Lesungen wie die des Autors Tobias Elsäßer bringen die Literatur auch dem Nachwuchs nahe. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Dreieinhalb Wochen LesART sind vorüber, und die Veranstalter der 24. Esslinger Literaturtage ziehen eine positive Bilanz: 3500 Besucher wurden in 36 Lesungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gezählt.

EsslingenFernsehen bildet“, hat der Anarcho-Komiker Groucho Marx einmal gesagt: „Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese.“ An diesen Satz hat Bücherei-Leiterin Gudrun Fuchs nicht ganz zufällig erinnert, als sie beim Literaturfest im Jazzkeller gemeinsam mit vielen Fans die 24. Esslinger LesART Revue passieren ließ. Rund 3500 Buch-Liebhaber haben während der vergangenen dreieinhalb Wochen Literatur pur erlebt. Und wenn die Kapazität des Kutschersaals, der traditionell der Kristallisationspunkt des Festivals ist, nicht so knapp bemessen wäre, hätte man noch deutlich mehr Zuhörer gezählt.

Doch für Gudrun Fuchs ist klar: „Besucherzahlen sind nicht alles. Wir freuen uns über viele Zuhörer, aber wir messen den Erfolg des Festivals nicht allein daran.“ Manche LesART-Fans fordern einen Umzug in größere Säle, wo man an vielen Abenden doppelt so viele Tickets verkaufen könnte. Doch die Organisatoren sind sich mit OB Jürgen Zieger einig, dass viele Lesungen in größerem Rahmen ihr besonderes Flair einbüßen könnten, schließlich ist die Nähe zum Publikum ein Merkmal der Esslinger Literaturtage. „Und unser Publikum liebt nun mal den Kutschersaal“, weiß Gudrun Fuchs.

Wenn die Bücherei-Leiterin an die vergangenen dreieinhalb Wochen zurückdenkt, erinnert sie sich „an viele richtig schöne Veranstaltungen, die noch lange nachklingen werden“. Renate Luxemburger, die die Lesungen für Erwachsene organisiert, nennt eine bewegende Eröffnung mit den aserbaidschanischen Menschenrechts-Aktivisten Leyla und Arif Yunus, die Lyrik-Nacht in der Galerie Villa Merkel, in der sich die Poesie von ihrer reizvollsten Seite gezeigt hat, oder die Begegnungen mit großartigen Autorinnen und Autoren wie Felicitas Hoppe, Norbert Gstrein, Lisa Halliday oder Bodo Kirchhoff. Dass das Esslinger Publikum nicht nur nach großen Namen schaut, sondern auch Newcomern mit derselben Neugier begegnet, macht für Gudrun Fuchs die besondere Qualität der LesART aus. „Das spricht sich auch bei Autoren und Verlagen herum, die wissen, dass sie in Esslingen besonders fachkundige Zuhörer erwarten dürfen“, hat Fuchs festgestellt. Genau wie die Tatsache, dass die LesART ihr gesellschaftspolitisches Profil konsequent pflegt. Aktuelle Themen wurden mit klugen Köpfen wie Ahmad Mansour oder dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen diskutiert.

Einen festen Platz im Konzept der LesART haben seit jeher die Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, für die Kinderbücherei-Leiterin Bettina Langenheim verantwortlich zeichnet. „Das ist Leseförderung im allerbesten Sinne“, weiß Gudrun Fuchs, die zum Beispiel an den Auftritt der Kinderbuch-Autorin Andrea Karimé erinnert: „Sie ist zwischen deutscher und libanesischer Sprache und Kultur aufgewachsen und hat in einer Klasse vor Flüchtlingskindern gelesen. Als sie die Jungs und Mädchen in ihrer Sprache begrüßen konnte, ging ein solches Strahlen über deren Gesichter – das war ausgesprochen berührend.“ Zur Schreib- und Leseförderung gehört für Gudrun Fuchs auch der alljährliche Schüler-Schreibwettbewerb, den Stadtbücherei und Eßlinger Zeitung genau wie die LesART gemeinsam ausschreiben. „Wir haben ein neues Konzept ausprobiert“, erzählt Gudrun Fuchs. Dass die Texte, die es ins Finale geschafft haben, diesmal von einem Schauspieler gelesen wurden, hat sich ebenso bewährt wie die stärkere Einbeziehung des Publikums. „Das ist ein vielversprechender Weg für die Zukunft“, hat die Bücherei-Leiterin zufrieden festgestellt.

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