Alexandra Funk und Peter Rode wünschen sich bei den World Transplant Games in Dresden neben Medaillen mehr Aufmerksamkeit für Organspenden.
Der 11. August war ein ganz besonderer Tag für Alexandra Funk. Sie hat ein besonderes Jubiläum gefeiert – vor zehn Jahren hat ihre Mutter Susanne ihr eine Niere gespendet und damit ein neues Leben oder zumindest neue Jahre geschenkt. Damals war sie 18 Jahre alt. Inzwischen kann sie zweimal im Jahr Geburtstag feiern. Noch während sie auf ihre Transplantation wartete, fasste Funk den Entschluss, sich und ihren Körper nach dem Eingriff nicht in Watte zu packen. Im Gegenteil. In Offenburg hat sie Biomechanik und Medizintechnik studiert und arbeitet jetzt in der Qualitätssicherung eines Unternehmens für Schallwellengeräte.
Genauso wichtig: Sie betreibt Leistungssport – auch wenn das Niveau transplantierter Athleten natürlich begrenzter ist als bei Gesunden. Die Leichtathletik hat es ihr angetan und sie ist gleich in fünf Disziplinen unterwegs: 100 Meter, Weit- und Hochsprung, Diskus und Speerwurf. Heute ist sie eine der erfolgreichsten Athletinnen im deutschen Team TransDia und geht zum vierten Mal bei den World Transplant Games an den Start, die vom 17. bis 24. August in Dresden erstmals in Deutschland stattfinden. Bei den Spielen im australischen Perth vor zwei Jahren gewann sie viermal Gold und zweimal Silber.
Trotz Organspende mitten im Leben
Gleich beginnt auf der Anlage des SGV Murr ihre Trainingseinheit zusammen mit Peter Rode, der wie sie Teil der Nationalmannschaft ist. Hier holen sie sich den letzten Schliff für ihren Saisonhöhepunkt. Bis zu sechs Übungseinheiten pro Woche absolviert Alexandra Funk vor dem Großereignis. „Das spüre ich dann schon und brauche dazwischen auch Regenerationsphasen“, sagt Funk, die den Weitsprung als Lieblingsdisziplin nennt, im Diskus noch deutliches Steigerungspotenzial erkennt und über die 100 Meter das stärkste Teilnehmerinnenfeld erwartet. Unterstützt wird sie in Dresden auch von ihrem Vater Uwe, der sich unter anderem um den Zeitplan für die Leichtathletikwettbewerbe bei den Games kümmert.
Rund 2500 Athletinnen und Athleten werden in 17 Disziplinen zeigen, was trotz Organspende alles möglich ist. Die internationale Sportveranstaltung vereint schon seit 1978 transplantierte Menschen, Dialysepatienten und ihre sportliche Leidenschaft. Jeder hat einen schweren Weg hinter sich. Auch Peter Rode aus Beilstein, dem 2014 eine Leber transplantiert wurde. „Erst kam der Frust, dann aber der Ehrgeiz“, sagt der 71-Jährige. Der passionierte Golfer ist mit der Kugel sowie über 100 und 200 Meter in der Altersklasse 70 dabei und schwärmt wie Alexandra Funk von seinen bisherigen Starts bei den Games. „Da fallen mir die Stierkampfarena in Mar del Plata in Argentinien ein, eine tolle Kulisse für unseren Sport oder die Altstadt von Oxford., sagt Rode.
Botschafter und Mutmacher für Betroffene
Das Duo versteht sich gleichermaßen als Botschafter und Mutmacher, mit dem Ziel, andere Betroffene zu inspirieren. „Der Sport ist für uns wie eine Selbsthilfegruppe“, sagt Alexandra Funk. Sie will aber nicht nur Medaillen gewinnen im neuen Heinz-Steyer-Stadion in Dresden, sondern auch das Gefühl von Gemeinschaft spüren, in der jeder jeden anfeuert und unterstützt. Die Games sind so besonders, weil Menschen, die ähnliche Geschichten teilen, plötzlich zusammenkommen und gemeinsam das Leben zelebrieren. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt Peter Rode, der sich auch auf das Rahmenprogramm wie die große Eröffnungsfeier und einen kulturellen Abend freut.
Mehr Sichtbarkeit für das Thema Transplantation
Die beiden Startenden erhoffen sich aber auch endlich mehr Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit für das Thema Transplantation. Rund 8300 Menschen warten in Deutschland aktuell auf eine Organspende. „Jeder sollte sich deshalb fragen: Würde ich ein Organ annehmen? Wenn ja – warum dann nicht auch spenden?“, sagt Alexandra Funk und wünscht sich auch mehr Einsatz der Politiker. Sie spricht sich wie Peter Rode für die sogenannte Widerspruchslösung aus. Demnach ist die Entnahme der Organe nach dem Tod erlaubt, sofern man zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widerspricht. Ein Spender kann bis zu sechs Hoffenden das Leben retten.
Alexandra Funk ist Sportlerin aus Leidenschaft. Sport ist für sie ein Gefühl von Lebendigkeit, ein Ausdruck von Lebensfreude und vor allem ein Ausdruck von Lebensqualität. Er steht aber auch für Niederlagen, Siege und Kämpfe. Und kämpfen kann die 1,76 Meter große Athletin. Und dieser Kampf wird auch nie aufhören. Die Leichtathletin weiß nämlich nicht, wie lange sich ihr Körper und die gespendete Niere noch verstehen werden und wann und ob sie auch ihr nächstes Jubiläum feiern kann.