Geleitet von einem Geist in Form einer leuchtenden Kugel, macht sich ein Wolf auf die Suche nach seiner Vergangenheit. Foto: Mooneye Studios

Das deutsche Indie-Spiel „Lost Ember“ begeistert mit schöner Grafik und toller Story. Technisch hat es allerdings etwas zu kämpfen. Wir sagen im Test, für wen sich der Kauf lohnt.

Stuttgart - Neben dem Videospielmarkt mit den großen Reihen wie Fifa, Assassin’s Creed oder auch Need for Speed, deren Entwickler auf Millionenbudgets zurückgreifen können, hat sich vor allem mit dem digitalen Vertrieb in den vergangenen Jahren die kleine Welt der so genannten Independent-Spiele etabliert. Kleinere Entwicklerstudios produzieren Spiele, die sich in erster Linie durch originelle Spielideen und innovative Ansätze auszeichnen. Anders als früher sind diese Studios nicht mehr auf einen aufwendigen Vertrieb per Datenträger angewiesen, sondern können ihre Produkte in den diversen Digitalshops anbieten.

Zu diesen Independent-Anbietern zählen auch die Hamburger Mooneye Studios, die in den vergangenen drei Jahren das Tier-Adventure „Lost Ember“ produziert haben, das es immerhin auf die Shortlist des kürzlich vergebenen Deutschen Computerspielpreises geschafft hat. Anlass genug, sich „Lost Ember“ einmal näher anzusehen.

Worum geht’s?

Der Spieler landet als Wolf in einer mystisch-schönen Fantasywelt. Begleitet von einem Geist in Form einer leuchtenden Kugel macht er sich auf den Weg, sein eigenes Schicksal zu erforschen. Die Odyssee führt durch verschiedene Landschaften, nach und nach entfaltet sich die (tragische) Geschichte des Wolfes.

Sehen Sie hier den Trailer zu „Lost Ember“:

Der Clou am Spielkonzept von „Lost Ember“: Der Wolf ist in der Lage, mit seinem Geist auf verschiedene andere Tiere überzuspringen und sie zu kontrollieren. Und so sprintet der Spieler als Wolf durch sanft geschwungene Landschaften, überfliegt als Papagei oder Ente tiefe Schluchten, gräbt sich als Maulwurf unter Felsen und Mauern durch und schwimmt als Fisch durch tiefe Gewässer. Und das sind nur einige Tiere, die der Spieler kontrollieren kann.

Stärken

Mooneye Studios präsentiert in „Lost Ember“ eine wunderschöne, liebevoll gestaltete Fantasywelt aus einem Guss und entfaltet darin eine ans Herz gehende Geschichte. Jedes Tier, das der Spieler kontrolliert, hat seine Eigenheiten: Die Ente beispielsweise muss sich ganz schön mühen, um die Höhen zu überwinden, die Wombats rollen zwar putzig durch die Gegend, sind ansonsten aber nur begrenzt einsatzfähig. Die Musik ist stimmungsvoll, die Stimmen der Sprecher und Erzähler runden den Gesamteindruck ab.

Schwächen

So liebevoll „Lost Ember“ gemacht ist, stößt es doch an mancherlei Grenzen. Das Konzept mit den wechselnden Tieren ist innovativ, trägt aber nicht über die gesamte Spieldauer. Dafür sind die Möglichkeiten jedes Tieres zu begrenzt, der Grat zwischen Originalität und Monotonie ist schmal. Außerdem hakelt es in der technischen Umsetzung. Musik und Sprachausgabe überlagern sich gelegentlich unschön oder brechen einfach ab. Das Bild ruckelt immer mal wieder, außerdem tauchen regelmäßig Clippingfehler auf.

Fazit

Wer eine atmosphärische Grafik und eine toll erzählte Geschichte in einem gefühlt interaktiven Animationsfilm mag, ist bei „Lost Ember“ gut aufgehoben. Akrobaten auf dem Controller und Sammelwütige, die offene Welten bis in die letzte Ecke erkunden, werden sich allerdings schnell langweilen.

„Lost Ember“ ist für PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC erschienen und kostet knapp 30 Euro.

Grafik: 3,5 von 5 Punkten

Spielmechanik: 2,5 von 5 Punkten

Atmosphäre: 4,5 von 5 Punkten

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