Zu „CDU reagiert eher trotzig als verzagt“ vom 24. September über schlechte Umfragewerte für die CDU:
In dem Beitrag wird unter anderem erwähnt, dass ein CDU-Landtagsabgeordneter mit Bezug auf die CDU-Ministerpräsidentschaftskandidatin Susanne Eisenmann gesagt hat: „Irgendwann wird sie liefern müssen.“ Mit Verlaub: Sie hat doch schon geliefert! Sie hat zum Beispiel den Bußgeldbescheid an sechs Schüler eines Gymnasiums in Mannheim als „rechtens und angemessen“ bezeichnet. Eisenmann hat offensichtlich immer noch nicht begriffen, worum es den jungen Leuten geht, die an Freitagen nicht in die Schule gehen, sondern für das Klima streiken. Sie sagen mit Recht: „Was nützen mir Schule und Beruf, wenn der Globus, auf dem ich lebe, unbewohnbar wird?“

In meinen Augen ist das Ergebnis der jüngsten Politbarometer-Umfrage für Baden-Württemberg eine Quittung für Realitätsferne, unter anderem von Susanne Eisenmann. Das Ergebnis zeigt, dass der Wähler die Zeichen der Zeit besser erkannt hat. Man darf gespannt sein, wie das Klimarettungspäckchen der Koalition in Berlin sich auf die nächste Umfrage für ganz Deutschland auswirken wird.

Günther Köhle

Ostfildern

Gesellschaft wird
weiter gespalten

Zum Thema Renten und Pensionen:

Die Politiker des Landes wollen das Tarifergebnis des Öffentlichen Dienstes mit einem Lohnplus in Höhe von 3,2 Prozent – gleichzeitig und gleichwertig – auf die Landesbeamten übertragen. Dass damit automatisch auch die Pensionen erhöht werden, und das sogar bereits für die Jahre 2020 mit 3,2 Prozent und 2021 mit 1,4 Prozent, ist der absolute Hammer. Gemäß der Analyse aus dem Jahr 2014 zur sozioökonomischen Lebenslage in Baden-Württemberg (Bericht der Landesregierung) waren bereits damals die Pensionen im Durchschnitt dreimal so hoch wie die durchschnittlichen Renten. Da wird Generationen-Ungerechtigkeit betrieben, die weitere Spaltung der Gesellschaft wird bewusst in Kauf genommen. Kinderarmut, Altersarmut, Mindestlöhne, Wohnungsnot, künftiger Wirtschaftsrückgang – das alles wird täglich in den Medien behandelt. Es ist eine unwürdige Entwicklung unseres immer als so reich beschriebenen Bundeslandes.

Von Pensionisten-Armut war dabei nie die Rede, vielmehr führt das System kerzengerade in einen feudalistischen Beamtenstaat. Diesem Vorhaben sollte die Bevölkerung ein Stopp-Schild in den Weg stellen. Die Politiker selbst wissen sehr gut, dass die Gesetzliche Rentenversicherung als Altersversorgung die schlechteste Wahl ist. Deshalb wollten sie auch 2017 zurück in die eigene Pensionsversorgung, was ihnen durch massiven Protest der wachen Bevölkerung vermasselt wurde. Jedoch gilt es, bei diesem Thema weiterhin wachsam zu bleiben. Von angeblich dringender Kosteneinsparung hört man gar nichts mehr. Ein erneuter Versuch, sich in eine unsolidarische Altersversorgung zu bringen, steht wohl kurz vor der Entscheidung.

Rita Lepski

Hochdorf

Pestizide setzen
kleinen Insekten zu

Zum Interview „Pflanzenschutz schadet Insekten nicht“ vom 24. September:
Das Interview mit Martin Krinn, dem Vorsitzenden der Fachgruppe Obstbau Esslingen, fand ich sehr unpassend. Zum einen hätte der Zeitpunkt der Veröffentlichung kaum schlechter gewählt sein können: Ausgerechnet an dem Tag, an dem das Volksbegehren Artenschutz in die freie Unterschriftensammlung geht, veröffentlicht die EZ dieses Interview. Erschwerend kommt hinzu, dass das Volksbegehren an diesem Tag sonst auf keiner Seite neutral thematisiert wurde.

