Sol LeWitts „Four Part Piece“ sorgen auf den Fildern auch heute noch für Diskussionen. Leserbriefschreiber Heinz Scheurenbrand sieht darin vor allem ein „Sichtmauerwerk“, das von hervorragender Handwerkskunst zeugt. Foto: Robin Rudel - Robin Rudel

Sanierung der Stuttgarter Oper, Kampagne für Journalismus und Angebote für pflegende Angehörige sind die Themen der Woche.

Meckern auf sehr hohem Niveau

Zu „Notfälle während Plenarsitzung“ vom 8. November

Der Aufhänger ist nicht, dass ein oder gar zwei Mitglieder des Bundestags Schwächeanfälle erlitten haben. Dies ist sicherlich bedauerlich. Nein, der Aufhänger ist die Bemerkung der Linken-Abgeordneten Anke Domscheit-Berg, dass die Arbeitsbedingungen im Bundestag „unmenschlich“ seien. Wirklich? Dies scheint eine etwas vermessene Äußerung, vergleicht man die Arbeitsbedingungen unserer unterbezahlten Pflegekräfte, bei der Polizei oder anderer. Es wäre gegebenenfalls auch hilfreich, wenn die Abgeordneten weniger ihren Zusatzbeschäftigungen und -verpflichtungen mit Zusatzeinkünften nachgehen würden und sich hauptsächlich auf die Arbeit als Bundestagsabgeordnete konzentrieren würden. Sollte Domscheit-Berg dem Druck nicht standhalten können, so steht es ihr selbstverständlich frei, ihr Mandat niederzulegen. Dem Abbau des Wasserkopfs im derzeitigen Bundestag, den auch Peter Altmaier erkannt hat, wäre dies sicherlich dienlich. Denn mit den ganzen überflüssigen Überhangmandaten wird der Steuerzahler noch mal kräftig zur Kasse gebeten. Die Arbeitsbedingungen im Bundestag als „unmenschlich“ zu titulieren, ist Meckern auf sehr hohem Niveau und ein Schlag ins Gesicht für nicht wenige Arbeitnehmer. Unerhört.

Gabriele Böcker

Esslingen

Wohnungen statt Gejaule finanzieren

Zu „Einen Plan B für die Oper gibt es nicht" vom 6. November über die Sanierung des Stuttgarter Opernhauses

Das Vorhaben soll 1000 Millionen Euro kosten. Und das in einer Region, in der die Wohnung für Normalverdiener fast unbezahlbar ist!? Was ist wichtiger: bezahlbarer Wohnraum oder das Rumgejaule in einer Oper? Sind die Verantwortlichen so rücksichtslos, dass sie dieses Geld für so etwas verplempern und nicht in 4000 bis 5000 bezahlbare Wohnungen investieren? Eigentlich habe ich geglaubt, dass die Grünen wissen, dass nicht jeder in Stuttgart ein Mindesteinkommen von 5000 Euro und mehr im Monat hat,. Trotz grünem OB und Ministerpräsidenten wird dieser Schwachsinn weiterverfolgt.

Pieter Cnossen

Wernau

Autofahrer zwingen, langsam zu fahren

Zu „Behelfsbrücke ist jetzt schallgedämmt“ vom 2. November über schallschluckende Gummimatten auf der Behelfsbrücke am Esslinger Hammerkanal

Weil die Leute es offenbar nicht schaffen, mit höchstens 30 Kilometern je Stunde über die Behelfsbrücke am Hammerkanal zu fahren, sei es dort ziemlich laut, sagt Esslingens Tiefbauamtsleiter Uwe Heinemann. Deshalb werden ruckzuck für 6500 Euro Gummimatten zur Schalldämmung unter den Holzbohlen verlegt. Ich meine, dass es Möglichkeiten gibt, die Autofahrer zu zwingen, langsamer zu fahren. Zudem kenne ich viele Mitbürger, denen es wegen Straßen-, Flugzeug-, Bahn- und Baulärms oftmals zu laut ist. Die haben aber keine Möglichkeit, dies mit Steuergeldern zu verändern.

