Nach dem traditionellen Richtspruch werden die Gläser auf den Boden geworfen. Foto: /Ines Rudel

Das Richtfest in Baltmannsweiler markiert den Baufortschritt an dem 9,7 Millionen Euro teuren neuen Gebäude. Der Neubau sei die Antwort auf die Aufgaben eines zeitgemäßen Bevölkerungsschutzes, sagte Bürgermeister Simon Schmid.

Eines der größten Bauprojekte in Baltmannsweiler kommt voran. Die Rede ist vom neuen Magazin für Feuerwehr und DRK, das an der Schorndorfer Straße entsteht und wo nun Richtfest gefeiert wurde. Der Neubau steht wie kein anderes Gebäude für das Zusammenwachsen der beiden Ortsteile Baltmannsweiler und Hohengehren, die bereits 1975 im Zuge der Verwaltungsreform zu einer Kommune zusammengefügt wurden. Das stattliche Gebäude wird nach der für 2024 anvisierten Fertigstellung die beiden bisherigen und längst zu klein gewordenen Feuerwehrmagazine in Baltmannsweiler und Hohengehren ablösen.

Die beiden Wehren wachsen zusammen

Heute sind die gegenseitigen Vorbehalte der Menschen aus den beiden Schurwalddörfern weitgehend überwunden, und der Neubau versinnbildlicht das Zusammenwachsen der ursprünglich zwei Wehren, die sich spätestens während der Arbeit an dem neuen Nutzungskonzept zu einer Einheit verbunden haben. Das hat auch Thomas Krüger in seiner Richtfestrede betont, der als stellvertretender Kommandant für die Gesamtwehr Baltmannsweiler ehrenamtlich Dienst leistet. Krüger vertrat den erkrankten Kommandanten Andreas Hischmann.

„Auf diesen Tag haben manche seit 25 Jahren gewartet.“ Mit diesen Worten beschrieb Bürgermeister Simon Schmid den langen Vorlauf für das ehrgeizige Projekt, für das vor gut einem Jahr der Spatenstich stattgefunden hatte. „Hier ist vieles richtig gemacht worden“, sagte Schmid weiter. Er lobte die gute Zusammenarbeit von Gemeinderat, Feuerwehr, DRK, Verwaltung und den Baufirmen. Der markante Neubau sei die passende Antwort auf die Aufgaben des zeitgemäßen Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, sagte Schmid. Immerhin 80 Prozent des Gebäudes sei nach DIN Norm umgesetzt und erfülle damit hohe Ansprüche an die Funktionalität. Schmid sprach außerdem von einem „sehr hohen Niveau“ in den Organisationen Feuerwehr und DRK. Das beruhige ihn als Bürgermeister. Er ergänzte: „Ihr habt es verdient, in diesen zeitgemäßen Räumen zu arbeiten.“Für ihre erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit sprach Schmid den versammelten Feuerwehrleuten und den Mitgliedern des DRK seinen Dank und ein großes Kompliment aus. Außerdem könne sich Baltmannsweiler für die gute Nachwuchsarbeit glücklich schätzen.

Die Baukosten sind stark gestiegen

Der DRK-Vorsitzende Martin Kuhn nannte den Neubau einen Meilenstein in der Zusammenarbeit. Die neue Infrastruktur werde helfen, den Schutzauftrag durch schnelle Hilfeleistung und gute Vorbereitung noch besser umzusetzen. Dafür sei die Unterstützung der Gemeinde von unschätzbarem Wert. Während der Bau der Feuerwehreinrichtung eine Pflichtaufgabe der Gemeinde ist, muss das DRK rund 110 000 Euro aus eigenen Mitteln aufbringen. Jede Spende sei willkommen, sagte Kuhn. Der Spendentopf sei mit derzeit rund 10 000 Euro erst zu zwei Dritteln gefüllt.

2022 machte der Neubau wegen immenser Baukostensteigerungen von sich reden, als klar wurde, dass die veranschlagten 8,2 Millionen Euro nicht reichen werden. Inzwischen rechnet die Kommune mit Ausgaben von 9,7 Millionen Euro für den zweigeschossigen Bau. Wenn dieser 2024 fertig sein sollte, wäre das eine Punktlandung für die Feuerwehrabteilung Hohengehren, die dann ihr 200-jähriges Bestehen feiert.

Die Zukunft der beiden bisherigen Feuerwehrmagazine ist unklar

Als Gründe für die Sprünge bei den Baukosten verwies Bürgermeister Simon Schmid auf die Folgen des Ukrainekrieges. Bei einer Wahlkampfveranstaltung Ende Februar im Vorfeld der Bürgermeisterwahl sagte er, keiner könne sagen, wo man rauskomme, denn man lebe in einer sehr dynamischen Zeit. Aber immerhin habe das zweite Ausschreibungspaket keine so großen Kostensprünge mehr ergeben wie zu Beginn der Arbeiten.

Nach dem Neubau des Feuerwehrhauses wird die Gemeinde allerdings voraussichtlich keine Rücklagen mehr haben, doch weitere Investitionen sind auf jeden Fall notwendig, auch um die beiden bisherigen Feuerwehrareale neu zu überplanen, damit auf ihnen möglicherweise lebendige Wohnquartiere entstehen. Der Gemeinderat hat bereits grünes Licht für die angestrebte Neuordnung samt Bürgerbeteiligung gegeben, die das Land fördern wird. Zunächst wird dafür ein Beratungsbüro gesucht. Als Chance gilt immerhin, dass sich alle Flächen im kommunalen Besitz befinden. Da sie jeweils im Ortskern von Baltmannsweiler und Hohengehren liegen, bieten sich die Themen Innenentwicklung und Lückenschluss an, die sich auch die Wohnraumoffensive Baden-Württemberg auf die Fahnen geschrieben hat – und für die Baltmannsweiler bereits einen Förderbescheid bekommen hat.

Die Gemeinde ist der Kostenträger

Aufgabe
Die kommunalen Feuerwehren sind laut Bundesinnenministerium das Rückgrat der Gefahrenabwehr. Sie nehmen mit den Aufgabenbereichen Brandschutz, Technische Hilfeleistung und ABC-Gefahrenabwehr auch im Katastrophenschutz die Aufgaben wahr, die den Kommunen bereits über die Brandschutzgesetze der Länder als Pflichtaufgaben zugewiesen sind.

Gesetz
Das Feuerwehrgesetz regelt, dass jede Gemeinde „auf ihre Kosten eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten“ hat. Dazu zählt auch, „die für die Aus- und Fortbildung und Unterkunft der Feuerwehrangehörigen sowie für die Aufbewahrung der Ausrüstungsgegenstände erforderlichen Räume und Plätze zur Verfügung zu stellen“.