Kurz vor Weihnachten drücken sich Menschenmassen durch die Innenstädte. Wie aber können kleinere Orte wie Leinfelden-Echterdingen Kunden locken und halten? Foto: imago/Ralph Peters

Seit zwei Jahren gibt es die LE-Card: Die digitale Kundenkarte gilt nur in Leinfelden-Echterdingen. Das Zahlungsmittel findet zu wenig Akzeptanz, bemängeln Kritiker.

Steht die LE-Card schon wieder auf der Kippe? Die digitale Kundenkarte war Ende November 2023 – und damit vor genau zwei Jahren – in Leinfelden-Echterdingen an den Start gegangen, damit die Einzelhändler schon zum Weihnachtsgeschäft davon profitieren können. Die Jahre zuvor waren für die Gewerbetreibenden alles andere als einfach gewesen: Die Pandemie, der Nachfolger- und Fachkräftemangel und der Zuspruch, den der Onlinehandel noch immer erfährt, hatten den Ladeninhabern auch in Leinfelden-Echterdingen zu schaffen gemacht. Die Marketingmaßnahme sollte deren Geschäft ankurbeln und die Kaufkraft im Ort halten.

Die LE-Card ist als Gutschein-, Bonus- und Mitarbeiterkarte gedacht. Die Inhaber können damit nur in Leinfelden-Echterdingen einkaufen, nur dort von Rabatten und Cashback profitieren. Die Karte sollte für die teilnehmenden Firmen und die Stadtverwaltung durch finanzielle Anreize auch eine Möglichkeit zur Mitarbeitergewinnung sein. Bis zu 50 Euro können Unternehmen steuerfrei pro Monat an ihre Mitarbeiter auszahlen. Diese können auf die LE-Card gebucht und bei allen Händlern, die mitmachen, eingelöst werden.

Bezahlkarte wird von Hotels und Gastronomie abgelehnt

„Leider hat die Karte nicht die Akzeptanz gefunden, die sich die Stadt und das Stadtmarketing erhofft hatten“, resümieren nun die Freien Wähler/FDP. Nur wenige Ladengeschäfte würden die Karte als Zahlungsmittel akzeptieren. Große Supermärkte, Bäckereien, die Gastronomie und auch die Hotels in der Stadt würden sie als zu umständlich ablehnen. Denn die Buchung erfordere eine zweifache EDV-Anwendung – das eigene Kassensystem und die Internet-Anwendung der LE-Card. Dieses System sei anfällig für Fehler. Mitarbeiter der Unternehmen müssten extra geschult werden.

Bisher übernehme die Stadt noch die Transaktionskosten. Sollte diese Subvention auslaufen, befürchten die Kommunalpolitiker, einen vielfachen Ausstieg der beteiligten Ladengeschäfte. Die Fraktion Freie Wähler/FDP fordert die Stadt auf, den Erfolg dieser Marketingmaßnahme zu überprüfen, durch ein anderes System – beispielsweise ein Kreditkartensystem – zu ersetzen oder aber die Karte ganz abzuschaffen.

Einzelhändler aus Leinfelden-Echterdingen sollen Feedback geben

Steht die Kundenkarte also auf der Kippe? „Für kommendes Jahr ist die Finanzierung noch gesichert“, sagt Isabelle Scheinig, Leiterin des Stadtmarketings, unserer Zeitung. „Wir wollen aber sicherstellen, dass das Geld gut investiert ist.“ Deshalb möchte das Stadtmarketing-Team die Kundenkarte evaluieren – also möglicherweise ein paar Dinge anpassen. „Wir werden Feedback von den beteiligten Einzelhändlern einholen und uns mit dem Betreibern der LE-Card zusammensetzen.“ Aktuell seien sehr viele Mitarbeiter-Karten im Einsatz. Das Umsatzvolumen liege bei etwa 600 000 Euro. Von dieser Summe liege noch 170 000 Euro auf den Karten. „Der Großteil ist also schon ausgegeben worden“, sagt sie.