Zum anderen widerspreche ich Krinns Aussagen. Dass Pflanzenschutzmittel Nutzinsekten nicht schaden, ist schlichtweg falsch. Besonders kleinen Insekten, darunter einigen Wildbienenarten, schaden Neonicotinoide, wie sie im Obstbau eingesetzt werden, beträchtlich. Natürlich werden die Giftduschen vor der Zulassung geprüft, allerdings nur anhand der Sterberate von Honigbienen. Andere Insektengruppen werden ebenso wenig beachtet wie subletale Effekte auf das Nervensystem, durch die auch Nutzinsekten orientierungslos gemacht werden. Neben der Abdrift der Pflanzenschutzmittel finde ich erwähnenswert, dass Pestizide je nach Wirkstoff durchaus relevante Halbwertzeiten im Boden haben und sich bei regelmäßiger Anwendung dort anreichern. Eine aktuelle Veröffentlichung australischer Wissenschaftler bestätigt, dass der Einsatz von Pestiziden ebenso wie die intensive Landwirtschaft mit Rein- und Monokulturen eine Rolle beim Verlust der Artenvielfalt spielt. Wenn die Agrarlandschaft besonders in Norddeutschland Mitverursacher des Insektensterbens ist, warum musste die Landesanstalt für Umwelt dann jüngst auch in Baden-Württemberg ein massives Insektensterben feststellen?

Marina Moser

Baltmannsweiler

Im Mittelalter
hängen geblieben

Zum Thema Klimaschutz:
Vor 500 Jahren wurden Galilei und seine Kollegen vom Vatikan als Ketzer bezeichnet, ihnen drohte die Todesstrafe. Heute erhält Greta Thunberg über Facebook Morddrohungen, weil sie sich auf die Forschungsergebnisse von 90 Prozent der Klimaforscher beruft. Ist es wirklich so schwer zu begreifen, dass die täglich von mehr als sieben Milliarden Menschen erzeugten Schadstoffe nicht im Weltall verschwinden, sondern in den Ozeanen und in der Atmosphäre landen und damit massiv das Klima beeinflussen? Es scheint immer noch Menschen zu geben, die mental im Mittelalter leben und glauben, die Erde sei eine Scheibe.

Ekkehard Sander

Denkendorf

Warum kosten
die Obsttüten nichts?

Zum Leserbrief „Die Plastiktüte gehört verboten“ vom 28. September:

Seitdem Plastiktüten Geld kosten, ist der Verbrauch um rund die Hälfte zurückgegangen. Würden Plastiktüten verboten, würden die Leute viel mehr kleine, dünne Obsttüten nehmen. Warum kosten die nichts? Beim Blick in die Einkaufswagen wird klar: Die Menschen tüten Bananen, Gurken, Tomaten, Zucchini und so weiter ein. Wozu? In solchen Situationen fehlt mir immer ein passender Satz, der nicht bevormundend, aber doch freundlich belehrend sein soll. Unpraktisch ist auch, dass man ohne Plastiktüte keine Spontankäufe mehr machen kann, was bei der arbeitenden Bevölkerung sicher öfter der Fall ist. Ob die Menschen, die die Tüten kaufen, diese nach Verwendung gleich vor ihre Haustüre werfen, möchte ich bezweifeln.

Die gelobte Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat wohl schon lange nicht mehr eingekauft, sonst käme sie nicht auf den Vorschlag, dass der Handel Mehrwegtaschen zum Verkauf anbieten solle. Das macht der Handel nämlich seit 20 oder 30 Jahren, die Unternehmen wollen schließlich Geld damit verdienen. Die abgepackten Tomaten, Paprika und so weiter kommen zum großen Teil aus Südeuropa, wo sie direkt am Meer unter riesigen, fußballfeldergroßen Gewächsplanen wachsen, die vom Wind direkt ins Meer geweht werden. Von mir bläst es keine Plastiktüte ins Meer, ich verwende keine.

Romy Haag

Ostfildern

Die Grünen geben
kein gutes Bild ab

Zu „Häfele bringt Grüne in die Zwickmühle“ vom 25. September über die Bewerbung der Esslinger Stadträtin Brigitte Häfele als Dezernentin:
Da scheint der Esslinger Grünen-Stadträtin Brigitte Häfele der Erfolg etwas zu Kopf gestiegen zu sein. Wer sich über das Votum aller Fraktionskolleginnen und -kollegen in einer sehr wichtigen Personalfrage und die eigene Person betreffend so hinwegsetzt, kann von der Meinung eben dieser Fraktion nicht gerade viel halten – und muss sich selbst sehr wichtig nehmen. Schließlich ist der Vorschlag für einen Dezernenten-Posten, den die Grünen nun erstmals eingebracht haben, eine sehr wichtige Angelegenheit. Sich gegen den ansonsten einstimmigen Beschluss der Grünen-Gemeinderatsfraktion zu stellen – und das auch noch in ihrer Eigenschaft als Vize-Fraktionschefin –, ist schon ein starkes Stück. Erstaunlicherweise lässt sich Häfele in der Zeitung mit „Ich sehe mich als Grüne“ zitieren. Wieso ist sie dann nicht Mitglied in der Partei und untergräbt die Autorität der Fraktion der Grünen?

