Ab Januar 2026 müssen die Bürger im Rems-Murr-Kreis tiefer in die Tasche greifen. Doch zahlen sie mehr als andere in der Region und im Land?
Angesichts der allgemein schwierigen Wirtschaftslage und der üblichen Kostensteigerungen ist es nicht verwunderlich, dass der Preisanstieg auch vor der Müllentsorgung nicht Halt macht. Dass ein satter Aufschlag bei den Abfallgebühren im Rems-Murr-Kreis ansteht, war Eingeweihten schon länger klar. Jetzt steht auch fest, um wie viel teurer es künftig wird für die Bürger im Rems- und Murrtal oder im Schwäbischen Wald.
Ein typischer Vier-Personen-Haushalt – dies gilt als übliche Referenzgröße – muss ab dem kommenden Jahr 31 Euro mehr bezahlen. Das heißt, statt derzeit noch 165 Euro sind es künftig 196 Euro für diese „Musterfamilie“.
Der neue Betrag gilt für die nächsten beiden Jahre
Die genauen Zahlen zu dieser Erhöhung nannten Rems-Murr-Landrat Richard Sigel und der Finanzvorstand der Abfallwirtschaft Rems-Murr, Marcus Siegel, in einem Pressegespräch direkt vor der Verwaltungsratssitzung der AWRM im Waiblinger Landratsamt. Dieser Betrag gelte dann stabil ab Januar 2026 für die kommenden zwei Jahre, so das Duo Sigel und Siegel im Raum Sölbach des Kreishauses.
„Der Kostendruck im Bereich Abfallwirtschaft ist erheblich, insbesondere durch gesetzliche Vorgaben“, nennt Sigel einen der Hauptgründe für die „unumgängliche Erhöhung“ der Müllgebühren an Rems und Murr. Ebenfalls eine Rolle spielten fallende Verwertungspreise bei den Wertstoffen sowie steigende Kosten im Logistik- und Dienstleistungsbereich. „Dennoch hat es für mich Priorität, die Belastungen der Bürger möglichst gering zu halten“, so der Landrat.
Im Detail verwies Siegel zum Beispiel auf die gesetzlich vorgeschriebene CO2-Abgabe auf die Verbrennung von Restmüll. Diese Mehrkosten wirken sich auch auf die Sperrmüllentsorgung aus. Mehr Restmüll bedeutet mehr Kosten: Wenn Wertstoffe nicht sauber getrennt werden, landen sie im Restmüll und müssen teuer verbrannt werden.
„Mit einer konsequenten Trennung von Rest- und Wertstoffen sowie der Nutzung unserer Entsorgungsangebote können alle dazu beitragen, die Gebühren auf einem stabilen Niveau zu halten“, so der Appell auch des Landrats an die Bürgerinnen und Bürger im Rems-Murr-Kreis. Eine sorgfältige, konsequente Trennung von Wertstoffen und Biomüll spare Kosten und unterstütze gleichzeitig umweltfreundliche Recyclingkreisläufe.
Auch stillgelegte Deponien verursachen Kosten
Ein Kostentreiber, der ebenfalls einen deutlichen Anteil am Gebührenanstieg hat, sind die sogenannten Nachsorgerückstellungen für die bereits stillgelegten Deponien im Rems-Murr-Kreis. Siegel: „Diese Deponien müssen auch Jahrzehnte nach ihrer Schließung überwacht und gesichert werden, um Umweltschäden zu verhindern.“ Dazu zählt beispielsweise das Austreten von Sickerwasser oder Deponiegasen, die entweichen könnten.
Zu Mehrkosten führen auch die gesetzlichen Vorgaben für den Schutz kritischer Infrastruktur – abgekürzt KRITIS. Mehrere Angriffe auf öffentliche Einrichtungen haben deutlich gemacht, dass dringend in sichere Systeme der Informationstechnologie investiert werden muss, um Cyberangriffe abzuwehren und die Entsorgungssicherheit dauerhaft zu gewährleisten.
Auch wenn die Müllgebühren steigen, so wähnt man sich im Rems-Murr-Kreis weiterhin auf einer vergleichsweise kostengünstigen Spur. Das Gebührenniveau bleibe im regionalen Vergleich „weiterhin niedrig“. Der Rems-Murr-Kreis gehört zu den Top 5 der umliegenden Landkreise mit den günstigsten Abfallgebühren.
Landrat Sigel: „Wir brauchen uns damit nicht zu verstecken.“ Auch landesweit liegt der Rems-Murr-Kreis im Jahr 2025 im Vergleich der günstigsten Gebühren auf Rang 11 der 44 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg.
Und selbst mit den ab Januar gebotenen 196 Euro jährlich rechnet der Landrat damit, „dass wir trotzdem im nächsten Jahr in die Top Ten der niedrigsten Gebühren vorrücken“.
Für 2028 allenfalls geringe Erhöhungen prognostiziert
Konstatieren darf man gleichwohl einen erklecklichen Kostensprung in den vergangenen Jahren, den mancher Haushalt sicher nicht so locker wegstecken kann. Vor zwei Jahren lag die Jahresgebühr noch bei 143 Euro, dann folgte für 2024/25 der Satz um 22 Euro auf die aktuell noch gültigen 165 Euro. Und nun müssen für 2026 und 2027 noch mal 31 Euro auf jeweils 196 Euro draufgesattelt werden.
Allerdings könnte in der sich dann anschließenden Runde, also mit dem Haushalt 2028/29, Schluss sein mit den Steigerungen. „Wir erwarten dann eine Seitwärtsbewegung“, sagt Siegel. Was bedeutet, dass man auf dem Level bleiben wird und somit die Jahresgebühr die 200 Euro nicht übersteigen wird.