Thorsten Matznick, Vorsitzender des Kirchengemeinderats der Gemeinde Baltmannsweiler-Aichwald, und der Pfarrer Robert Aubele freuen sich auf das Jubiläumsfest. Foto: Andreas Kaier

Die Martinskirche in Aichelberg wurde vor 50 Jahren geweiht – nur wenige Jahre nachdem der Bischof von Rottenburg die erste katholische Seelsorgestelle auf dem vorderen Schurwald eingerichtet hatte. Vom 22. bis 24. September findet ein großes Jubiläumsfest statt.

Wenn die Aichelberger Katholiken der Kirchengemeinde Baltmannsweiler-Aichwald am Wochenende vom 22. bis zum 24. September feiern, dann ist es fast auf den Tag genau 50 Jahre her, dass die Kirche St. Martin im Aichwalder Ortsteil Aichelberg geweiht wurde: Und zwar am 23. September 1973 vom damaligen Weihbischof Anton Herre. Seiher rufen die beiden Glocken namens Ave Maria und St. Martinus die Gläubigen zum Gottesdienst. Den hält seit knapp eineinhalb Jahren der Pfarrer Robert Aubele, der im März 2022 seine Stelle in Spaichingen gegen jene auf dem Schurwald eingetauscht hat, um näher an seiner alten Heimat und seiner Familie zu sein. Er wurde in Geislingen geboren und ist in Böhmenkirch aufgewachsen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es kaum Katholiken auf dem Schurwald

Der Vorläufer der Kirchengemeinde Baltmannsweiler-Aichwald war erst im Mai 1958 aus der Taufe gehoben worden, als der Bischof von Rottenburg die Seelsorgestelle mit den Orten Baltmannsweiler, Hohengehren, Aichschieß mit Krummhardt, Schanbach mit Lobenrot und Aichelberg errichtete. Daraus ging dann im Jahr 1964 die selbstständige Pfarrei Mariä Himmelfahrt hervor – mit 1289 Katholiken verteilt auf sieben Orte. Noch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatte es auf dem vorderen Schurwald und damit auch in Aichelberg in einer rein evangelischen Gegend so gut wie keine katholischen Christen gegeben. Das änderte sich jedoch, wie in so vielen anderen Teilen Deutschlands auch, als nach 1945 viele Flüchtlinge katholischen Glaubens vor allem aus Tschechien auf den Schurwald kamen. Sie gingen anfangs zum Gottesdienst nach Plochingen, Esslingen oder ins Remstal.

Esslinger Architekt Andres Derer entwarf das Gebäude

„In Aichelberg haben die ersten katholischen Gottesdienste in der evangelischen Feldkirche stattgefunden“, erzählt Aubele. Mit der Zeit sei der Wunsch nach einer eigenen Kirche aber immer stärker geworden. In Baltmannsweiler war eine erste Notkirche bereits im Jahr 1952 eingeweiht worden, die allerdings 13 Jahre später von der heutigen Maria-Himmelfahrtskirche ersetzt wurde. 1966 erhielten die Aichschießer Katholiken ein eigenes Gotteshaus und den Schlusspunkt setzte Aichelberg mit dem Neubau der Martinskirche im Jahr 1973. Als sie Anfang der 1970er Jahre nach den Plänen des Esslinger Architekten Andres Derer und mit viel Eigenleistung der Aichelberger Katholiken gebaut wurde, verzeichnete die Gesamtgemeinde 1277 Gemeindeglieder, davon lebten 221 in Aichelberg, das damals knapp 1000 Einwohner zählte. Heute sind 410 der 2245 Aichelberger katholisch.

Mobile Wand verbindet Kirchenraum und Gemeindesaal

Die Martinskirche, die am 23. September 50 Jahre alt wird, ist nahezu in ihrem ursprünglichen Zustand, wie Thorsten Matznick, der Vorsitzende des Kirchengemeinderats, weiß. An den Kirchenraum schießt sich direkt ein Gemeindesaal an, der durch eine mobile Wand abgetrennt werden kann. „Dadurch können wir auch größere Gottesdienste feiern“, sagt Aubele. Es gibt eine kleine Küche, Toiletten und einen kleinen Jugendraum. Im Jahr 2008 bekam das kleine Gemeindezentrum eine Solaranlage aufs Dach, wobei fast der gesamte Strom eingespeist wird. Der Grund: Sowohl die Kirche als auch die anderen Räume werden über Nachtspeicheröfen beheizt, für die der selbst produzierte Solarstrom aber nicht verwendet werden kann.

Mitgliederzahlen sind im Sinkflug

Nach der Zukunft der Kirche gefragt, werden sowohl Matznick als auch Aubele nachdenklich. „Wir stehen heute vor einer strukturellen Frage“, sagt Aubele und verweist einerseits auf die „dünne Personaldecke“ der katholischen Kirche und andererseits auf die immer weiter zurückgehenden Mitgliederzahlen. Auf Dauer könne sich die katholische Kirche alle ihre Einrichtungen mit dem damit verbundenen Sanierungsaufwand nicht leisten. Die Kirchengemeinde müsse sich die Frage stellen, ob sie auch künftig drei Kirchen brauche, ob das sinnvoll sei. Ein weiteres Problem, mit denen nicht nur die Kirchen zu kämpfen haben, ist laut Matznick das nachlassende Interesse am ehrenamtlichen Engagement. „Kirche ist heute anders als früher kein selbstverständlicher Teil des eigenen Lebens mehr“, sagt der Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Immer weniger wollten sich über einen längeren Zeitraum an eine Aufgabe binden. Doch anders als in anderen Gegenden finden in den drei Kirchen der Kirchengemeinde Baltmannsweiler-Aichwald noch immer an jedem Wochenende Gottesdienste statt. „Das ist aber gut zu schaffen“, versichert Aubele.

Die Kirchengemeinde feiert ihr Gotteshaus

Motto
Im Hinblick auf den Namensgeber der Aichelberger Kirche St. Martin, der seinen Mantel mit einem Armen geteilt hat, steht das Jubiläumsfest unter dem Motto Teilen. Am Freitag, 22. September, wird Kultur geteilt, wenn ab 19.30 Uhr der Journalist und Kabarettist Peter Dietrich alias Bruder Theo zu Gast ist. Der Mönch macht sich nicht nur über religiöse und kirchliche Themen seine Gedanken, sondern greift auch gerne aktuelle Themen auf, die er mitunter scharf kommentiert. Im Eintrittspreis von zehn Euro enthalten sind ein Pausengetränk und ein Vesper.

Fest und Gottesdienst
Der Samstag, 23. September, steht anfangs unter dem Motto „Spielen teilen“, wenn ab 13 Uhr eine Schnitzeljagd für Kinder und Jugendliche beginnt. Anschließend wird gemeinsam gegrillt und es gibt Pizza für alle. Ab 18.30 Uhr heißt es dann „Talente und Essen teilen“, wenn es in der Kirche ein buntes Programm mit musikalischen und kulturellen Beiträgen gibt und jeder etwas fürs gemeinsame Büfett mitbringt. Am Sonntag, 24. September, steht der Festgottesdienst, der um 10 Uhr beginnt, unter dem Motto „Glauben teilen“. Mit dabei sind auch ehemalige Ministranten und ein Projektchor, der sich eigens für das Jubiläum gegründet hat. Danach gibt es einen Sektempfang.