Die Werke der LesART-Autoren auf einen Blick: Eine Ausstellung in der Stadtbücherei dokumentiert das literarische Schaffen der Literaturtage-Gäste und die Vielseitigkeit des Programms. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Von Alexander Maier

Die zeitgenössische Literatur hat viele Seiten – einige der reizvollsten, interessantesten, spannendsten und diskussionswürdigsten werden nun in Esslingen aufgeblättert. Bis 2. Dezember veranstalten Stadtbücherei und Eßlinger Zeitung die 23. LesART, und wie immer öffnen die Literaturtage ein Schaufenster des aktuellen literarischen Geschehens. 24 Autorinnen und Autoren haben sich mit ihren Büchern für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angesagt, 35 Veranstaltungen stehen auf dem Programm. Und gleich zum Auftakt gab es gestern ein Wiedersehen mit einem bekannten Gast: Ingo Schulze kommt gern nach Esslingen – diesmal stellte er seinen Roman „Peter Holtz – Sein glückli­ches Leben erzählt von ihm selbst“ vor. Weil Schulze zu den Besten der deutschsprachigen Literatur gehört, war die Nachfrage groß: Die Karten waren im Handumdrehen vergriffen – der Saal hätte locker doppelt so groß sein dürfen, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Mit starken Partnern zum Erfolg

Für OB Jürgen Zieger bietet die LesART-Eröffnung alle Jahre wieder eine willkommene Gelegenheit, die Bedeutung der Literaturtage zu unterstreichen. Das Festival verwandle Esslingen dreieinhalb Wochen lang in einen Ort, „an dem aktuelle zeitgenössische Strömungen in der deutschsprachigen und internationalen Literatur vorgestellt und gesellschaftliche Wirklichkeiten reflektiert werden“.

Beim Blick ins Programm hat Zieger festgestellt: „Die Bücher in diesem Herbst sind im besten Sinne politisch und zeugen von der Kraft der Literatur, die Grenzen unserer Vorstellungswelt zu verschieben und das Spektrum der Empathie zu erweitern. Sie stellen sich mit existenzieller Dringlichkeit den Elementarfragen unserer Zeit, erzählen von Migration und Heimatlosigkeit, von der Suche nach Identität und von der unstillbaren Sehnsucht nach dem Leben selbst.“ So werde Literatur „als eine besondere Form der menschlichen Weltaneignung in einer pluralistischen Gesellschaft erlebbar“.

Der OB dankte denen, die die LesART durch ihre Kompetenz und ihr Engagement möglich machen – allen voran Bücherei-Leiterin Gudrun Fuchs und ihren Programmplanerinnen Bettina Langenheim (Kinder und Jugendliche) und Renate Luxemburger (Erwachsene). Und er verhehlte nicht, dass ein Festival dieser Größe und Qualität nur mit starken Partnern zu stemmen sei. Dass die Eßlinger Zeitung die LesART seit den Anfängen begleitet und seit vielen Jahren auch als Mitveranstalter dabei ist, beschere den Literaturtagen eine Aufmerksamkeit, die anders kaum zu erzielen wäre. Ziegers Dank galt aber auch der Stiftung der Kreissparkasse, die die LesART großzügig unterstützt, und dem örtlichen Buchhandel, der ebenfalls seinen Teil dazu beiträgt, das Festival in die Stadt zu tragen.

Gerd Schneider, der Chefredakteur der Eßlinger Zeitung, mag die LesART nicht missen: Gerade in einer Zeit, in der alle spüren, dass sich Dinge tun, die neu für uns sind und mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, komme der Literatur besondere Bedeutung zu: „Wir Journalisten versuchen, die Dinge und Veränderungen zu beschreiben und zu analysieren. Aber erschöpfende Antworten können wir nicht geben. Das sind Fragen, für die wir die Bücher brauchen. Wir brauchen Geschichten, die uns erzählen, welche Dinge Menschen tun und warum sie das tun. Wir brauchen Menschen, die Bücher schreiben. Und Leser, die ihre Bücher kaufen. Und wir brauchen Einrichtungen und Organisationen, die solche Literaturfeste veranstalten. Wir sind es, unsere Gemeinschaft, die die Existenz der Kunst, der Literatur und des freien Wortes erst ermöglichen.“ Alle Beteiligten seien „auch ein bisschen stolz, dass wir in Esslingen mit unserer LesART einen kleinen Teil zu diesem elementaren Auftrag an eine freie Gesellschaft beitragen“. Dafür bedankte sich der Chefredakteur bei den Autoren, bei der Stadt Esslingen und bei den Menschen, die die Literaturtage organisieren. Gerd Schneider schloss auch das Publikum mit ein, das durch sein ungewöhnlich großes Interesse erheblich zum Erfolg der Literaturtage beitrage. Und er versprach, die EZ werde das Festival „im gewohnten Umfang und mit der gewohnten Qualität journalistisch begleiten“.

  • Eine ausführliche Besprechung der Auftaktlesung mit Ingo Schulze folgt in unserer morgigen Print-Ausgabe.
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