Vor fast 38 Jahren gegründet, spielt die Fellbacher Band Time Warp jetzt bei „Live im Park“. Einer der Gastmusiker könnte dabei eine alte Rechnung begleichen.
Zugegeben, an die bald 65 Jahre Bandgeschichte der Rolling Stones kommen sie noch nicht ran. Im Gegensatz zu Mick Jagger oder Keith Richards mit ihren zerfurchten Gesichtern sehen die Musiker von Time Warp aber auch noch vergleichsweise frisch und unverbraucht aus. Auf immerhin 37 Jahre kommt die Band aus Fellbach trotzdem.
Bei Live im Park in Fellbach werden 3000 Fans erwartet
Jetzt, an diesem Donnerstag, 31. Juli, sind die etwas älter gewordenen Herren von Time Warp bei „Live im Park“ der Stadtwerke Fellbach vor der Schwabenlandhalle zu Gast – dem Anlass angemessen tummeln sich dabei fast alle Musiker, die jemals mal bei einem Auftritt mitgewirkt haben, ebenfalls als Gäste auf der Bühne. Der Abend wird deshalb auch „Time Warp and Friends“ tituliert. Erwartet wird an diesem Donnerstag ein proppenvoller Guntram-Palm-Platz mit mindestens 3000 Fans.
Es gibt wohl keinen Musikkeller oder Rock-Club, keine Kirbe oder Musiknacht, kein Volks-, Feuerwehr-, Stadt- oder Dorffest in der gesamten Region Stuttgart, an dem die Fellbacher Coverband in den vergangenen Jahrzehnten nicht schon mal aufgetreten ist. Mehrere zehntausend Menschen, wahrscheinlich sogar noch mehr, dürften ihnen dabei zugejubelt haben.
Time Warp ist aus einer Schulband entstanden
„Seit bald 38 Jahren sind wir also unterwegs“, berichtet Sänger Kim Lange beim Besuch in unserer Redaktion von den Anfängen. Entstanden ist Time Warp als Nachfolger der Schulband des Gustav-Stresemann-Gymnasiums in Fellbach-Schmiden, die sich den Namen Juke gegeben hatte. Vier der damaligen Gründungsmusiker sind bis heute noch dabei: Kim Lange (Vocals), Steffen Andrä (Gitarre, Gesang), Michael Bähr (Keyboards) und Jochen Schlolaut (Bass). „Ich war damals der Jüngste“, sagt der mittlerweile 56-jährige Kim Lange. Zur heutigen Besetzung gehören noch Andi Wolfarth (Drums) und Rainer Fehr (Gitarre).
Bis vor drei Jahren am Schlagzeug saß Bernd Kauffmann. „Im Keller der Metzgerei seiner Eltern in Schmiden haben wir geprobt“, erinnert sich Lange an die ersten Versuche. Der Metzgerei-Keller dient mittlerweile nicht mehr zur Feinabstimmung zwischen Rock-Röhre, Basslauf, Drumsolo und schneidigem Gitarrenriffs, seit einigen Jahren probt die Band in einem Firmenkeller im Schmidener Industriegebiet. „Keller ist gut, vor allem im Hochsommer ist er kühler“, sagt Lange. Schleifen lassen lässt das Sextett diese regelmäßigen Übungseinheiten nicht: „Wer nicht übt, der rostet ein, das ist doch klar.“
Unter den mehreren Hundert Auftritten der vergangenen bald vier Jahrzehnte gab es natürlich auch ein paar ganz außergewöhnliche mit Langzeitwirkung. Lange erinnert sich an die vier Konzerte bei einem Bandaustausch mit einer walisischen Band in Cardiff samt Gegenbesuch. Zur Delegation mit dem früheren Fellbacher Oberbürgermeister Christoph Palm in der ungarischen Partnerstadt Pécs gehörte auch Time Warp, „das war ein Super Erlebnis“.
