In Mannheim streiken Lehrkräfte heute für bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen – darunter auch Ruheständler aus dem Kreis Böblingen. Foto: privat

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat für diesen Donnerstag bundesweit zu einem Streiktag Bildung aufgerufen. Das macht sich auch im Kreis Böblingen mit Unterrichtsausfällen bemerkbar.

In der laufenden Tarifrunde der Länder hat die Bildungsgewerkschaft GEW an diesem Donnerstag zu einem bundesweiten Bildungsstreik ausgerufen. Das dürfte sich jetzt vereinzelt auch mit Personalengpässen und Unterrichtsausfällen im Kreis Böblingen bemerkbar machen. Laut einem GEW-Sprecher sind bei einer zentralen Kundgebung am Donnerstagvormittag vor dem Mannheimer Schloss auch Lehrkräfte aus dem Landkreis mit dabei.

Zusammen mit dem Zug nach Mannheim

„Wir sind heute Morgen mit dem Zug aus Stuttgart nach Mannheim gefahren. Von den 93 Menschen in unserer Gruppe waren auch einige aus dem Kreis Böblingen mit dabei“, sagt Lars Thiede, Gewerkschaftssekretär bei der GEW Nordwürttemberg. Hinzu kommen vermutlich noch einige Streikende, die eigenständig nach Mannheim anreisen. „Da wird es in vielen Schulen von Herrenberg bis Leonberg schon zu vereinzelten Ausfällen kommen“, ist Thiede überzeugt.

Eine der Rednerinnen in Mannheim war Farina Semler (rechts). Die Herrenbergerin ist stellvertretende Landesvorsitzende des GEW Baden-Württemberg. Foto: privat

Den Kreis Böblingen vertritt in Mannheim auch Farina Semler. Die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende war als Sprecherin zu der Kundgebung eingeladen.„Wir rechnen landesweit mit etwa 1000 angestellten Lehrkräften im Streik und dementsprechend mit einer zweistelligen Zahl aus dem Kreis Böblingen“, teilt Matthias Schneider, Pressesprecher beim GEW Baden-Württemberg mit.

Alexander Groß, Schulleiter an der Böblinger Eichendorffschule, hat an diesem Donnerstagvormittag nach eigener Aussage noch keine Auswirkungen des Streiks mitbekommen. „Mir ist bisher nichts von Ausfällen bekannt“, sagt Groß, der in seiner Funktion als Geschäftsführender Schulleiter unter anderem für die Böblinger Grund-, Werkreal- und Realschulen zuständig ist. „Die Anliegen der Lehrkräfte kann ich aber sehr gut nachvollziehen“, verweist der Rektor auf die täglich größer werdende Herausforderung im Bildungsberuf und die große Verantwortung, die man gegenüber der kommenden Generation habe. Groß spricht mit Blick auf die zunehmend schwierige Personalsituation von einer „unschönen, um nicht zu sagen besorgniserregenden Entwicklung“.

Längst nicht alle Lehrer sind Beamte

Zunehmende Bedeutung kommt deshalb angestellten Lehrkräften zu, die als Quer- oder Direkteinsteiger das Kollegium unterstützen. An der Eichendorffschule kommen laut Alexander Groß auf insgesamt 35 Lehrkräfte acht, die nicht verbeamtet sind.

Um eben diese Angestellten geht es den Gewerkschaften bei ihrem Arbeitskampf. Laut GEW machen Angestellte an öffentlichen Schulen mit 12 000 Personen rund zehn Prozent der gut 120 000 Lehrkräfte aus. Die GEW fordert kräftige Gehaltserhöhungen für die Beschäftigten sowie die Weiterentwicklung der Entgeltordnung für angestellte Lehrkräfte. Weitere 20 000 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten an privaten Schulen. Die GEW wirft den Arbeitgebern vor, in bisher zwei Tarifrunden kein verbindliches Angebot vorgelegt zu haben.