Finanzchef Marc Bunz (links) und Vorstandschef Nicolas Schweizer Foto: Schweizer Electronic/Nico Pudimat

Der Leiterplatten-Spezialist Schweizer Electronic aus Schramberg, der den Großteil des Umsatzes mit der Automobilbranche macht, rechnet nach herben Einbrüchen und einem Verlust in diesem Jahr wieder mit einer deutlichen Erholung.

Schramberg - Die Schweizer Electronic AG, die fast Dreiviertel des Geschäfts mit Kunden aus der Automobilindustrie macht, rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzzuwachs zwischen 20 und 30 Prozent auf 120 bis 130 Millionen Euro und einer Verringerung des Verlustes. „Wir sehen uns aufgrund der erfolgreichen Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen in Schramberg und der Kapazitätsausweitung durch unser Werk in China für die Zukunft gut gerüstet“, so Finanzvorstand Marc Bunz in einer Pressemitteilung.

Durch den Ausbau in des Werks im chinesischen Jintan, für das 2018 der Grundstein gelegt wurde und in dem seit Anfang 2020 die ersten Musterleiterplatten gefertigt werden, will Schweizer Electronic zusätzliche Marktanteile gewinnen.

Hochlauf des neuen Werkes in China

Im vergangen Jahr hat sich der Verlust des Herstellers von Leiterplatten, wie sie in der Leistungselektronik in Fahrzeugen im Einsatz sind, laut Geschäftsbericht auf knapp 17,9 Millionen erhöht. Im Jahr zuvor waren es nach Steuern rund 5,6 Millionen Euro Verlust. Sonderaufwendungen für die Restrukturierung, ein Forderungsausfall sowie Anlaufverluste des neuen Werkes in China belasteten das Ergebnis mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Der Umsatz ist im Coronajahr 2020 um 18,6 Prozent auf rund 98,3 Millionen Euro eingebrochen.

Damit könne man nicht zufrieden sein, heißt es in der Mitteilung weiter, dennoch habe man in „Anbetracht der Herausforderungen durch die Covid-19-Pandemie und dem Transformationsprozess unserer wichtigsten Kundengruppe – der europäischen Automobilindustrie – und dem aktuellen Aufbau unseres neuen Hightech-Werks in Jintan (China) im Geschäftsjahr 2020 viel erreicht“.

Lieferketten zählen zu Unwägbarkeiten

Bereits im vierten Quartal 2020 hat die Nachfrage der Automobilkunden laut Unternehmen wieder angezogen. Unwägbarkeiten bleiben. Die künftige Entwicklung hänge vor allem von zwei Faktoren ab, so das Unternehmen: Zum einen vom Hochlauf des Werkes in China, mit dem man die Internationalisierung vorantreibe und die Kundenbasis verbreitere. Zum anderen von der Stabilität der Lieferketten. Die nachhaltige Bauteileknappheit könne zu einer Begrenzung bei Kundennachfragen und bei der Versorgung mit Zulieferteilen für die Leiterplattenbranche führen.

Das Werk in China mit einer Produktionsfläche von insgesamt 90 000 Quadratmetern wird nach Abschluss der zweiten Ausbauphase Ende 2021 über eine Fertigungskapazität von rund 2400 Quadratmeter Leiterplattenfläche pro Arbeitstag verfügen, in Schramberg sind es rund 1200 Quadratmeter.

Das Unternehmen beschäftigte Ende 2020 weltweit 945 Mitarbeiter, davon 580 in Schramberg, wo im vergangenen Jahr gut 100 Jobs abgebaut wurden.

Unternehmen in sechster Generation

Gut ein Viertel des Umsatzes macht Schweizer mit Branchen abseits der Automobilindustrie – darunter ist beispielsweise auch die Medizinbranche, wo Leiterplatten von Schweizer unter anderem in Notfall-, Intensiv- und Diagnosegeräten im Einsatz sind. Aber auch beispielsweise Branchen, in denen automatisierte und vernetzte Steuerung oder die Überwachung von Anlagen nötig sind, oder die Luftfahrtbranche zählen zu den Kunden.

An der Spitze des börsennotierten Unternehmens, das 1849 von Christoph Schweizer gegründet wurde und mit dem Vertrieb von Zifferblättern für Uhren begonnen hat, steht Nicolas Schweizer als Vertreter der sechsten Generation. Die Familie hält noch mehr als 20 Prozent der Anteile am Unternehmen, auch Infineon ist mit 9,39 Prozent ein großer Aktionär.