Die Betreiber des Biergartens auf der Karlshöhe in Stuttgart halten nicht viel von Reservierungen. Foto: LG/Christoph Schmidt - LG/Christoph Schmidt

Der Sommer kehrt ein. Und mit ihm der Gast in die Biergärten. Doch der wird immer anspruchsvoller. Viele wollen einen Platz sicher haben und ihre Getränke nicht mehr selbst holen.

StuttgartUnd mit einem Mal ist Sommer – die Biergartentage im Mai allerdings konnte man „an einer Hand abzählen“, sagt David Blanco del Rio. Aber, so der Geschäftsführer des Schwabengartens in Leinfelden: „Dem Risiko mit dem Wetter muss man sich bewusst sein.“ Verwöhnt vom vergangenen Jahr haben manche Wirte die lange Saisonpause genutzt, um Änderungen anzugehen, wie etwa im Wirtshaus Garbe. Dort verstärkt jetzt Marius Schlatter die Geschäftsführung. „Fast alle Baustellen sind abgeschlossen“, sagt er und meint damit nicht nur den Umbau der Küche, sondern auch draußen im Biergartenbereich. Der ist nun konsequent zweigeteilt: vorne mit an die 200 Plätzen und weiterhin Selbstbedienung bei den Getränken. Im hinteren Teil mit bis zu 100 Plätzen wird man bedient – und es gibt mehr Reservierungsmöglichkeiten. Im vergangenen Jahr war in der Garbe mitunter unangenehm aufgefallen, dass leere Tischreihen im Zentrum mit Schildern geblockt waren, derweil man ringsherum noch enger zusammenrücken musste. Reservierungen ab 20 Personen waren bisher üblich, nun verlagert sich dies in den hinteren Bereich, wo auch schon zu viert reserviert werden kann. Schlatter weiß, dass das mit dem Plätze-Freihalten im Biergarten ein „schmaler Grat“ ist, weil es zu Unmut bei Spontangästen führen kann. Andererseits bedeuten sich ankündigende große Gruppen schon mal ein sicheres Geschäft und Kundenbindung, wenn auch nicht zwingend mehr Umsatz, da die Tische dann selten doppelt und dreifach belegt werden können.

Fast immer ein freies Plätzchen

Den Trend zu Reservierung und Wunsch nach Bedienung stellt auch Michael Wilhelmer fest, der unter anderem den Biergarten am Schlachthof betreibt. Von den 600 Draußenplätzen sind 350 mit Selfservice und 250 mit Bedienung am Tisch. „Der Anteil an Online-Reservierungen wird immer stärker“, sagt Wilhelmer, bei dem man Plätze über das Buchungssystem Bookatable reservieren kann. Wobei er – schon aus Prinzip, wie alle Wirte – sagt: „Es gibt eigentlich immer ein freies Plätzchen.“ Das Verhältnis von Reservierungen und Spontanbesuchen am Schlachthof sei 50 zu 50, in seinem Stuttgarter Stäffele 80 zu 20 Prozent.

Aber es gibt sie noch – Biergärten, in denen nur in Ausnahmen reserviert wird. Sogar bei so einem wie auf der Karlshöhe, zu dem man schon ein paar Schritte mehr laufen muss, um einen der 300 Plätze zu erobern. Geschäftsführer Philipp Hettler sagt, zum einen wolle er keinen abstellen, der die Reservierungen kontrolliert. Zum anderen passe es nicht zu seinem Verständnis von Biergartenkultur: „Sich etwas zu trinken und zu essen holen, sich zusammensetzen und die Aussicht genießen – das ist doch das, worum es geht.“ In den großen Biergärten wie im Schwabengarten ist man anders aufgestellt – bis hin zu Firmen, die mit mehr als 100 Mitarbeitern kommen. Reservieren kann man auch hier über Bookatable, in einigen Bereichen ab sechs, in anderen ab zehn Personen. Und eigentlich sollte bei 950 Plätzen jeder unterkommen, natürlich weiß der Chef David Blanco del Rio, dass Spontanbesuche im Biergarten wichtig sind. Schwieriger sei dies in seinem Lokal José y Josefina, weil das fast immer ausgebucht sei. Aber dort gibt es nur 48 Plätze, plus Ausweichmöglichkeit auf der Terrasse.

Am meisten Platz gibt es immer noch im Schlossgarten. „Der Biergartenbereich an sich hat sich nicht verändert, nur das Drumherum“, sagt die Betreiberin und Wasenwirtin Sonja Merz. Sie spricht von „einer mittleren Katastrophe“, wenn zum erschwerten Zugang wegen der S-21-Großbaustelle noch eine längere Schlechtwetterphase komme. Reservieren kann man bei ihr direkt per E-Mail oder Telefon, und von den 2000 Plätzen sind sogar einige Hundert überdacht. Einen Teilbereich mit Service am Tisch möchte Merz aber nicht, weil das für sie eine Zweiklassengesellschaft bedeute, wo doch gerade im Biergarten alle Schichten zusammenkämen.

Mir Korb und Tischdecke

Im Augustinerbiergarten in Bad Cannstatt ist alles möglich: auch mit Service und Reservierung nur zu zweit, dann auf der Terrasse mit ihren 200 Plätzen. Seit Februar gibt es am Kursaal zudem Gottliebs Besen, aber Geschäftsführer Bekim Pajazitaj sagt: „Viele Stammgäste kommen nur wegen des Biergartens.“ Dort können bei insgesamt 800 Plätzen Gruppen ab 20 Personen reservieren. „Einige Gäste bringen ihr Vesper mit und machen es sich mit Korb und karierter Tischdecke richtig schön“, sagt Pajazitaj. Das allerdings ist in Zeiten von Online-Reservierung und Serviceanspruch eine Biergartentradition, die selbst in München kaum noch gepflegt wird.

Augustinerbiergarten (Kursaal), S-Cannstatt, Königsplatz 1; Biergarten Höhenberg, S-Nord (Killesberg), Stresemannstr. 39; Biergarten im Schlossgarten, S-Mitte, Am Schlossgarten 18; Biergarten Schlachthof, S-Ost, Schlachthofstr. 2; Katzenbacher Hof, S-Vaihingen, Katzenbacher Hof 1; Schwabengarten, Leinfelden, Stuttgarter Str. 80; Tschechen & Söhne, Biergarten auf Karlshöhe, S-Süd, Humboldtstr. 44; Wichtel Hausbrauerei, S-Feuerbach, Stuttgarter Str. 21; Wirtshaus Friedrichsruhe, S-Ost, In den Stubenweinbergen 1; Wirtshaus Garbe, S-Plieningen, Filderhauptstr. 136.

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