Wolfgang Karl

Esslingen

Konkurrenzkampf mit Waffentechnik

Zur Kampagne für den Journalismus vom 6. November und zu „Zweifelhafte Legende“ vom 7. November über Michail Kalaschnikow, den Erfinder des nach ihm benannten Sturmgewehrs

In der Kampagne für den Journalismus wurden nach meiner Meinung einige Punkte klar und richtig dargelegt, wie Journalismus sein soll. In meinen Augen ist es aber sehr wichtig, dass der Journalist gewissenhaft recherchiert, sachlich berichtet und den Leser nicht politisch beeinflussen will. Der freie Bürger soll den Sachverhalt nach eigener Anschauung bewerten. Der Artikel über die Maschinenpistolen-Konstruktion Kalaschnikows entsprach leider keineswegs diesen Anforderungen, er war einseitig pazifistisch. Pazifismus wäre eine sehr schöne Sache, wenn keine Menschen existieren würden, die ihre egoistischen Ziele mit einer überlegenen Kriegstechnik erzwingen wollten. Leider ist die Geschichte voll mit Ereignissen, bei denen gutmütige Menschen und Staaten wegen Vernachlässigung ihrer Verteidigungsfähigkeit schwere Nachteile erleiden mussten. Der Konkurrenzkampf macht auch vor der Waffentechnik nicht Halt. Wie wäre das Leben heute, wenn die amerikanischen Waffen den Zweiten Weltkrieg nicht entscheidend beeinflusst hätten, wenn Hitler als erster in den Besitz der Atombombe gekommen wäre? Natürlich sind die Russen stolz auf ihre Kalaschnikow. Jede Nation ist stolz auf ihre herausragenden Leistungen – in jeder Richtung. Einseitige Darstellungen stärken in der Bevölkerung falsche Vorstellungen, wodurch kritische Entscheidungen in die falsche Richtung verschoben werden.

Josef Steiner

Esslingen

Einfach ein sehr guter Schauspieler

Zu „Blick zurück im Glück“ vom 28. Oktober über den langjährigen Esslinger Landesbühnenschauspieler Klaus Lerm

Zu dem so liebenswert verfassten Artikel über den von uns sehr geschätzten Schauspieler Klaus Lerm möchten wir ganz herzlich gratulieren. Als langjährige Abonnenten der Esslinger Landesbühne finden wir den Artikel sehr zutreffend. Klaus Lerm wird so beschrieben, wie wir ihn als Schauspieler in Erinnerung haben. Nichts affektiertes, einfach ein sehr guter Schauspieler. Reizend fanden wir die geschilderte Episode, in der die Gattin, weil ihr Mann über das moderne Stück bruddelte, sagte: „Du, d’r Klaus Lerm spielt mit.“ Der Gatte antwortete darauf: „Dann wird’s was.“ Damit ist alles über Klaus Lerm gesagt.

Friedrich Weinert

Esslingen

Ganz einfach, viele Vorteile

Zu „Parkgebühren bezahlen per Handy“ vom 8. November

Ich bin total begeistert von dieser Art, Parkgebühren zu bezahlen. Ich nutze diese App seit geraumer Zeit. Und wenn ich in Plochingen was erledigen muss, parke ich ausnahmslos dort, wo auf „Parkster“ hingewiesen wird. Es ist alles ganz einfach: App runterladen, Account anlegen, Auto mit dem Kennzeichen registrieren – und schon kann es losgehen. Über die App wird die Parkzeit gestartet. Sind die Besorgungen erledigt, wird das Parken über die App wieder beendet. Die Parkzeit wird minutiös abgerechnet. Man muss also nicht unter Zeitdruck seine Erledigungen machen, weil das Ende der Parkzeit immer im Hinterkopf rumgeistert. Und die lästige Suche nach Kleingeld sowie das Hochrechnen der Parkzeit, damit ich weiß, wie viel ich in den Parkscheinautomaten reinschmeißen muss, entfallen auch. Und noch ein großer Vorteil: Sollten die Erledigungen einmal früher geschafft sein, entfällt auch der Ärger über nicht ausgenutzte Parkzeit.

Die Abrechnung erfolgt dann einmal im Monat per Mail. Es sei denn, die Parkgebühren liegen unter dem Minimum einer Rechnungsschreibung (drei Euro). In diesem Falle wird die Rechnung so lange (maximal drei Monate) verschoben, bis das Minimum überschritten ist. Sollte nach drei Monaten das Minimum immer noch nicht überschritten sein, wird auf jeden Fall eine Rechnung erstellt. Nun ist mir natürlich auch bewusst, dass sich viele mit dieser Neuerung schwer tun. Aber für mich ist das ein überaus positiver Effekt, dass Reichenbach da jetzt auch mitmacht.

