Psychisch kranke Menschen ermordeten die Nationalsozialisten in Grafeneck. An Opfer aus Neuhausen wird mit Stoplersteinen erinnert, die am 20. Februar verlegt werden.
Mit fünf Stolpersteinen erinnert Neuhausen an Opfer des Nationalsozialismus, die in Grafeneck ermordet wurden. Die Gemeinschaft für Heimatgeschichte lädt am Freitag, 20. Februar, von 9 bis 11.30 Uhr zur Verlegung der Steine ein. Der Künstler Gunter Demnig wird die Kunstwerke verlegen. Die Aktion beginnt um 9 Uhr an der Kirchstraße 6.
Mit der Aktion will der Verein an die Menschen erinnern, die in der Tötungsanstalt der Nationalsozialisten vergast wurden. Über die sogenannten Euthanasie-Verbrechen wird heute in der Gedenkstätte Grafeneck informiert. „Wir wollen den Menschen aus Neuhausen ein Gesicht geben, die dort ermordet wurden“, sagt Olaf Scherbaum, der Vorsitzende. Gemeinsam mit seinem Vorgänger Karl Bayer hat er die Biografien der Männer und Frauen aus Neuhausen recherchiert, die wegen psychischer Erkrankungen in die Tötungsanstalt bei Gomadingen im Kreis Reutlingen kamen.
Neuhausen unterstützt Stolpersteine
Stolpersteine ist ein Kunstprojekt von Gunter Demnig aus Köln. „Der Künstler erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt“, erläutert Scherbaum das Konzept. 120 000 Stolpersteine hat der Künstler bereits verlegt. „Mit den Steinen vor den Häusern hält er die Erinnerung an die Menschen lebendig, die hier wohnten und gibt ihnen ein Stück ihrer Würde zurück.“ Mit der öffentlichen Verlegung will die Gemeinschaft für Heimatgeschichte die Menschen in Neuhausen für die ehrliche Aufarbeitung der Geschichte sensibilisieren.
Die Gemeinde Neuhausen unterstützt die Aktion. „Die Geschehnisse in Grafeneck sind für uns heute unvorstellbar. Die Unmenschlichkeit und Brutalität, mit der Kranke nach Grafeneck transportiert und noch am gleichen Tag in Gaskammern ermordet wurden, macht fassungslos“, sagt Bürgermeister Ingo Hacker. „Umso wichtiger ist es, an die Opfer zu erinnern und ihr Schicksal mittels dieser Stolpersteine in den Alltag von uns allen zu integrieren.“
Vor jeden Gebäude wird über die Opfer informiert. Die Musikschule begleitet die Aktion. Besucherinnen und Besucher, die schlecht zu Fuß sind, werden mit der Löwenkutsche von einem Ort zum nächsten gefahren.