Hans Huber „hatte viele Facetten, viele Interessen und ein sehr langes Leben“, sagt Wolfgang Haug. Foto: Judith Sägesser

Er war dienstältester Stadtrat, Vater von neun Kindern und Ehrenbürger von Leinfelden-Echterdingen: Hans Huber ist gestorben. Am Mittwoch ist seine Trauerfeier.

„Ich muss 130 werden, um alles zu erledigen“, hat Hans Huber einmal gesagt. Aber auch betont: „Mir rinnt die Zeit davon.“ Viele Aufgaben – das hatte der „universell gebildete Mensch“, wie ihn FDP-Stadtrat Wolfgang Haug beschreibt, in jedem Fall. Zu seinen Terminen war der Mann bis ins hohe Alter – auch bei Wind und Wetter – mit dem Rad unterwegs. Genausolange hat er als Arzt praktiziert, Sprechstunden gegeben und Hausbesuche absolviert. Da hatten seine Söhne die Familien-Praxis an der Echterdinger Hirschstraße längst übernommen. Als alter Charmeur hatte er außerdem stets „ein Schokolädle“ für die Frauenwelt dabei.

„Neben dem Beruf hat er sich für viele Dinge interessiert“, sagt Susanne Ludwar über ihren Mann. „Politik, Geschichte, Ahnenforschung, Familiengeschichte, Sport...“, zählt sie auf. Seine Heimat Echterdingen lag ihm am Herzen. Seine Erinnerungen, sein Wissen schrieb er auf, um es für die Nachwelt festzuhalten. Mit seinem Buch „Frech überlebt. 1926 – 1950“ wollte er beispielsweise mit vermeintlichen Unwahrheiten aus der Kriegszeit aufräumen. Sein letztes Buch befasste sich mit dem Gasthaus Hirsch– einer Echterdinger Gaststätte.

„Er hatte viele Facetten, viele Interessen und ein sehr langes Leben“, sagt Wolfgang Haug. Ein großes Fest zu seinem 99. Geburtstag im vergangenen Juni – das wollte er unbedingt noch feiern. „Das war ihm wichtig.“ Am 18. Dezember ist Hans Huber – wie die Familie in der Todesanzeige schreibt – „zu Hause friedlich eingeschlafen“.

Knorrig, knitz und für sein Alter sehr lange unglaublich vital – so wurde Hans Huber immer wieder beschrieben. Er war aber auch ein Kind seiner Zeit und störte sich nicht daran, dass seine konservative Haltung nicht nur Gegenliebe fand. Als Kommunalpolitiker ist ihm etwas geglückt, was zuvor in Deutschland noch keinem gelungen war: 56 Jahre war Hans Huber Stadtrat, so lange hat er Leinfelden-Echterdingen mitgestaltet. Als dienstältester Stadtrat erhielt er vom Städtetag das Verdienstabzeichen in Gold mit Lorbeerkranz und Brillanten. Die Stadt verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde.

Für ihn selbst war dieses Engagement nicht groß erwähnenswert: Es sei keine Besonderheit, sich so viele Jahre lang „den Hintern breit zu sitzen“, hat er dies kommentiert. Durch Zufall und nach ein paar Viertele zu viel ist sein Name 1962 auf die Kandidatenliste der Freien Wähler gerutscht. Hans Huber wurde dennoch prompt Stimmenkönig seiner Liste. Der Gemeinderat sei die beste Möglichkeit für Bürger, ihre Lebenswelt mitzugestalten, war seine Meinung. Der frühere Fraktionschef der Freien Wähler hat gleichzeitig offen zugegeben, dass ihn 80 Prozent der Themen, die dort besprochen werden, nicht interessieren. Und dennoch war er in viele Dinge verstrickt.

Mit 92 Jahren hat er sich dann entschieden, die Rolle des Kommunalpolitikers abzugeben. Er hatte eingesehen, wie er da erklärte, dass der richtige Zeitpunkt dafür nicht kommen werde. Es blieben zahlreiche andere Ehrenämter und Mitgliedschaften. Bis vor wenigen Jahren hat er den Förderverein Stadtmuseum geleitet. Er gehörte der Tübinger Studentenverbindung Landsmannschaft Ulmia an. Nicht zuletzt hatte Hans Huber eine große Familie. Er war Vater von neun Kindern, davon zweimal Zwillingen. Über seine 36 Jahre jüngere Frau Susanne Ludwar sagte er einmal: „Mit ihr habe ich das große Los gezogen.“

„Dr. Hans Huber war eine Ausnahmeerscheinung unserer Stadtgeschichte“, sagt Oberbürgermeister Otto Ruppaner. „Er verband politische Urteilskraft mit historischer Tiefe und einer großen Liebe zu seiner Stadt.“ Als Kommunalpolitiker, Mitbegründer des Stadtmuseums und Autor habe er bleibende Spuren hinterlassen. „Wir verlieren mit ihm einen ganz Großen, der unseren Verein, unsere Fraktion nachhaltig geprägt hat“, sagt Eberhard Wächter, Fraktionschef der Freien Wähler/FDP. „Wir verlieren unseren väterlichen Ratgeber, unseren guten Freund.“

Am Mittwoch, 14. Januar, wird es um 13 Uhr eine Trauerfeier für Hans Huber in der Echterdinger Stephanuskirche geben. Anschließend wird seine Urne auf dem Friedhof beigesetzt. Im Echterdinger Rathaus liegt von Montag, 12. Januar an, ein Kondolenzbuch aus.