Für den Schwerlastverkehr taugt diese Brücke über die Fils nicht. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Die Stadt will das Filsgebiet-West neu ordnen. Dafür muss die Fils-Brücke neu gebaut werden. Doch das ist nicht so einfach.

PlochingenDie Stadt Plochingen will die Wohn- und Gewerbeflächen sowie den Uferbereich des Filsgebiet-Wests attraktiver machen. Seit zwei Jahren ist die gut 120.000 Quadratmeter große Fläche als Sanierungsgebiet festgelegt, mittlerweile liegt auch die Machbarkeitsstudie für die Erschließung vor. Die hat der Gemeinderat jetzt diskutiert.

Sie empfiehlt für den Teil nördlich der Fils, die Straße Am Filswehr etwa auf Höhe von Hausnummer 2 nach Süden zu verschwenken – bis zur verlängerten Achse des Filswegs. Damit würde die Straßenführung auch etwas von der niedrigen und überflutungsgefährdeten Bahnunterführung abrücken. Anschließend geht sie weiter Richtung Westen zum Filsweg. Im weiteren Verlauf wird die Trasse des bestehenden Filswegs mit einer Linkskurve – wie der Bestand – Richtung Fils wieder aufgenommen. Denn im Filsweg befinden sich wichtige Abwasseranlagen, an die man bei dieser Streckenführung nicht herangehen müsste.

Problem ist jedoch die Brücke, die hinüber in den südlichen Bereich des Areals führt. Die ist derzeit nur auf eine Belastung von 12 Tonnen ausgelegt ist – was für schwere Baumaschinen nicht reicht. Sie soll künftig bis zu 40 Tonnen tragen können. Bislang war deshalb eine Neubau unmittelbar westlich der bisherigen Filsüberquerung vorgesehen. Doch weil ein Brücken-Neubau auf ein 100-jähriges Hochwasser ausgelegt sein muss, käme er 1,50 Meter höher als die Bestandsbrücke – was steile und unschöne Rampen und Stützmauern mit sich brächte. Und die bisherige Brücke könnte während der Bauzeit dennoch nicht weiter genutzt werden.

Deshalb hat das beauftragte Ingenieurbüro Bürkle zwei alternative Ansätze zur Erschließung des südlichen Gebiets untersucht. Wenn man die bestehende Brücke weiter nützen würden, müsste der Schwerverkehr über eine Anbindung an die Wernauer Randstraße geführt werden. Aber das will die Nachbarstadt nicht, wie Bürgermeister Frank Buß seinem Gemeinderat mitteilte. Eine weitere Variante wäre ein Brückenneubau in der Verlängerung der Filsallee, der auch im Zuge des geplanten Radschnellwegs vorgesehen ist. Doch der wäre ein starker Eingriff in den geschützten Filsuferbereich. Zudem müsste dann der Filsweg am südlichen Ufer auf einer Länge von 450 Metern auf 7,50 Meter inklusive Radweg verbreitert werden – was ohne Grunderwerb gar nicht möglich wäre. Die Kosten für das Gesamtprojekt lägen bei 11,3 Millionen Euro bei der Variante mit Brückenneubau anstelle der Bestandsbrücke, bei 13,7 Millionen bei einer Brücke im Bereich der Filsallee. Die Fils-
überquerung ist aber nicht das einzige Problem, das noch einer Lösung harrt. Die Bahn würde im Gebiet Gänswasen im nordwestlichen Zwickel des Areals gerne zwei größere Wohnblöcke bauen – die könnten aber nur durch das bestehende Wohnquartier erschlossen werden.

Der Gemeinderat bekundete jedenfalls größtes Interesse daran, „das vernachlässigte Gebiet für Wohnen und Gewerbe“ attraktiver zu machen, wie sich Reiner Nußbaum (CDU) ausdrückte. Es sei Eile geboten, das Quartier aus seinem Dornröschenschlaf zu holen“, formulierte es Peter Raviol (SPD) etwas poetischer. „Doch die Brückenhöhe wird eine gewaltige Herausforderung“, befürchtete Constanze Hapke-Amann (OGL). Aber alle anderen Varianten scheiden aus – darüber war sich das Gremium einig. Harald Schmidt (ULP) regte eine Ortsbegehung an. Und sein Kollege Klaus Hink fragte angesichts der konjunkturellen Entwicklung, ob sich der kommunale Invest dort denn auch lohne. Kämmerer Michael Hanus: „Wir bekommen immer wieder Grundstücksnachfragen.“ Ein gewisses Problem seien jedoch die Bahnstromleitungen, die die Höhenentwicklung zwangsläufig deckeln.

Informationsveranstaltung zum Filsgebiet-West

Die Stadt Plochingen lädt alle, die sich für die städtebauliche Sanierung des Filsgebiets-West interessieren, am Donnerstag, 21. November, um 19 Uhr ins Foyer der Stadthalle ein. Sie informiert über den aktuellen Stand der Planungen, die sanierungsrechtlichen Rahmenbedingungen für private Maßnahmen und Ausgleichsbeträge, die Machbarkeitsstudie zur Neuordnung der Erschließung und über die weitere Vorgehensweise. Die Teilnehmer haben darüber hinaus auch die Gelegenheit, selbst Fragen und Anregungen einzubringen.

Das Sanierungsgebiet ist im Juni 2017 festgelegt worden. Seit Mai 2018 bildet ein städtebauliches Entwicklungskonzept die planerische Basis. Inzwischen ist der vertiefende Planungsprozess für den westlichen Bereich der Filsufer (Filsweg und Am Filswehr) und die Umsetzung von Maßnahmen angelaufen.

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