Almut Siedler (links) und Bettine Foto: Krytzner - Krytzner

Am Dienstag öffnet der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Höchste Zeit für die Händler, die letzte Dekoration anzubringen. Für die meisten ist dieser Feinschliff mit Bohrmaschine und Zollstock aber längst Routine.

EsslingenRund um die Esslinger Rathäuser wird zurzeit gehämmert und gesägt, was das Zeug hält. Wenn am morgigen Dienstag der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt seine Pforten öffnet, wollen sich die Händler von ihrer besten Seite präsentieren. Bei der weihnachtlichen Dekoration der Dächer legen die Chefs meistens selbst Hand an.

Das Tor zum Mittelaltermarkt steht schon. Darunter liegt ein großer Stapel Holzscheite, den Gastronom und Marktbetreiber Reinhard Segatz aus Kirchheim Stück für Stück abträgt. Er ist seit 38 Jahren beim Esslinger Weihnachtsmarkt dabei und lobt die Organisatoren: „Die Marktleitung macht einen guten Job.“ Segatz freut sich, wenn es morgen endlich losgeht. Neben Glühbier und Hirtentrunk bietet er auch einen Bratapfellikör an. „Die Äpfel dafür kommen aus Kirchheim, und der Likör ist selbst gemacht.“ Der Gastronom setzt bewusst auf regionale Produkte. So kommen die Kartoffeln aus Bissingen. Ein Renner an seinem Stand sei die heiße Schokolade – vor allem natürlich bei frostigen Temperaturen. Reinhard Segatz hofft auf kaltes und trockenes Wetter. „Dann kommt die Weihnachtsmarktstimmung so richtig auf. Letztes Jahr war es einfach zu feucht“, sagt der Gastronom.

Naturseife und Öle bei Gunter Dietz

Gunter Dietz kommt mit seinem Stand seit 28 Jahren zum Esslinger Weihnachtsmarkt. Zusammen mit seiner Frau bietet er dort Naturseife, ätherische Öle und Kirschkernkissen feil. „Das ist ein toller und traditioneller Markt“, sagt er. Früher gab es zwar nur den Weihnachtsmarkt, aber der Mittelaltermarkt ist eine gute Ergänzung“, findet er. Seit Jahren baut er seinen Stand vom Boden bis zum Dach selbst auf. Dietz kennt die meisten Marktbetreiber schon lange. „Ursprünglich waren es nur Esslinger, die an den Märkten teilnahmen, aber jetzt kommen die Betreiber von überall her.“ Begeistert ist er von der Kulisse. „Diese alten Häuser rund um den Marktplatz und das Rathaus passen nicht nur zum Weihnachtsmarkt. Wenn man auf dem Mittelaltermarkt unterwegs ist, fühlt man sich mit dieser Umgebung in die Zeit zurückversetzt.“ Die Entwicklung des Markttreibens sieht er positiv. „An den Wochenenden sind beide Märkte gut besucht, aber trotzdem verteilt es sich sehr gut, sodass man nicht durchgeschoben wird.“

Eine weite Anreise in die Neckarstadt haben Almut Siedler und Bettine Hadlauer-Kaslatter hinter sich. Sie kommen jedes Jahr aus Innsbruck auf den Mittelaltermarkt. Daheim gibt es zwar auch viele Weihnachtsmärkte, „aber eben keine Mittelaltermärkte“, sagt Almut Siedler. Die beiden Marktbetreiberinnen bieten handgefertigte Stirnbänder für die holde Maid, Windlichter, Ponchos und Hüte an ihrem Stand an. Der muss aber erst mal aufgebaut werden. Ihr handwerkliches Geschick kommt den beiden Frauen zugute. Mit Bohrmaschine und Zollstock bewaffnet, bauen sie die Verkaufshütte präzise auf. Selbst ausgeleierte Schrauben oder Haken, die nicht passen, bringen die beiden Marktbeschickerinnen nicht aus dem Konzept. „Wir machen das schon viel zu lange.“

Roman Ciolka verkauft Schals und Mützen

Ein Urgestein auf dem Esslinger Weihnachtsmarkt ist Roman Ciolka, der wie Reinhard Segatz von Beginn an dabei ist. „Am Anfang gab es nur drei oder vier Stände im Innenhof des Rathauses“, erinnert er sich. „Heute ist der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt einer der schönsten überhaupt.“ Angefangen hat Ciolka mit dem Verkauf von bulgarischen Töpfersachen, zwischendrin hat er Buddhas und Bali-Holz-Schnitzereien verkauft. Seit zehn Jahren hat er Schals und Mützen im Angebot. „Am liebsten würden wir ja alle zusammen rote Würste und Glühwein verkaufen, das läuft am besten“, sagt er. Dank der stetig steigenden Nachfrage nach seinen hübschen Mützen will er aber nicht klagen.

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