Zudem gestaltete die Band auch die musikalischen Einlagen bei Palms Feier zu seinem 50. Geburtstag im Schmidener Schnitzbiegel: Auf besonderen Wunsch des Jubilars intonierte Time Warp einige Hits aus dessen Geburtsjahr 1966, etwa „Strangers in the Night“ oder „Sounds of Silence“.
Einmal wurde eine Time-Warp-Eigenkomposition zum besten Song im Rems-Murr-Kreis gekürt. Oft gab es Benefizkonzerte für die Aktion 6666 der Fellbacher Zeitung, immer wieder sind sie beim Fellbach Hopf, also dem Tanz in den Mai, dabei, seit mindestens 15 Jahren spielen sie, engagiert von den Fellbacher Weingärtnern, beim Fellbacher Herbst im Rathausinnenhof. Und dass Time Warp mittlerweile zum festen Silvesterprogramm mit einem Auftritt von 21 Uhr bis Mitternacht bei der Stuttgarter Nobeldisco Perkins Park auf dem Killesberg gehört, macht Lange durchaus stolz.
Doch was soll eigentlich der eigentümliche Bandname? In ihrer Info verweist die Fellbacher Combo auf diese Definition: „Time Warp bedeutet Verzerrung im Raum-Zeit-Kontinuum.“ Kenner der Filmhistorie erinnern sich aber wohl eher an die „Rocky Horror Picture Show“ von 1975, in der „Time Warp“ einer der Kracher ist. Der Song treibt bis heute bei jeder Oldie-Disco alle auf die Tanzfläche, um voller Energie und Leidenschaft die angewiesenen Bewegungen („Put your Hands on your Hips“) zu vollziehen.
Time Warp – inspiriert vom Rocky-Horror-Musical
Tatsächlich hatte Kim Lange einst bei der Schülerausfahrt der elften Klasse nach Berlin das Rocky-Horror-Musical gesehen. Und vor lauter Übermut schmissen er und seine Kumpels, wie es sich scheinbar gehörte, Wasser, Reis und Mehl durch die Gegend. Allerdings galt dies allenfalls im Kino, aber nicht bei einem Musical. Und so mussten alle anschließend den Saal wischen und schrubben. „Das war der Ursprung für den Bandnamen“, sagt Lange schmunzelnd.
Wenn Time Warp nun bei „Live im Park“ auf der Bühne steht, werden wieder viele Erinnerungen wach. Als Gastmusiker angekündigt sind: Harald Wagner, Holger Plösch, Bernd Kauffmann, Oliver Böse, Markus Sauber sowie Peter Notter.
Bei Live im Park in Fellbach werden offene Rechnungen beglichen
Und auch so manche offene Rechnung könnte an diesem Abend beglichen werden, zumindest im wörtlichen Sinne. Denn von der früheren Fellbacher Band October und ihrem Sänger und Gitarristen Markus „Lino“ Brendel , mit der sich Time Warp über Jahrzehnte hin gerne kabbelte, steht noch eine Gegenleistung aus: Denn bei einem Fußballspiel der beiden Combos in den 1990er Jahren „hat October hochillegal einen französischen Gitarristen, der zufällig noch hervorragend kicken konnte, eingekauft“.
Lange: „Nach dem verlorenen Spiel mussten wir denen fünf Kästen Bier bereitstellen – auf das Flaschenpfand warten wir bis heute.“ Da wäre es doch eine gute Gelegenheit für Brendel, der auch auf der Bühne mitwirkt, die ausstehende Summe bei Live im Park zurückzuzahlen.
Konzert
Der Auftritt von Time Warp im Rahmen der Reihe Live im Park beginnt an diesem Donnerstag, 31. August, um 18.30 Uhr. Erwartet werden zahlreiche Gastmusiker, die jemals bei der Band mitgewirkt oder ausgeholfen haben.
Veranstalter
Die Reihe findet noch bis 4. September stets donnerstags auf dem Guntram Palm-Platz, dem Areal vor der Schwabenlandhalle, statt. Veranstalter sind die Stadtwerke Fellbach, Organisatorin ist die Marketing-Fachfrau Sabine Sorg. Die Woche darauf, am 7. August, spielt dort die Rockband That’s Riot.