Beim Winterkonzert mit Sofia Talvik (Mitte) in der Halle Reichenbach, zusammen mit Geigerin Regina Mudrich (links) und Bassist Martin Zemke, wurde es den Zuhörern warm ums Herz. Foto: Peter Dietrich - Peter Dietrich

Sofia Talvik gab in der Halle in Reichenbach ein winterliches Konzert.

ReichenbachSchließt bitte die Augen und stellt euch vor, ihr seid in einem Pub in Irland“, bat die schwedische Sängerin Sofia Talvik die rund 50 Zuhörer in der Halle Reichenbach. Dann durften die Zuhörer die Augen wieder öffnen, das kleine Textblatt auf den Tischen zur Hand nehmen und mitsingen: „So please raise a cup for me, in this great old Christmas night, and I’ll meet you where the stars fade into the morning light.“ Nein, das klang noch nicht rauchig genug, da gehört noch ein wenig mehr Whiskey in die Stimme. Also bitte noch einmal – ja, das klingt schon besser.

Sofia Talvik lebt seit sechs Jahren in Berlin, sie hatte sich für ihr Winterkonzert nicht alleine in den Stau begeben. Zusätzlich waren die Geigerin Regina Mudrich und der Bassist Martin Zemke angereist, beide kommen aus Bremen. Für den Sound sorgte im Hintergrund Jonas Westin, der Ehemann von Sofia Talvik. Sie spielte meistens Gitarre, zwischendurch auch Keyboard, zusätzlich sorgte sie parallel zur Gitarre mit den Füßen für die Percussion, mit Hilfe eines Holzbrettes und eines Tonabnehmers.

Komposition zum Hochzeitstag

Die Musiker harmonierten wunderbar, sie sind befreundet und sehr gut aufeinander eingespielt. Regina Mudrich übernahm es auch, die deutschen Übersetzungen einiger englischer Liedtexte vorzutragen. „Die Lieder sind es wert, übersetzt zu werden“, sagte sie. Das erste Lied, das übersetzt wurde, besang den Winter: Ja, im wärmenden Sommer kann man schon in der Zugluft eines zerbrochenen Fensters leben – aber in der Kälte des Winters ist das anders.

Sofia Talvik entschuldigte sich für ihr schlechtes Deutsch, Berlin sei eben sehr international, sie habe dort keine deutschen Freunde. Doch so schlecht war ihr Deutsch gar nicht, mit abwechselnden Erläuterungen in Deutsch und Englisch kamen sie und das Publikum bestens klar. Ihr Lied über Weihnachten in Berlin, erklärte sie, sei vom Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Hans Christian Andersen inspiriert. Ihr nächstes Lied, „Wrapped in Paper“, habe eigentlich ein Weihnachtslied werden sollen, aber als es fertig war, habe es gesagt, dass es gar kein Weihnachtslied sei. In ihm gehe es um die Suche nach dem perfekten Geschenk, das es aber gar nicht im Laden zu kaufen gebe. Denn das perfekte Geschenk sei die Liebe, und die lasse sich schwer in eine kleine Box mit einem Schleifchen drumherum packen. Nochmals die Liebe: Es folgte ein trauriges Lied über den Mann, der so oft vergessen hatte, dieses „I love You“ zu sagen, bis er alt war und merkte, dass es nun zu spät ist.

Was kann man sonst noch zu Weihnachten besingen? Sofia Talvik hat ihre Fans über Facebook gefragt, was es in diesem Jahr sein soll, und diese schlugen ein Lied über Donald Trump vor. Das hat sie dann aber nicht geschrieben, sondern stattdessen doch lieber die fallenden Blätter besungen. Sie sang vom langen Weg zu Weihnachten nach Hause und besang den Schnee, den sie im März in Kalifornien erlebt hatte: Dieses Lied war zugleich ein Geschenk für ihren Ehemann zum Hochzeitstag. An das ungemeine ausdrucksstarke „Hallelujah“ von Leonard Cohen sollte sich besser nur wagen, wer dieses Lied auch stimmlich angemessen präsentieren kann. Sofia Talvik gehört mit Sicherheit dazu. Ebenfalls angemessen gaben die Zuhörer beim später besungenen Weihnachtszug das „Huh“ der Dampflok wieder, mit etwas Übung wurde das „Huh“ ganz schnell kräftiger. Nein, es gehe nicht um eine Kirche mit Schimmel, sagte die sympathische Sängerin bei einem anderen Lied, auch wenn Regina Mudrich behaupte, bei ihrer deutschen Aussprache höre sich das so an. Sie habe aber fleißig geübt, um die „Kirche mit schimmerndem Licht“ richtig zu sagen und zu singen. So gab es das Lied wechselnd in Schwedisch und Deutsch.

Soziale Kälte

Es ging noch mehrfach textlich um den Winter, schließlich schreibt Sofia Talvik schon seit 15 Jahren Winterlieder, das über den Schnee ist eines der ältesten davon. Dann ging es um die nötige warme Jacke, um kalte Füße und ein Lagerfeuer. Im Lied über die kalten Füße steckte aber mehr politische Botschaft drin als Winterromantik – der Text drehte sich um die doch eigentlich vermeidbare Armut, mit der das Geld nicht für die Miete und schon gar nicht zum warmen Leben reicht.

Sofia Talvik hatte auch ihre CDs mitgebracht. Doch was ist, wenn jemand CDs für „out“ hält? Das macht nichts, denn die schwedische Sängerin war genauso auf Vinyl zu haben. „Wer hat zuhause einen Plattenspieler?“, fragte sie. Da gingen in der Halle doch so einige Hände hoch. Es geht aber auch anders: Das neueste Weihnachtslied von Sofia Talvik gibt es bisher auf keinem Album, aber wer seine E-Mail-Adresse eintrug, bekam es als kostenlosen Download.

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