Die Linken-Bundestagsabgeordnete und Ex-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht Foto: dpa/Britta Pedersen

Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht wirft dem Westen im Fall von Russland und dem Giftanschlag auf Nawalny eine Doppelmoral vor – da fehlen ZDF-Moderator Markus Lanz die Worte für eine Replik.

Stuttgart - Von einer gendergerechten Sprache waren die Worte der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht am Donnerstagabend in der ZDF-Talkrunde von Markus Lanz meilenweit entfernt: „Ich bin nicht der Anwalt von Putin“, stellte die ehemalige Fraktionschefin der Linken im Bundestag fest. Ansonsten aber stand Wagenknecht in ihrer russlandfreundlichen Position felsenfest da, und ließ den Moderator Lanz am Ende sprachlos – und sogar demütig – zurück.

Russland ist eines der „rüdesten“ kapitalistischen Systeme

Es gebe eine Doppelmoral, dozierte die Volkswirtin Wagenknecht. Es werde mit „unterschiedlichen Maßstäben“ gemessen. Auf der einen Seite werde das „abscheuliche Verbrechen“ gegen Alexej Nawalny hochgezogen und Russland angeprangert, auf der anderen Seite schweige der Westen über das Enthaupten von Oppositionellen beim Öllieferanten Saudi-Arabien und beim „Zerfetzen von Menschen“ durch amerikanische Drohnen. „Das ist, was mich nervt.“ Man müsse die moralischen Maßstäbe „überall anwenden“, forderte Wagenknecht. Dem Regime von Putin traut die Linke einiges zu. Wenn Moskau jemanden zum Ziel auserkoren habe, „dann überlebt der das meistens nicht“. Russland sei eine Oligarchie, eines der „rüdesten“ kapitalistischen Systeme der Welt, ein Staat, in dem Menschen umgebracht werden. Und trotzdem sei zu hinterfragen, warum der Fall Nawalny jetzt mit einem Ende der Gaspipeline North-Stream 2 in Verbindung gebracht werde. CDU-Außenpolitiker wie Norbert Röttgen und die Grünen – allesamt Transatlantiker – hätten schon vor dem Fall Nawalny Sanktionen gegen Russland gefordert.

Kritik an den Waffenlieferungen an Saudi-Arabien

Aber ein Stopp der russischen Gaslieferungen würde bedeuten, Öl aus dem umweltschädlichen Fracking der USA zu beziehen oder aus dem Menschenrechten mit Füßen tretenden Nahen Osten. Dann verwies Wagenknecht noch auf die Ermordung und das Zersägen des kritischen Journalisten Jamal Kashoggi in Istanbul durch staatliche Schergen aus Saudi-Arabien: „Und diesem Land liefen wir auch noch Waffen!“ Markus Lanz gab sich darauf kleinlaut: „Okay, wir lassen das Thema.“ Im übrigen habe er den Fall Kashoggi in früheren Sendungen „ausführlich“ besprochen.

Im folgenden gab sich Markus Lanz dann demütig, um nicht zu sagen, devot: Er lese Wagenknechts Kolumnen auf Focus Online stets gerne: „Sie mit Ihrem politischen Talent, sehen Sie jetzt nicht den Moment anzugreifen?“ Lanz meinte die anstehende Neuordnung der Linken-Bundesspitze. Wagenknecht aber sagte nur, sie sei bereit, 2021 für den Bundestag zu kandidieren, falls ihr Landesverband das wünsche. Sie schreibe gerade ein Buch, und sie habe jetzt mehr Zeit für Dinge, die ihr wichtig seien, und das sei spannender als „innerparteiliche Kämpfe“.

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