Aber auch die Fraktion scheint schon zu Beginn ihrer Zeit als stärkste Kraft im Esslinger Gemeinderat überfordert: Häfele dürfe vorerst nicht mehr für die Grünen sprechen und auch nicht für diese in Ausschüssen sitzen – so ist es in der Zeitung zu lesen. Ja was denn nun: Vertrauen die Grünen weiterhin Häfele oder – was zu verstehen wäre – vertrauen sie ihr nicht mehr? Warum dann nicht gleich eine Abwahl als stellvertretende Fraktionsvorsitzende oder ein Ausschluss aus der Fraktion? Was hat die Arbeit in den Ausschüssen mit ihrer Kandidatur zu tun? Genau genommen: Häfele ist in die Ausschüsse gewählt worden – sie hat ein Recht darauf, dort mitzuarbeiten. Das kann auch keine grüne Fraktion verbieten. Häfele ist von Menschen gewählt worden, die die Grünen gewählt haben – diese Verbindung existiert bei Kommunalwahlen nun mal. Wo Grün drauf steht, sollte auch Grün drin sein. Darauf sollten sich Wählerinnen und Wähler verlassen können. Man könnte den Eindruck gewinnen, die Grünen-Fraktion wollte mit einigen belanglosen internen und nicht weiter relevanten „Verbotsaktionen“ einige Nebelkerzen werfen – und sich um eine notwendige Entscheidung herumdrücken. Wie gesagt: kein guter Start für die Grünen als stärkste Fraktion.

Hans-Jürgen Meyer

Esslingen

Die Macht
des Massiven

Zu „Keine Alternative zu S-Bahn-Mehrkosten vom 26. September über die Verlängerung der S 2 nach Neuhausen:
Ein weiteres Millionengrab mit massiver Kostenbelastung für die Bürger – das wird die S-Bahn-Verlängerung nach Neuhausen. Die für die Region zudem einen fragwürdigen Nutzen hat. Noch schlimmer empfinde ich allerdings, wie dreist angesichts der Investitionssumme von 209 Millionen Euro mit dem einzig wirklich umweltfreundlichen und effektiven Verkehrsmittel umgegangen wird: dem Fahrrad. Jahrzehntelang drückt man sich schon um vernünftige, radgerechte Verbindungswege. Von Denkendorf her müssen Radfahrer nach Neuhausen ganzjährig über matschige und im Winter zudem vereiste Feldwege fahren, werden durchaus auch mal von Traktorfahrern gejagt und verdrängt. Der gefährliche Radweg von Wolfschlugen her steht seit Jahrzehnten in der Kritik, doch es wird überhaupt nichts getan. Von Bernhausen her hat man zwar einen recht ordentlichen Bahntrassenweg erstellt, doch der ist nicht sonderlich breit. Ab Gemarkung Neuhausen werden zudem Fahrbahnbelag und Sauberkeit schlechter, der Weg weist scharfe Knicke auf, vorgeschriebene Radwegfurten fehlen, schließlich endet er auf abenteuerliche Weise in Neuhausen. In Richtung Scharnhausen darf der Radfahrer dann wieder gucken, wo er bleibt.

Radverkehrsverbände und -initiativen beißen sich in dieser Region seit vielen Jahren die Zähne aus, wenn es darum geht, hier ernsthaften Radverkehr zu unterstützen. Recht sicher fährt man immer noch auf der Straße, was aber viele Radfahrer abschreckt. Eine Steigerung des Radverkehrsanteils wäre das Maß der Dinge: um Verkehrssituation und Klima zu entlasten sowie Parkplatznöte zu lindern – von der Volksgesundheit ganz zu schweigen. Für einen Bruchteil der Investitionssumme ließen sich hier eklatante Verbesserungen erzielen. Doch nein: Die Macht des Massiven, also des umweltschädlichen Bauens mit Stahl und Beton, großen Tunnelbohrmaschinen und Baggern, bekommt erneut den Vorzug. Und das für eine Sackgassenverbindung zu einer Kommune, deren Bevölkerung womöglich lieber nach Esslingen will. Ohne Ringschluss ist das eine komplette Fehlplanung.

Ein halbwegs trainierter Radfahrer fährt in zehn Minuten von Bernhausen nach Neuhausen. Dort ist er aber an seiner Haustür oder an seinem Arbeitsort. Nahezu niemand wird direkt am Gleis arbeiten oder wohnen. Die S-Bahn wird in jedem Fall langsamer sein was die gesamte Fahrzeit anbelangt. Wenn 209 Millionen Euro für die S-Bahn-Verlängerung da sind, müssten noch viel mehr für den Radverkehr bereitgestellt werden. Der funktioniert übrigens auch bei S-Bahn-Defekten oder Streiks. Doch man staunt: Die für den Radverkehr vorgesehene Summe ist nur ein Bruchteil des für die Bahnverlängerung bezifferten Betrags. Und dieses Geld ist nicht etwa für die Region gedacht, sondern fürs ganze Land!