Imanuel Fischer

Deizisau

Saubere Arbeit der Maurerkollegen

Zu „Lange verdammt, jetzt gefeiert“ vom 8. November über Sol LeWitts Mauer-Kunstwerke in Ostfildern

Die Mauern aus weißem Kalksandstein an den Ortseingängen der Teilgemeinden von Ostfildern sind in die Jahre gekommen, sind nicht mehr ausgesprochen schön und sollen nun für mindestens 100 000 Euro saniert werden. Sponsoren sollen es richten. Das wäre doch auch etwas für die Befürworter dieser „amerikanischen Minimal Art, die sich klar vom ab­strakten Expressionismus mit seiner Spontanität und seinem emotional-persönlichen Ausdruck abgrenzt“, wie Galerieleiterin Holle Nann es so treffend formulierte. Allerdings befürchte ich, dass nur wenige diese Aussage auch verstehen. Ich jedenfalls nicht. Was ich aber als ehemaliger Maurerpolier weiß, ist, dass die Maurerkollegen damals wirklich sauber gearbeitet haben. Nur nennen wir Bauleute in unserer Bescheidenheit dies nicht Kunst, sondern „Sichtmauerwerk“.

Heinz Scheurenbrand

Denkendorf

Pflegende pflegen auch am Wochenende

Zu „Dichtes Netz von Hilfen“ vom 7. November über die Angebote von Sozialstationen für pflegende Angehörige

In dem Bericht wird eine heile Welt vermittelt, die Realität stellt sich vollkommen anders dar. Außerdem stellt sich mir die Frage: Ist das ein EZ-Eigenbericht oder Werbung der Sozialstation? In dem Bericht wird eine „Auszeit“ beschrieben, donnerstags von 14 bis 17 Uhr soll es eine Betreuung geben. Wo findet diese Betreuung statt? In drei Stunden also soll man all die beschrieben Tätigkeiten erledigen können? Wie steht es um die Anfahrt/Abfahrt? Alles Punkte, die uns interessieren. Es ist offenbar kaum bekannt, dass pflegende Angehörige auch am Wochenende pflegen müssen. Im Pflegegrad 4 kann eine Pflege schon mal acht bis zehn Stunden pro Tag dauern, mit nächtlicher Rufbereitschaft. Für solche Menschen müssen die beschriebenen Angebote wie aus einer anderen Welt klingen.

Die Probleme der pflegenden Angehörigen sind vielfältig. Da wir uns seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema befassen und selbst pflegen, wissen wir, von was wir schreiben. Mit ambulanten Diensten gab es auch schon Auseinandersetzungen. In den Medien lesen wir aber leider immer nur von (angeblichen) Entlastungsangeboten, die bei näherer Betrachtung gar nicht existieren. Oder sie kosten Geld, was in Haushalten mit Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen sehr oft fehlt.

Lothar Schwarz

Ringsheim

Initiative Pflegender

Angehöriger – Bürgerprotest

Klimafreundlich in die Nymphaea

Zu „Fliegen? Nein danke!“ vom 5. November über die Initiative des Esslinger Mörike-Gymnasiums, auf Flugreisen bei Studienfahrten zu verzichten

Als ich diesen Artikel in der EZ gelesen habe, musste ich an meine Schulzeit zurückdenken. Als man eine Exkursion im Biologie-Unterricht noch mit der S-Bahn gemacht hat: von Plochingen nach Oberesslingen, und dann den Rest bis zur Nymphaea auf der Neckarinsel zu Fuß. Da waren wir wohl damals schon richtig klimafreundlich. Wie konnte es nur passieren, dass man dies aus dem Auge verloren hat? Also bitte in Zukunft nur noch im Unterricht nach Irland, den USA oder Indien „fliegen“.

Es sei dem Mörike-Gymnasium angeraten, darauf zu achten, dass nicht alle Klassenfahrten auf einmal Dublin als Ziel haben. Denn London ist wegen des Brexits eh nicht mehr sexy. Ein Dank auch an die Presse, dass man solche Errungenschaften des Klimaschutzes halbseitig in der Zeitung abdruckt. Das zeigt, wie die Presse die Zeichen der Zeit erkannt hat. Das Ganze erinnert mich noch an eine Kurzgeschichte von Ephraim Kishon, die ich kurz zusammenfasse: Wir haben kein Geld, also kaufen wir uns erst mal einen Gürtel, damit man den dann enger schnallen kann. Aber bitte mit einer goldenen Schnalle.

