Andreas Roos Foto: oh - oh

Wenn die LesART zu Ende geht, wird im Esslinger Jazzkeller gefeiert. Beim Literaturfest, das einmal mehr im Handumdrehen ausverkauft war, sind diesmal Andreas Roos, Heinz Breuker und Christine Lehmann mit ihren neuen Texten zu Gast.

EsslingenDie Esslinger Literaturtage haben ein treues Stammpublikum. Die Treuesten der Treuen treffen sich alle Jahre wieder am letzten Tag zum Literaturfest im Jazzkeller. Dort wird ein letztes Mal für dieses Jahr mit Literatur und Musik gefeiert, die Veranstalter lassen die vergangenen vier Wochen Revue passieren, der Oberbürgermeister zieht eine ganz persönliche Bilanz, und alle freuen sich bereits aufs nächste Mal.

Den literarischen Part übernehmen Autorinnen und Autoren aus der Region. Diesmal liest der Esslinger Schriftsteller Heinz Breuker aus seinen Werken. Er ist ein Grenzgänger zwischen Literatur und Philosophie – zuletzt hat er mit „Fragwürdige Betrachtungen eines alten Mannes“ (Civitas Imperii Verlag, 15 Euro) auf sich aufmerksam gemacht. „In diesen Texten mischen sich konkrete Erlebnisse mit Träumen und Fantasien, persönliche Erinnerungen aus der Kindheit mit aktuellen, im besten Sinne fragwürdigen Betrachtungen der Gegenwart“, verrät der Autor. „Vom Unscheinbaren ist die Rede, vom Kleinen, vom Selbstverständlichen, bei dem sich durch geduldige Befragung das Erstaunliche zeigt.“ Und hinter alledem steht ein wacher Geist, ein aufmerksamer Beobachter und ein kluger Kopf, der mit seinen 73 Jahren das Staunen über die Welt nicht verlernt hat.

Zweiter im literarischen Bunde ist der Esslinger Slam-Poet Andreas Roos. Kennern der örtlichen Szene ist er als Initiator von Rosens Lyrik-Salon ein Begriff. So kreativ, wie er sich in seinen Gedichten zeigt, so einfallsreich ist er als Organisator von Literatur-Events. Roos bietet Workshops und „Lyrik-Blind-Dates“ an, er verwandelt leer stehende Geschäfte in Galerien auf Zeit und hat mit seiner „Neunchen-Schablone“ ein Werkzeug entwickelt, das die ersten Schritte in die Welt der Literatur ebnet. Vor allem aber ist Andreas Roos selbst ein veritabler Poet, dessen Werke oft reichlich überraschende Perspektiven auf die Welt und unseren Alltag eröffnen.

In Kriminalromanen geben häufig harte Kerle den Ton an. Christine Lehmann hat mit Lisa Nerz eine Ermittlerin ersonnen, die ganz anders agiert. Mit „Die zweite Welt“ (Argument Verlag, 13 Euro) hat die Stuttgarter Krimi-Autorin bereits ihren 13. Lisa-Nerz-Krimi veröffentlicht, der LesART-Organisatorin Renate Luxemburger überzeugt hat. Und wie immer erzählt Christine Lehmann nicht nur eine spannende, sondern auch eine höchst aktuelle und ziemlich brisante Geschichte: Unbekannte drohen mit einem Anschlag auf die Demonstration zum Internationalen Frauentag. Lisa und ihrer muslimischen Nachbarstochter bleiben nur zwölf Stunden, um die Katastrophe zu verhindern ...

Zum geschriebenen Wort gesellt sich beim Literaturfest traditionell ein reizvolles Klangerlebnis – diesmal mit dem Stuttgarter Pianisten Patrick Bebelaar, dem Saxofonisten Frank Kroll und Carlo Rizzo (Tamburin). Die drei Weltklasse-Musiker spannen ihren Bogen von europäisch-experimentellen bis hin zu nahöstlich-orientalischen Klängen, die sie auf beeindruckende Weise miteinander in Einklang bringen. Damit beweisen sie einmal mehr, dass in der LesART Musik drin ist.gw

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