Ralf Epple

Vorsitzender Initiative Cycleride

Frickenhausen

Kaum Unterstützung
nach Entlassung

Zu „Dauergast in der Hölle“ vom 5. Oktober über den forensischen Psychiater Peter Winckler:

Nach einer Einführung in die Einrichtungen des Strafvollzugs habe ich als Anstaltspsychologin in Rottenburg vergleichbare Entscheidungen wie der Psychiater Peter Winckler treffen müssen. Eine schwere Aufgabe. Ich habe mir viel, viel Mühe gegeben und habe auch niemals Ärger bekommen. Dass in der Ergänzung zur Überschrift des Artikels der Begriff Verbrecher auftaucht, stört mich. Überwiegend sind die Menschen im Gefängnis „arme Schweine“ mit trauriger Kindheit und anderen Belastungen. Nach der Entlassung gibt es viel zu wenig Unterstützung. Mich haben sie jedenfalls nie „ausgetrickst“.

Jutta-Verena Jacobi

Esslingen

Zu wenige kaufen
Fair-Trade-Kaffee

Zu „Kaffee so billig wie fast nie“ vom 2. Oktober:

Wie im Artikel beschrieben, beruhen die niedrigen Kaffeepreise auf einem Überangebot. Davon ist auch der guatemaltekische Kaffeebauernverband Fedecocagua betroffen, dessen Mitglieder fair gehandelten Kaffee produzieren. Die Tatsache, dass anscheinend auch Fair Trade nicht mehr hilft, den Erzeugern ein Überleben in Würde zu ermöglichen, ist nicht darauf zurückzuführen, dass der faire Handel nicht hilft oder gescheitert ist, sondern es ist der Tatsache geschuldet, dass die im Artikel dargestellten Zahlen auf einer Mischkalkulation basieren. Diese Mischkalkulation von Fedecocagua kommt zustande, weil zu wenig fair gehandelter Kaffee gekauft und konsumiert wird. Oder anders gesagt: Die Kaffeegenossenschaft kann nur einen geringen Anteil der Ernte zu Fair-Trade-Bedingungen absetzen, und das wirkt sich natürlich auf die Kalkulation und letztendlich auch auf die Existenz der Kaffeebauern aus. Das ist das Problem.

Solange der Anteil von fair gehandeltem Kaffee nur knapp fünf Prozent am Gesamtvolumen ausmacht, werden die Genossenschaften Probleme haben. In Zahlen ausgedrückt heißt das für Fedecocagua: 80 Prozent der Kaffeeproduktion werden konventionell zu Weltmarktpreisen verkauft. Diese lagen 2019 bislang zwischen 120 und 94 US-Dollar pro 100 Pfund. Nur 20 Prozent seiner Kaffeeproduktion können zu Fair-Trade-Bedingungen verkauft und dafür 230 Dollar erlöst werden. Aus diesen unterschiedlichen Absatzzahlen, aus einem „guten“ und einem „sehr schlechten“ Preis, ergibt sich die oben beschriebene Mischkalkulation, aus der dann die niedrigen Durchschnittspreise für die Kaffeebauern folgen. Könnte Fedecocagua 50 Prozent seiner Kaffeeproduktion zu Fair-Trade-Bedingungen absetzen, sähe es für die Kaffeebauern schon viel besser aus. Diese Punkte werden im Artikel leider nicht erwähnt. Deutlich wird aber, dass es ohne den fairen Handel noch schlechter um die Kaffeebauern stünde – und wie wichtig die Genossenschaft für die Kaffeebauern ist, auch wenn es immer noch nicht genug ist.

So lange die Nachfrage nach fair gehandeltem Kaffee in Europa und hierzulande so gering ist und die Verbraucher nicht bereit sind, für Kaffee einen angemessenen Preis zu bezahlen, so lange wird es gerade für große Kaffeeverbände schwierig bleiben, ihren Mitgliedern ein existenzsicherndes Einkommen zu gewährleisten. Um fair gehandelten Kaffee zu trinken, muss man gegenüber konventionellem Kaffee nur wenige Cent mehr pro Tasse zahlen. Einfacher kann man Solidarität mit Menschen im globalen Süden nicht zeigen.

Gerlinde Maier-Lamparter

Köngen

Hinweis

Veröffentlichungen in dieser Rubrik

sind keine redaktionellen Meinungsäußerungen. Die Redaktion behält

sich Kürzungen vor.

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