Stadtplanerisch könnte sich in den kommenden Jahren noch einiges in Leinfelden verändern. Ein wichtiges Ziel ist die Transformation des Gewerbegebiets östlich der Gleise.
Der erste große Schritt ist getan. Mit dem Neubaugebiet Schelmenäcker hat die Wohnstadt den Sprung über die Gleise gewagt. Geht es nach dem Willen der Planer aus dem Rathaus, soll diese Entwicklung fortgesetzt werden. „Wir haben was vor in Leinfelden“, kündigte der Planungsamtsleiter Philipp Schwarz seinen Vortrag zum aktuellen Stand der Pläne während der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses augenzwinkernd an. Ein wichtiger Partner auf diesem Weg ist die Firma Bosch, die auf ihrem Werksgelände offen für Neuentwicklungen ist.
„Der dynamische Wandel der Wirtschaft und die damit verbundenen regionalen Verschiebungen gehen auch an Leinfelden-Echterdingen nicht vorüber“, schreibt die Stadt. Doch nicht allein das Bosch-Werksgelände soll neu überplant werden. Allerdings war die Bereitschaft des Unternehmens, einen grünen Campus mit hoher Aufenthaltsqualität und Öffnung des Geländes für die Öffentlichkeit zu ermöglichen ein wichtiger Impuls für das jetzige Verfahren. Drei Planungsbüros sollen nun Vorschläge für die weitere städtebauliche Entwicklung erarbeiten.
Trennung zwischen Wohnen und Gewerbe soll aufgebrochen werden
Ein Ziel soll es sein, die bislang starre Trennung zwischen Wohnen und Gewerbe aufzubrechen. „Es soll eine Urbanisierung stattfinden“, erklärte Schwarz. Landauf, landab laufe diese Entwicklung bereits, weil sich viele Unternehmen veränderten.
Eng damit verknüpft sind die Planungen für einen zentralen Rathausstandort auf dem Grünstreifen östlich der Gleise an der Max-Lang-Straße. Immerhin wünscht sich wohl niemand ein Rathaus zwischen den Gleisen und einem reinen Gewerbegebiet. „Für einen zentralen städtischen Verwaltungsstandort östlich der Gleise soll eine städtebauliche Einordnung erfolgen, die der repräsentativen und zentralen Funktion eines Rathauses gerecht wird“, schreibt die Stadt ein wichtiges Ziel der jetzigen Überlegungen.
Mit der Durchführung des Verfahrens wurde das Büro Faltin und Sattler aus Düsseldorf beauftragt. Neben der Arbeit der Planungsbüros im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung soll es auch noch eine sogenannte Planungswerkstatt geben. Dafür sollen sich die Planer zusammen mit Vertretern der Firma Bosch, Kommunalpolitikern und weiteren lokalen Protagonisten über die Verzahnung von Ost und West, von Gewerbe und Wohnen austauschen.
Bosch wird sich an den Kosten beteiligen
Die erste öffentliche Dialogveranstaltung, bei der es um die Ziele in dem Gebiet gehen soll, ist auf den 2. Oktober terminiert. Danach finden die Arbeitstreffen statt, bevor die Ergebnisse am 13. März 2026 öffentlich vorgestellt werden. Die Stadt rechnet derzeit damit, dass der Kostenrahmen von 200 000 Euro für das Verfahren eingehalten wird. Darüber hinaus wird sich Bosch an den Kosten beteiligen.
Nach der Vorstellung des aktuellen Stands äußerten mehrere Stadträte ihre Skepsis gegenüber den Ideen und der Zusammenarbeit mit Bosch. „Ich finde es dubios“, sagte die Grünen-Stadträtin Edel Reichle-Kanthak. Es gebe neben Bosch noch viele andere Unternehmen in dem Gebiet, verdeutlichte sie. Der LE Bürger/DiB-Fraktionsvorsitzende Jürgen Kemmner wies darauf hin, dass sich Pläne bei Bosch schnell verändern könnten. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Erich Klauser erinnerte mit Blick auf die Pläne für einen Grünstreifen in dem Gebiet daran, dass in der Vergangenheit stets Gewerbegebiete gesucht worden seien.
Positiv sei, so äußerte sich die CDU-Fraktionsvorsitzende Ilona Koch, dass die Pläne von Bosch auch ein Bekenntnis zum Standort Leinfelden-Echterdingen seien. Der Stadtrat Wolfgang Haug (FDP) hob die Bedeutung der Entwicklung für Echterdingen hervor. Erst wenn es mit den Planungen für das zentrale Rathaus an der Max-Lang-Straße in Leinfelden vorangehe, könnten die Stadtverwaltungsgebäude im Echterdinger Ortskern aufgegeben werden und die Pläne für die historische Mitte von Echterdingen weitergehen.