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Knapp 4.400 Mediziner, die einst außerhalb der EU ihr Studium absolviert haben, sind heute in den Kliniken Baden-Württembergs tätig. Dass es mehr sein könnten und dass Fachkräfte aus dem sogenannten Nicht-EU-Ausland im Kampf gegen den Ärztemangel weiterhelfen könnten, zeigt sich nun anhand einiger Berichte: so gibt es derzeit mehrere Hundert Mediziner, die gerne im Ländle arbeiten würden, es aufgrund bürokratischer Hürden jedoch nicht dürfen.

Die Ärzte werden knapp

Der Ärztemangel beschäftigt nicht nur Baden-Württemberg, sondern die gesamte Bundesrepublik. Das Problem: der durchschnittliche Mediziner wird immer älter, viele gehen schon bald in den Ruhestand und der Nachwuchs kann die entstehende Lücke zahlenmäßig nicht füllen. Wie groß der Bedarf an medizinischem Fachpersonal hierzulande ist, offenbart die Anzahl der verfügbaren Stellenangebote für Ärzte in spezialisierten Jobbörsen.

Aus diesem Grund werden aktuell zahlreiche Maßnahmen besprochen und auf den Weg gebracht, die dem drohenden Mangel entgegenwirken sollen. Von Telemedizin über zusätzliche Studienplätze bis hin zu Landarztquoten und Fördergeldern reicht das Spektrum möglicher Ansätze, die einerseits den Nachwuchs stärken und andererseits den praktizierenden Medizinern zu mehr Effizienz verhelfen sollen. Die Ärzte aus dem Ausland stellen ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Hilfe dar.

Voraussetzung für das Praktizieren in Deutschland: Die Approbation

Ein Mediziner, der im Ausland studiert hat, muss in Deutschland zunächst die staatliche Approbation erlangen. Hierfür steht den Ärzten ein spezieller bürokratischer Vorgang zur Verfügung, in dessen Rahmen sie unter anderem eine Fachprüfung absolvieren.

Wie aus der Antwort des Regierungspräsidiums Stuttgart auf eine Anfrage über die gemeinnützige Plattform fragdenstaat.de hervorgeht, stellten zwischen 2014 und 2018 pro Jahr durchschnittlich

· 910 Mediziner aus Nicht-EU-Staaten

· und 494 Mediziner aus EU-Ländern

einen Antrag auf Erteilung der Approbation in Baden-Württemberg. Insgesamt wurden im gleichen Zeitraum durchschnittlich 754 Approbationen jährlich erteilt.

Die Erlangung der Approbation mit Hilfe der Fachprüfung klingt unkompliziert für studierte Mediziner. Viele sind gut vorbereitet und warten auf ihren Termin. Hier jedoch beginnt das große Problem, denn oft belaufen sich die Wartezeiten auf einige Monate oder gar Jahre.

Zulassung zur Fachprüfung: Ein Ding der Unmöglichkeit?

Dies hat verschiedene Gründe:

1. Die Zulassung zu den Prüfungen ist abhängig davon, dass Mediziner glaubhaft versichern und belegen müssen, in Baden-Württemberg eine Arbeitsstelle in Aussicht zu haben. Kliniken vergeben solche Zusagen allerdings ungern, da den Bewerbern die Approbation fehlt – ein bürokratischer Teufelskreis.

2. Zusätzlich ist von einem Mangel an Prüfern die Rede, weshalb nur eine begrenzte Anzahl von Medizinern jährlich die Fachprüfungen überhaupt absolvieren kann.

Vereinfachte Verfahren könnten helfen

Dass Hunderte Ärzte praktisch bereit dazu sind, so zeitnah wie möglich mit dem Arbeiten in einer Klinik oder Praxis zu beginnen, könnte sich als wirkungsvolles Mittel gegen Mangelzustände in der medizinischen Versorgung erweisen.

Auch der Marburger Bund ist sich der schwierigen Situation bewusst, weshalb der Vorsitzende Frank Reuter Medienberichten zufolge eine Lockerung des Verfahrens angesprochen hat. Doch seitens des Regierungspräsidiums in Stuttgart wird an einem klaren Kurs festgehalten: Mediziner sollen weiterhin belegen, dass sie nach der Erteilung ihrer Approbation im Bundesland bleiben möchten. Ein Weggang zu Gunsten anderer Bundesländer würde Baden-Württemberg schließlich nichts bringen. Wie und ob das Verfahren dennoch angepasst werden könnte, bleibt unklar.

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