Seit gut einem Jahr ist der Goldäckerstraße in Echterdingen eine Fahrradstraße. Foto: pib

Zwischen dem ADFC und den Freien Wählern/FDP knirscht es. Der Grund: unterschiedliche Bewertung der Testfahrradstraße in der Goldäckerstraße.

Eine Stellungnahme des Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler/FDP, Eberhard Wächter, hat beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) für Verstimmung gesorgt. Hintergrund sind unterschiedliche Ansichten darüber, ob die Fahrradstraße in der Goldäckerstraße nun ein Vorbild für weitere Straßen in der Stadt ist oder nicht. Aber der Reihe nach.

Vor rund einem Jahr wurde ein Teil der Goldäckerstraße im Westen Echterdingens zur Fahrradstraße. Wie es der Name schon vermuten lässt, ist die Fahrradstraße erst einmal für die Fahrradfahrer da. Anlieger dürfen aber weiter die Straße mit ihren Autos nutzen, müssen sich aber dem Radverkehr unterordnen. Weil es bisher noch keine Erfahrungen mit derartigen Einrichtungen in der Stadt gab, sollte die Fahrradstraße erst einmal als Pilotprojekt mit einjähriger Testphase eingeführt werden. Nun ist die Testphase zu Ende. Große Probleme wurden bisher nicht öffentlich bekannt.

Richtig überzeugt ist der Freie Wähler/FDP-Fraktionschef Wächter trotzdem nicht von der Einrichtung weiterer Fahrradstraßen. Wächter schreibt: „Die Testfahrradstraße in der Goldäckerstraße ist ein erster Versuch, das Thema der Bürgerschaft näherzubringen, was sich von Tübingen und Freiburg über Stuttgart aufgemacht hat, nun auch LE ‘zu beglücken‘. Landauf, landab hält man die ‘Modeerscheinung‘ Fahrradstraße für der Weisheit letzten Schluss, den dringend notwendigen Radverkehr sicherer zu machen.“

Begleitet wurde die Testphase von einer Gruppe aus Vertretern des Rathauses, von Ingenieurbüros, dem ADFC, Gemeinderäten und Anwohnern. Es wurde ein aus Wächters Sicht zu wohlwollendes Abschlussstatement verfasst, das während einer der nächsten Sitzungen des Technischen Ausschusses auf den Tisch kommen soll. Er hätte sich kritischere Worte gewünscht, schreibt Wächter. So seien Parkplätze entfallen und Fahrradfahrern eine „Scheinsicherheit“ vermittelt worden. Am Ende sei ein Radweg, getrennt von der Straße, die bessere Lösung für einen sicheren Radverkehr.

Beim ADFC lösten die öffentlichen Ausführungen Wächters einen offenen Brief aus. Es sei befremdlich, dass sich Wächter nun von dem Abschlussstatement distanziere, das er doch mitunterschrieben habe, schreiben Monika Knopf, Karin Beckmann, Markus Zelleröhr und Werner Manz. Der ADFC erinnert in seinem Brief daran, dass es ein fraktionsübergreifend beschlossenes Radverkehrsprogramm von 2022 gebe. In diesem Plan bildeten mehrere Fahrradstraßen innerorts das Rückgrat des Radverkehrsnetzes, so der ADFC. Außerdem seien Fahrradstraßen keine „Modeerscheinung“. Vielmehr seien sie seit 1997 in der Straßenverkehrsordnung. Allein in der Region gebe es beispielsweise Fahrradstraßen in Reutlingen, Nürtingen, Sindelfingen, Esslingen und Ludwigsburg. In Neuhausen sei eine Fahrradstraße in Vorbereitung, ebenso in Leonberg.

Alles in allem habe die Testphase gezeigt, dass die Fahrradstraße funktioniere. Im gemeinsamen Statement sei daher festgehalten worden, dass die Fahrradstraße vorerst so bleiben soll. „Eine Lösung für den südlichen Teil der Goldäckerstraße soll gesucht werden“, schreibt der ADFC. Getrennte Radwege seien gut, aber nicht überall möglich. Gerade in der Goldäckerstraße sei die Fahrradstraße die beste Alternative.