Die angehende Mikrotechnologin Laura Zweckerl lernt die praktische Seite der Herstellung von mikroskopisch kleiner Technik kennen. Foto: dpa - dpa

Eine gute Hand-Auge-Koordination und Sorgfalt sind in diesem Beruf ein Muss: Mikrotechnologen stellen winzige Technikteile her.

Regensburg/FrankfurtOhne sie würde kein Smartphone funktionieren, kein Computer, kein Airbag oder Hörgerät – Mikrochips und -sensoren sind ein zentrales Bauteil für fast jedes elektronische Gerät. Diese mikroskopisch kleinen Technikteile stellt Laura Zweckerl her, neben Halbleiterkomponenten und Mikrosystemen. Die 19-Jährige absolviert eine Ausbildung als Mikrotechnologin bei der Firma Infineon Technologies AG in Regensburg.

Aus Siliziumscheiben, in die sie Löcher und Rillen ätzt und auf die sie Metallkontakte anbringt, produziert sie kleinste Chips. „Das ist echt ein guter Job mit besten Zukunftsaussichten“, sagt Zweckerl.

Deutschlandweit haben 2017 insgesamt 132 junge Leute einen Ausbildungsvertrag zum Mikrotechnologen abgeschlossen, erklärt Haimo Huhle vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie in Frankfurt. Wer sich für eine Ausbildung bewirbt, muss mindestens die Mittlere Reife sowie gute Noten in naturwissenschaftlichen Fächern mitbringen. Ebenfalls ein Muss: Eine sorgfältige und präzise Arbeitsweise. „Geschicklichkeit und eine gute Hand-Augen-Koordination sind gefragt“, erklärt Haimo Huhle vom Zentralverband. Bewerber müssen darüber hinaus fit in Englisch sein, um Montagepläne oder Handbücher zu verstehen. Die Ausbildung, die im Betrieb und in der Berufsschule stattfindet, dauert drei Jahre. Sie wird in den Schwerpunkten Halbleitertechnik und Mikrosystemtechnik angeboten. Wer sich für Halbleitertechnik entscheidet, lernt, wie man Baugruppen von Mikrochips aus Silizium herstellt. Beim Schwerpunkt Mikrosystemtechnik geht es darum, diese Baugruppen zu funktionierenden Systemen zusammenzufügen. „So werden zum Beispiel Sensoren hergestellt, die dafür sorgen, dass Airbags sich bei einem Aufprall aufblasen“, sagt Huhle.

Nur mit Schutzkleidung

Eine Besonderheit des Berufs: Mikrotechnologen arbeiten in sogenannten Reinräumen. Das sind staubfreie Hallen. „Schon ein kleiner Fussel kann größer sein als ein Chip und ihn zerstören“, erklärt Zweckerl. Im Reinraum müssen die Technologen einen Schutzanzug, eine Kopfhaube sowie spezielle Schuhe tragen. In vielen Firmen ist zudem eine Gesichtsmaske, bei der nur die Augenpartie frei bleibt, vorgeschrieben. Die Luft in Reinräumen ist oft trocken, was nicht jedermanns Sache ist. „Mir macht das aber nichts aus“, betont Zweckerl. Sie stört sich auch nicht daran, dass sie nach der Ausbildung Schichtdienst haben wird.

Die Produktion von Mikrochips erfolgt, ebenso wie die Montage, an großen Anlagen. Die Fachleute sind dafür zuständig, diese Anlagen einzustellen und zu warten. Sie planen und organisieren Abläufe, dokumentieren sie und haben die Qualitätssicherung im Blick. Sie handhaben und lagern die Werkstoffe und Chemikalien, stellen sie für die Produktion bereit und entsorgen Reststoffe fachgerecht. Kommt es zu Störungen, greifen sie ein und beheben den Fehler. Mit Messgeräten prüfen die Fachkräfte die Bedingungen im Reinraum und stellen sicher, dass alles stimmt.„Das Tolle an der Tätigkeit ist auch, dass man sich mit eigenen Ideen einbringen kann“, sagt Zweckerl.

Die Bundesagentur für Arbeit gibt Orientierungswerte für die Ausbildungsvergütung in tarifgebundenen Betrieben an: Im ersten Lehrjahr verdienen Mikrotechnologen 976 bis 1047 Euro brutto monatlich, im zweiten zwischen 1029 und 1102 Euro. Im letzten Ausbildungsjahr steigt die Vergütung auf 1102 bis 1199 Euro. Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung beträgt Huhle zufolge um die 3200 Euro.

Die Fachleute finden zum Beispiel Jobs im Automobil- oder Maschinenbau, in der IT-Branche oder in der Forschung. Wer sich weiterqualifizieren will, kann an die Ausbildung einen Techniker der Fachrichtung Mikrosystemtechnik anschließen oder Mikrotechnik beziehungsweise Mikrosystemtechnik studieren. Eines ist in jedem Fall wichtig: „Angesichts der ständigen Neuerungen müssen Mikrotechnologen ihre Fachkenntnisse ständig auf den aktuellen Stand bringen und erweitern“, betont Huhle.

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