Foto: Karte:Radverkehr-Konzept Frankfu - Karte:Radverkehr-Konzept Frankfurt

Bequem und schnell zur Arbeit nach Stuttgart: Das wird für Plochinger künftig auch mit dem Fahrrad möglich, sobald der Schnellradweg realisiert ist. Im Gemeinderat wurden nun drei Varianten vorgestellt.

PlochingenDas Land plant einen 18 Kilometer langen Neckartal-Radschnellweg durch den Landkreis. Am 7. März dieses Jahres setzten die Bürgermeister von Esslingen, Altbach, Deizisau, Plochingen und Reichenbach neben Vertretern der Landesregierung, des Regierungspräsidiums und des Landkreises ihre Unterschrift unter ein Papier, indem sie ihre Mitarbeit an dem Projekt zusicherten. Mit dem Radschnellweg soll der Radverkehr als Alternative zu Auto und öffentlichem Nahverkehr gestärkt werden. Seit Ende 2017 ist eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, die davon ausgeht, dass täglich rund 2000 Radler den Schnellweg nutzen werden. Nun liegen drei erste grobe Varianten auf dem Tisch, mit denen sich die Planer bis Ende 2018 beschäftigen werden.

13 Radschnellwege bis 2025

Ziel der Landesregierung, die das Projekt auch finanziert, ist die Stärkung des Radverkehrs, erklärte der Plochinger Umweltbeauftragte Dietrich Wagner am Dienstagabend während der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt im Plochinger Gemeinderat. Neben dem Neckartal-Radschnellweg, der von der Kreisgrenze Stuttgart bis zur Kreisgrenze Göppingen führen soll, sollen in Baden-Württemberg noch zwei weitere Radschnellverbindungen von Mannheim nach Heilbronn und von Bad Wimpfen nach Heilbronn als Pilotprojekte realisiert werden. Daraus will das Land Erkenntnisse für zehn weitere überregionale Radschnellwege gewinnen, die bis zum Jahr 2025 im Land entstehen sollen. Berufspendlern und Alltagsradlern soll auf dem neuen Radweg eine attraktive Möglichkeit geboten werden, längere Strecken zügig und ohne viel Kreuzung mit dem Kfz-Verkehr zurückzulegen.

„Der neue Radweg soll vier Meter breit und von Fußgängerwegen getrennt sein, einen guten Belag haben, möglichst wenig Steigungen und eine direkte Linienführung aufweisen, aber auch nicht zu weit von Zentren und S-Bahnstationen verlaufen“, skizzierte Wagner die grundlegenden Gedanken der Planung. Außerdem soll eine städtebauliche Integration und landschaftliche Einbindung gewährleistet sein. Genau das, so Wagner, werde wohl im eng bebauten Neckartal die größte Herausforderung sein. „Deshalb muss die Planung auch so flexibel sein, eventuell auch neue Verbindungen zwischen den erst grob geplanten drei Radwegvarianten zu bauen – zum Beispiel eine Brücke zwischen Altbach und Deizisau, die es möglich macht, die nördlich geplanten Radwege über den Neckar hinweg mit dem südlichen, entlang der B 10 laufenden Radweg zu verbinden.“ Vor den Planern liegt also noch ein gutes Stück Arbeit. „Ich habe dabei volles Vertrauen in die deutsche Ingenieurskunst, eine gute Lösung zu finden“, sagte Bürgermeister Frank Buß.

Die drei Varianten

Nach den ersten groben Planungen führt die Variante „Städtisch Nord“ in Plochingen zum Beispiel durch die Esslinger Straße, die Variante „Neckar-Fils“ durch die Eisenbahnstraße und die Variante B 10 Süd auf der anderen Seite des Neckars von Esslingen über Deizisau durch den Landschaftspark Bruckenwasen nach Reichenbach. Ein genaues Bild von den angedachten Radwegführungen kann man sich im Internet auf einer interaktiven Karte machen, die weitere Informationen wie Fotos und Musterlösungen zeigt.

Die Planungen wurden im Plochinger Gemeinderatsausschuss einhellig begrüßt. „Der drohende Verkehrskollaps fordert zum Umdenken hin zu einer Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und auch des Verkehrsmittels Fahrrad auf“, sagte Dagmar Bluthardt (SPD). Die Planungen machten auch eine Trennung von Schnellradlern und „Genussradlern“ möglich, betonte sie. Und da das Land das Projekt finanziere, bestehe auch die Chance auf eine gute interkommunale Zusammenarbeit, so Bluthardt. „Uneingeschränkte Unterstützung“ sicherte auch Stefan Kirchner (OGL) zu. Allerdings wies er auf viele Fragen und „Baustellen“ in der Planung hin. Die Variante Nord erfordere den Umbau der Esslinger Straße und einen Schnellradweg bei der Variante B 10 Süd durch das Naherholungsgebiet Bruckenwasen sah er kritisch: „ Das passt nicht in ein Naherholungsgebiet!“.

2000 Radler gegen 70 000 Autos

Reiner Nußbaum (CDU) begrüßte die Initiative ebenso. Damit biete sich auch für Plochingen die große Chance, das „nicht perfekte Radwegenetz in der Stadt“ auf Vordermann zu bringen. Das große Verkehrsproblem löst ein Radschnellweg seiner Ansicht nach aber nicht: „Wir haben 70 000 Autos auf der B 10, 2000 Radler auf dem Schnellweg bringen da keine Lösung.“ Rainer Theobald (OGL) forderte zu Mut bei den Planungen auf. In großen Metropolen sei es gängig, in mehreren Ebenen zu denken. „Eine Überdeckelung der B 10 wäre hier auch im Hinblick auf den Lärmschutz ein sehr guter Ansatz“, regte er an und sein Fraktionskollege Kirchner forderte, „die Bürger bei den Planungen mitzunehmen.“

Für Ende April bis Mitte Mai sind die ersten Gespräche über das weitere Vorgehen mit den betroffenen Städten und Gemeinden geplant. Dabei werden solche Gedanken in die Planung einfließen. Die Machbarkeitsstudie soll bis Ende 2018 fertiggestellt sein. Dann, wenn es konkret wird und an die Umsetzung gehe, so Buß, würde sicher auch eine umfassende Bürgerbeteiligung stattfinden.

Einen anschaulichen Überblick über die Varianten und Details gibt eine interaktive Karte unter: http://rv-k.de/Esslingen/Radschnellweg/Varianten.html

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