung gezielt stärken.

Was auf dem Papier vielleicht nüchtern klingt, schafft in den Landkreisen Esslingen, Göppingen, Rems-Murr, Böblingen, Ludwigsburg und in der Landeshauptstadt Stuttgart selbst neue, begeisternde Erlebnisräume.

Erlebnisräume für Kinder im Kreis Esslingen

Ein herausragendes Beispiel ist das 1,7 Millionen Euro teure Vorhaben der Stadt Nürtingen unter dem Leitmotiv „Grüne Stadt am Neckar“. Auf einem ehemaligen Parkplatz entsteht noch in diesem Jahr ein besonderer Naherholungsbereich mit Themenspielplatz, Sitzgelegenheiten und einem malerischen Blick auf die Nürtinger Altstadt samt Fischtreppe am Stadtwehr. Nürtingen sicherte sich mit 400 000 Euro die größte Fördersumme, um für Stadtbewohner wie Besucher einen weiteren hochattraktiven Ort zu schaffen.

Auch die StadtOstfildern gibt sich ambitioniert: Auf dem früheren Gartenschaugelände entstehen ein Klimawäldchen samt Urban-Gardening-Bereich und Kinderwildnis. Das Gesamtprojekt beläuft sich auf mehr als 1,1 Millionen Euro, wovon die Region 270 000 Euro trägt. Die Regionalpolitiker zeigen sich beeindruckt von der Qualität der Konzepte: „Es sind kleine und große Projekte dabei, die alle ihre Wirkung entfalten werden“, so fasst stellvertretend Leo Buchholz (Grüne) zusammen.

Weitere neue Projekte in der Natur im Kreis Esslingen

Schurwald (Kreis Esslingen): In einem Gebiet, das von Aichwald über Altbach, Baltmannsweiler, Esslingen, Lichtenwald und Plochingen bis nach Reichenbach an der Fils reicht, machen vom kommenden Jahr an beschilderte Wege das Wandern noch attraktiver. Kosten: rund 178 000 Euro, die Region gibt 80 000 Euro.

Plochingen: Es ist eine wüste Gegend, kurz bevor die Fils in den Neckar mündet. Unweit von B10 und Bahntrasse wird das Ufer nun aber attraktiver gestaltet – mit Aussichtsplattform, Radabstellplätzen und direkten Zugängen zum Wasser. Kostenpunkt: 927 000 Euro, die Region schießt 100 000 Euro dazu.

Flanieren am Neckar. Foto: Uwe Anspach/dpa

Weilheim an der Teck: Ein neuer Pumptrack an der Lindach-Sporthalle mit Wellen, Steilkurven und Sprüngen soll junge Biker anziehen. Kosten: 279 000 Euro. 50 000 Euro davon trägt die Region.

Mehr geplante Naherholungsgebiete in der Region Stuttgart

Gingen an der Fils: Das erste Trekking-Camp für Wanderer entsteht im Gingener Gemeindewald – als naturnahes Übernachtungsangebot.

Ebersbach an der Fils: Der Alleenpark, der seinem Namen bisher kaum gerecht wird, erhält eine umfassende Neuordnung und Gestaltung.

Kreis Ludwigsburg (Bietigheim-Bissingen, Freiberg am Neckar, Ingersheim, Ludwigsburg, Tamm): Die „Grüne Nachbarschaft“ baut entlang bestehender Wege 15 neue Schatten- und Rastplätze.

Fischtreppe bei Nürtingen Foto: Pressefoto Rudel

Ludwigsburg: Am „WengertWäg“, dem Weinberg-Steillagenweg zwischen Hoheneck und Benningen, entstehen passend zum Thema Weinbau Genussstationen, Rastplätze und Informationspunkte. Kosten: 270 000 Euro.

Herrenberg: Eine Erlebnisstation mit Spielmöglichkeiten beleuchtet künftig die historische Bedeutung des Herrenberger Schlosses. Kosten: rund 87 000 Euro.

Regionalrat Roland Schmid (CDU) bezeichnet diese Vorhaben als „wegweisende Ideen“. Der Verband Region Stuttgart treibt den Ausbau des Landschaftsparks Region Stuttgart seit Jahren strategisch voran. Bislang wurden so über 350 Projekte mit rund 30 Millionen Euro gefördert – ein klares Bekenntnis zu mehr Lebensqualität und Naturerleben in der gesamten Region.