Die Proteste im Iran gegen die Regierung hatten die politische Führung des Landes in eine schwere Krise gestürzt. Foto: Fernando Sánchez/EUROPA PRESS/dpa

Iranische Sicherheitskräfte sollen mit sexualisierter Gewalt gegen Protestierende vorgegangen sein. Das berichtet Amnesty International - und schildert schockierende Details.

Berlin - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat iranischen Sicherheitskräften die Vergewaltigung von Demonstranten im Zusammenhang mit der Protestwelle im Herbst 2022 vorgeworfen. Die sexualisierte Gewalt hätte sich gegen Frauen, Männer und auch Minderjährige gerichtet, mit dem Ziel, Protestierende einzuschüchtern, heißt es in einem von Amnesty am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Dieser stützt sich nach Angaben der Organisation auf Aussagen von Betroffenen, Angehörigen, Psychologen und anderen Inhaftierten.

Die Proteste im Iran gegen den repressiven Regierungskurs im Vorjahr hatte die politische Führung des Landes in eine der schwersten Krisen seit Jahrzehnten gestürzt. Die Sicherheitskräfte gingen teils mit massiver Gewalt gegen die Demonstranten vor, mehrere Hundert wurden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten getötet. Tausende Protestierende wurden festgenommen. Mittlerweile zeigt sich die politische und geistliche Führung in Teheran wieder selbstbewusst.

In dem nun veröffentlichten Bericht schildert Amnesty teils schockierende Details zu den Vorkommnissen in Haft oder Polizeigewahrsam. So sollen bei den Vergewaltigungen zum Teil Gegenstände wie Glasflaschen oder Schlagstöcke zum Einsatz gekommen sein, auch sei es in einigen Fällen zu Gruppenvergewaltigungen gekommen. Insgesamt habe die Organisation 45 Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Demonstranten nach Festnahmen in verschiedenen Teilen des Landes dokumentieren können, in 16 Fällen sei es dabei zur Vergewaltigung gekommen.

"Sexualisierte Gewalt ist eine der brutalsten Waffen im Arsenal der iranischen Behörden, um Protestierende zu demütigen und Kritik zu unterdrücken und so um jeden Preis an der Macht zu bleiben", sagte Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. Bisher sei kein einziger der Täter innerhalb der Geheimdienste und Sicherheitskräfte angeklagt worden. Die große Mehrheit der Betroffenen habe keine Anzeige erstattet, da sie kein Vertrauen in die Justiz hätten.