Der Botnanger Abteilungskommandant Torsten Brandt zeigt OB Frank Nopper die Verhältnisse im Feuerwehrhaus. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Die Stuttgarter Feuerwehr hat einen riesigen Investitionsbedarf. Zig Gebäude sind veraltet. Im Haushalt sind viele Projekte durchgefallen. Doch es wird weiter gerungen.

Im vergangenen September war es, als Oberbürgermeister Frank Nopper in Botnang einen eindrucksvollen Empfang erfuhr. Rund hundert Menschen waren gekommen, um das Stuttgarter Stadtoberhaupt bei seinem Sommerspaziergang durch den Ort zu begleiten – und auf ein dringliches Anliegen hinzuweisen. Denn das Feuerwehrhaus ist komplett marode und veraltet. Wassereintritt und Schimmel in den beiden Wohnungen, keine getrennten Umkleiden für Frauen und Männer, kaputte Sanitäranlagen, sodass die rund 70 Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr nach den Einsätzen zu Hause duschen müssen – mit der Gefahr, Schadstoffe mitzubringen. Es gibt keine adäquaten Räume für die 40 Kinder und Jugendlichen und einen Stellplatz zu wenig für die Einsatzfahrzeuge.

All das beeindruckte Nopper nachhaltig. „Das ist ganz klar, da müssen wir was machen“, sagte er schließlich. Allerdings unter Haushaltsvorbehalt. Denn genauso klar war schon damals, dass die Stadt dringend sparen muss. Hunderte Millionen Euro neue Schulden werden in den nächsten Jahren notwendig.

Die „drei Bs“ fallen erneut durch

Die Haushaltsberatungen kurz vor Weihnachten führten deshalb zu schmerzlichen Einschnitten in vielen Bereichen. Das gilt auch für die Feuerwehr. Und so findet sich für Botnang nicht das mindestens 2,56 Millionen Euro teure Gesamtprojekt im Etat für die nächsten beiden Jahre, sondern nur die Sanierung der Wohnungen. Die Ehrenamtlichen werden sich weiter mit im Grunde untragbaren Zuständen abfinden müssen.

Auch andere Freiwillige Feuerwehren werden vertröstet. Neben Botnang sind mehrere ähnliche Bauvorhaben, ebenfalls wohl jeweils in der Größenordnung 2,5 bis drei Millionen Euro, betroffen. Die dringlichsten werden bei der Feuerwehr mittlerweile als die „drei Bs“ bezeichnet – Botnang, Birkach und Büsnau. Überall herrscht massiver Um- oder Neubaubedarf. Bereits vor zwei Jahren hatte man den Betroffenen gesagt, dass sie im damaligen Doppelhaushalt nicht berücksichtigt werden könnten – aber dann im nächsten. Auch das hat sich jetzt in Luft aufgelöst.

Oder vielleicht doch noch nicht ganz? Nach Informationen unserer Zeitung wird hinter den Kulissen weiter um jeden Euro gerungen. Noch in dieser Woche soll es dazu ein Gespräch im Rathaus mit verschiedenen Beteiligten geben. Dabei soll es aber wohl auch um bereits genehmigte Projekte gehen – und die Frage, ob sie tatsächlich wie geplant umgesetzt oder womöglich ebenfalls zeitlich gestreckt werden.

„Wir ordnen die Beschlüsse des Gemeinderats sehr verantwortungsvoll ein. Wir sind uns im Klaren, dass wir eine sehr schwierige Lage haben“, sagt Feuerwehrchef Georg Belge. Er lobt Stadträte und Verwaltung dafür, dass sie wichtige Projekte wie das neue Führungszentrum für Sicherheit und Gefahrenabwehr in Bad Cannstatt genehmigt haben, in diesem Fall für stolze 112 Millionen Euro. Auch das herbeigesehnte Gelände für ein Aus- und Fortbildungszentrum in Möhringen ist gekauft und mit zwei Millionen Euro für die ersten Umbauarbeiten ausgestattet worden.

Umzug unter die Paulinenbrücke

Doch bei anderen Projekten herrscht Leerlauf – oder es beginnt das Zittern. Dutzende Gebäude der Freiwilligen Feuerwehren sind sanierungsbedürftig, dazu waren es alle fünf Standorte der Berufsfeuerwehr. Die neue Filderwache ist in Betrieb, die anderen vier stehen noch auf der Liste. Die Feuerwache 1 im Süden soll neu gebaut werden, die Arbeiten am Provisorium unter der Paulinenbrücke laufen. „Der Interimsbau soll im Spätsommer fertig sein. Wir werden aber dort nicht einziehen, wenn in der Wache 1 aus finanziellen Gründen erst einmal nichts passieren sollte“, sagt Belge. Und hofft, dass es beim bisherigen Zeitplan bleibt.

„Die Frage ist, wie viel Geld zur Verfügung steht und wie die zeitlichen Abläufe ausgestaltet werden“, so der Branddirektor. Denn auch was genehmigt ist, kann theoretisch in die Länge gezogen werden, um zu sparen. Auf längere Sicht lohne sich das aber nicht, so Belge. „Die Wache 2 im Westen zum Beispiel hätte eine Grundsanierung mehr als nötig. Wenn man die schiebt, muss die Bausubstanz bis dahin erhalten werden. Das wird teuer.“ Auch die Kfz-Werkstätten müsste man eigentlich sofort angehen.

Dicht an dicht: So geht es in vielen Stuttgarter Feuerwachen zu – für Menschen und Fahrzeuge. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Das gilt für viele Projekte. Bereits vor Jahren hatte man in der Branddirektion einen Bedarf von einer halben Milliarde Euro allein für Baumaßnahmen errechnet. Inzwischen dürfte er noch deutlich höher sein. Mit jedem Jahr werden die Gebäude schlechter, Erhalt und spätere Sanierung oder Neubau teurer. „Wir haben einen Riesenrückstand. Es gibt prekäre Lagen und Missstände. Wir müssen schauen, wie wir priorisieren können“, sagt Belge.

Nur ein Beispiel von vielen, das den Alltag der Einsatzkräfte verdeutlicht: In der Wache 3 in Bad Cannstatt ist die Schlauchwaschanlage defekt. Die ist so alt, dass nur noch mit größter Mühe Ersatzteile zu beschaffen sind. Die Fachfirmen holen teils frühere Mitarbeiter aus der Rente, die sich damit noch auskennen. Auch das dürfte OB Nopper nicht gefallen – sogar ohne Sommerspaziergang.