Steine des Anstoßes aus Carrara-Marmor Foto: KRZ/Thomas Bischof

Die Zebrastreifen aus Carrara-Marmor werden ausgebaut.

Von Flensburg bis Oberammergau weiß man es: in Sindelfingen liegt oder lag (wie neulich in jenen Zeilen zum hässlichsten Rathaus der Republik, ehedem an dieser Stelle erschienen) das Geld einst auf der Straße. In Form von Carrara-Marmor. Nicht zu verwechseln mit Carrera-Marmor, obwohl schneller Flitzer ja auch nach SiFi passen.

Eben diesen Carraraquadern, in den 1970er Jahren in der Ziegelstraße und der Böblinger Straße zu Zebrastreifen verbaut, wird jetzt auf die Pelle gerückt. Sie wurden im Laufe der Jahre durch Baustellen und den Schwerlastverkehr beschädigt und müssen hergerichtet werden. Marmor ist halt kein Stahl. Obwohl man in der Daimler-Stadt beim Einbau stets betont hatte, dass sich der Marmorquader als solcher schon nach sechs Jahren gegenüber einem zu wiederholenden Anstrich rechne. Amortisierte sich also in 50 Jahren x-fach. Man verdiente quasi Geld durchs Drüberlatschen. So macht man in Sindelfingen Geschäfte.

Aber ganz so unzerstörbar ist der Marmor halt doch nicht. Das Calciumcarbonat, aus dem er besteht, reagiert stark auf Luftverschmutzung und säurebildende Abgase, auch von Autos. Je mehr Stinker also über den Marmorzebrastreifen fahren, desto löchriger wird er? Wer will denn bitte derlei Zusammenhang konstruieren: Wenn beim Daimler weniger Autos verkauft werden – oder halt doch nur noch E-Mobile – hält der Marmor länger? Das wäre wohl über den Zebrastreifen hinausgeschossen.

Nein, Sindelfingen macht das schon richtig. Und schwäbisch: die Quader werden ausgebaut, für die Zeit der Baumaßnahmen wird läppischer Asphalt auf die Straße gegossen. Die schimmernden Steine werden repariert und danach wieder eingebaut. Denn auch wenn man gelegentlich über seine Verhältnisse lebt, weiß man eben, was standesgemäß ist und bleibt! Aus demselben Marmor sind schließlich die Akropolis in Athen oder das Taj Mahal in Indien.