Melanie Wolf hat starke Hilfe beim Aufbau ihres Fairteilers in der Leonberger Steinstraße. Foto: Simon Granville

Was als Idee im Sabbatjahr begann, wird bald Realität: Melanie Wolf baut mit Unterstützung vieler Helfer einen Ort, an dem Lebensmittel geteilt statt weggeworfen werden.

Als Melanie Wolf 2023 ein Sabbatjahr einlegte, also eine unbezahlte Auszeit von ihrem Job nahm, wollte sie sich nicht nur um ihr zweites berufliches Standbein und ihre große Leidenschaft, die Zauberei, kümmern. Auch eine Reise nach Neuseeland stand auf der „Bucket-Liste“. Die dritte Herzensangelegenheit der 48-jährigen Leonbergerin: Sie wollte sich auf jeden Fall sozial engagieren. Denn seit vielen Jahren macht sie sich über die Lebensmittelverschwendung hierzulande Gedanken.

Also trat sie der Organisation „Foodsharing“ bei, absolvierte während ihrer beruflichen Auszeit eine Hygieneschulung und ließ sich von bereits erfahrenen „Essensteilern“ in die Abläufe bei der Abholung von Lebensmitteln in kooperierenden Märkten einweisen.

Bislang fuhr sie ihre reichliche „Ausbeute“, die stets den Innenraum ihres privaten Kastenautos füllt, immer nach Renningen, wo die Initiative Herzwerk Renningen im Juni 2021 einen Lebensmittel-Verteilstandort in der Weil der Städter Straße 49a eröffnet hatte. „Meine Idee war es, auch in Leonberg einen Fairteiler aufzubauen, denn auch in einer Stadt dieser Größenordnung ist der Bedarf groß“, sagt Melanie Wolf.

Unterstützung beim Lebensmittel retten von der Citymanagerin

Doch wie das Ganze finanzieren? Auf diese Frage fand die kaufmännische Angestellte, die bei Bosch in der Personalabteilung arbeitet, schnell eine Antwort: Sie versuchte es bei ihrem Arbeitgeber. Denn mit einem Spendenprogramm „Cents für help“ unterstützt das Unternehmen zahlreiche gemeinnützige Projekte in Deutschland. Die Bosch-Mitarbeiter leisten einen gesellschaftlichen Beitrag, indem sie auf die Cent-Beträge ihres monatlichen Entgelts verzichten. Die Firma Bosch verdoppelt diesen Betrag.

Melanie Wolf reichte also ihre Bewerbung ein – und bekam einen positiven Bescheid. Für das Geld kaufte sie das Material für eine Holzhütte und einen Kühlschrank. Unterstützung für ihr Projekt, für das der Leonberger Gemeinderat sein Okay gab, bekam sie auch von der städtischen Citymanagerin Nadja Reichert Wolf. Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort und wurden am Rande des Festplatzes in der Steinstraße fündig. „Ein perfekter Ort, der genügend Parkplätze bietet und von einer Straßenlaterne beleuchtet wird.“

Mit Hilfe von Freunden hat Wolf das Holzhäuschen bereits aufgebaut. Ein Elektriker verlegte die Leitungen. „Er hat nichts dafür berechnet, und den Strom bekommen wir dann von der Stadt“, sagt Melanie Wolf und freut sich über diese breite Unterstützung.

Der Fairteiler soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen

Sie hofft, dass der öffentlich zugängliche Lebensmitteltausch- oder Verteilpunkt noch in diesem Jahr fertig wird. Dann werden Privatpersonen, Betriebe wie Supermärkte und Bäckereien, oder auch Marktbeschicker überschüssige, aber noch genießbare Lebensmittel, die sie nicht mehr brauchen oder nicht mehr verkaufen können, einfach abgeben können. Andere Menschen dürfen diese kostenlos mitnehmen – ohne Tausch oder Gegenleistung. „In der Regel gehen die Lebensmittel innerhalb kürzester Zeit weg“, berichtet Melanie Wolf aus Erfahrung.

Für den Fairteiler werden noch Helfer gesucht

Um ihren gewünschten Zeitplan einhalten zu können, ist die Initiatorin des neuen Fairteilers allerdings auf weitere Spenden angewiesen. „Es fehlt noch ein Boden, Regale, ein Putzschränkchen, ein Frostwächter und ein Zeitschaltschloss, denn nachts wird das Häuschen geschlossen sein“, sagt sie. Aus hygienischen Gründen muss das Holzhäuschen, wenn es in Betrieb geht, zudem jeden Tag geputzt werden. Für diese Aufgabe braucht die Leonbergerin ehrenamtliche Mithelfer. „An anderen Standorten klappt das prima, ein Team zusammenzustellen, viele geben auf diese Weise gerne was zurück, wenn sie Lebensmittel kostenlos mitnehmen dürfen.“ Man müsse kein Mitglied bei der Organisation Foodsharing sein, um sich einzubringen.

In der Zwischenzeit ist Melanie Wolf längst wieder beruflich stark eingespannt. Dennoch ist sie etwa einmal pro Woche mit ihrem Kastenauto unterwegs, um bei vier Betrieben, mit denen sie kooperiert, die noch guten Lebensmittel abzuholen. „Ich mag gar nicht daran denken, dass alle Lebensmittel in der Tonne gelandet wären.“ Umso größer ist ihre Vorfreude auf den neuen Fairteiler in Leonberg.

Konto eingerichtet

Spenden
Um Spenden ordnungsgemäß empfangen zu können, hat der BUND Bezirksgruppe Leonberg für Melanie Wolfs Fairteiler-Projekt ein Konto bei der Kreissparkasse Böblingen eingerichtet.

Kontonummer
Die IBAN-Nummer des Kontos lautet DE26 6035 0130 0005 7082 28. Als Empfänger müssen die Spender „BUND Bezirksgruppe Leonberg“ eingeben. Im Betreff sollte auf jeden Fall „Foodsharing“ stehen. Bei Spenden ab 100 Euro gibt es auf Wunsch eine Spendenquittung.