Mathias Rady

Ostfildern

Schräge Lösungen für vier Kraftakte

Zu „Vorfahrt für Fußgänger?“ vom 6. November über die Diskussion im Esslinger Gemeinderat über eine autofreie Innenstadt

Dieser Beitrag in der EZ ist interessant. Er spiegelt die vielfältigen Vorstellungen der Esslinger Parteien zur Innenstadtgestaltung wider. Das betreffende Gebiet umfasst eine Fläche von ungefähr 1,4 Quadratkilometern, was etwa einer Größe von 200 Fußballfeldern entspricht. Diese Größe muss zu denken geben. Was ist nun sinnvoll und praktikabel? Sven Kobbelt von der FDP erwähnt als einziger die sicher nicht kleine Gruppe der Älteren und vielleicht auch noch Behinderten, deren Situation angesichts von zu wenig geeigneten Parkplätzen grundsätzlich schwierig ist.

Dazu ein kleiner persönlicher Beitrag: Haben die Befürworter einer autofreien Innenstadt jemals einen Rollstuhl längere Zeit über ein Kopfsteinpflaster geschoben oder sich selbst damit fortbewegt? Gleiches gilt für Rollatoren und andere Gehhilfen. Bevor man über romantisches Flanieren spricht, sollte man folgende Situationen als Macher und Planer überdenken: Wer zur Zeit das Parkhaus im Einkaufszentrum Das ES in Richtung Berliner Straße zu Fuß verlässt, steht vor einer Fußgänger-Umleitung. Wer nach rechts gehen möchte, muss mit dem Rollstuhl oder Rollator eine Bürgersteighöhe von rund 15 Zentimetern nach unten überwinden. Danach verlässt man den recht schmalen Weg wieder, um in die Innenstadt zu gelangen. Wieder ist keine Schräge zu entdecken. Später läuft der ganze Vorgang in die andere Richtung nochmals ab. Das sind vier Kraftakte, die nicht ganz frei von Risiko sind. Mit zwei kleinen Schrägen aus Holz oder Asphalt wäre der Fall gelöst.

Haiko Röder

Plochingen

Unsolidarische Altersversicherung

Zum Thema Altersvorsorge für Abgeordnete

Während eine Grundrente für langjährig Versicherte der gesetzlichen Rentenversicherung eine endlose und unwürdige Debatte hervorgerufen hat, konnten die 143 Abgeordneten des Landtags von Baden-Württemberg ohne großes Trara ihre eigene Altersversorgung enorm verbessern. Sie bestimmten den Eintritt in ein sogenanntes Versorgungswerk und sicherten sich dadurch die ausschließliche Verwendung der Gelder für ihren Personenkreis. Das nennt man unsolidarische Altersversicherung! Den Einzahlern der gesetzlichen Rentenversicherung hingegen werden durch vom Volk gewählte Politiker immer wieder enorme Beträge – sogenannte versicherungsfremde Leistungen – zweckentfremdet entwendet. Beispiele: Spätaussiedler-Renteneintritt, DDR-Rentner, Mütterrente und so weiter. Das schmälert die Bezüge derzeitiger und künftiger Rentenbezieher ganz enorm. Wehrt man sich dagegen, sagt die Politik, sie pumpe ja ständig große Summen in das Rentensystem. Das ist insofern falsch, weil sie ja zuvor enorme Summen herausgenommen hat.

Wie unattraktiv die gesetzliche Rentenversicherung inzwischen gemacht worden ist, zeigen die Landespolitiker durch ihr Verhalten bei der eigenen Altersversorgung. Folglich wissen sie ganz genau, was sie tun. Dass durch ihren Einstieg in das Versorgungswerk dem Steuerzahler für erforderliche „Verlustrücklagen“ eine Zahlung in Höhe von 1 200 000 Euro ins Haus steht, wird tunlichst verschwiegen. Wer von den Abgeordneten für das Versorgungswerk gestimmt hat, der sollte so fair sein, 8409,22 Euro an die Staatskasse zu spenden. Nur dann wäre nämlich der Wechsel vom heutigen Optionsmodell zum Versorgungswerk kostenneutral für das Wahlvolk. Und das genau war in der ersten Lesung von den Befürwortern eines Beitritts zum Versorgungswerk versprochen worden. Doch das ist inzwischen Gerede von gestern.

Rita Lepski

Hochdorf

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