Christian Dack mit Noah, Liv und Mutter Christina Dack (vorn von links) sowie Kinderklinik-Chef Christian von Schnakenburg, Anja Molfenter von der sozialmedizinischen Nachsorge und Kinderkrankenschwester Melanie Röhrle (hinten von links). Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Eltern von Frühchen müssen viele Herausforderungen meistern. Damit sie mit ihren Sorgen und Problemen nicht alleine sind, hat der Verein Lebenshilfe Göppingen eine sozialmedizinische Nachsorge für den Landkreis Esslingen gegründet. Die EZ-Weihnachtsspendenaktion sammelt Spenden, um diese Arbeit zu unterstützen.

EsslingenNoah wog bei seiner Geburt 1485 Gramm, er kam rund zehn Wochen zu früh auf die Welt. Als Christina Dack, die Mutter von Noah, nach einigen Tagen wieder entlassen wurde, konnte sie ihren Sohn nicht mit nach Hause nehmen. Für die 32-Jährige sei das einer der schlimmsten Momente gewesen. Insgesamt acht Wochen blieb Noah in der Kinderklinik, vier davon auf der Intensivstation. Die Kosten für eine Nachsorge in den heimischen vier Wänden übernimmt jedoch nur in seltenen Fällen die gesetzliche Krankenkasse. Der Verein Lebenshilfe Göppingen hat deshalb den Bereich sozialmedizinische Nachsorge für den Landkreis Esslingen gegründet. Im Rahmen der EZ-Weihnachtsspendenaktion werden Spenden gesammelt, um genau diese Arbeit des Fachteams mit den Familien zu unterstützen. Kinderkrankenschwestern, Kinderärzte, Sozialpädagogen und Psychologen stehen den Eltern von chronisch und schwer kranken Kindern sowie Frühchen nach der Zeit in der Klinik mit ihrem Rat zur Seite.

Zuhause haben sich die Eltern von Noah immer gefragt: „Atmet er noch?“ Christina Dack sagt: „In der Klinik war er immer an einen Bildschirm angeschlossen, der überwacht hat, ob er noch atmet. Daheim hatten wir keinen Bildschirm.“ Der 32-Jährigen fließen Tränen übers Gesicht, als sie von der schwierigen Zeit erzählt. Auch ihr Mann findet die Unterstützung nach dem Krankenhausaufenthalt wichtig: „Zwei Faktoren spielen nach der Zeit in der Klinik eine Rolle – der medizinische und der seelische. Mit einem Frühchen sind das andere Umstände, die auf meine Frau und mich einprasseln.“

Das Team der sozialmedizinischen Nachsorge rund um die Leiterin Anja Molfenter arbeitet nach dem Modell des Bundesverbandes Bunter Kreis. Rund 30 Stunden innerhalb von insgesamt drei Monaten werden die Eltern und das Baby von dem Team kostenfrei betreut. „Es geht in dieser Zeit auch um das eigentliche Überleben, also: Wie ernährt sich das Baby, wie entwickelt es sich und was können die Eltern alles tun?“, erklärt Anja Molfenter. Die Kinderkrankenschwester betont, dass den Familien der Frühchen gerade diese allererste Lebensphase gemeinsam fehle, da sie diese Zeit zunächst auf der Intensivstation verbringen.

„Der erste Kontakt zwischen dem Nachsorge-Team und den Familien findet auf der Station statt“, sagt Molfenter. „Wir bereiten gemeinsam mit ihnen dann auch die Entlassung aus dem Krankenhaus vor.“ In der ersten Phase seien sie Ansprechpartner für Fragen rund um das Kind, danach würden sie auch beim Koordinieren der vielen Arzttermine helfen, die bei Frühchen anstehen. „ Es kommt immer darauf an, welche Diagnose für die Kinder gestellt wird, also wo noch Defizite liegen“, sagt Molfenter. Dann würden die Helfer gemeinsam mit der Familie nach den passenden Ärzten schauen. Für Familie Dack war Melanie Röhrle zuständig. Die Kinderkrankenschwester hat Noah und seine Eltern von Beginn an begleitet. „Das war ein Jackpot, weil wir keine fremde Person an der Seite hatten“, erinnert sich Christina Dack. Dieser Meinung ist auch ihr Mann und sagt: „Die qualifizierten Intensivkrankenschwestern können auch Sicherheit bieten.“

Es ist nicht das erste Kind der Familie. Liv, die große Schwester von Noah, ist zwei Jahre alt und war kein Frühchen. „Er ist zwar unser zweites Kind, aber bei einem Frühchen kommen ganz andere Fragen auf“, sagt Christina Dack. Es sei ein großes Wunder gewesen, dass sie Noah am 9. September mit nach Hause nehmen konnten. Noah habe eine Infektion gehabt, die mit Antibiotika behandelt werden musste. Ihr Sohn habe auch Hilfe beim Atmen bekommen. „Das ist eine schonende Art der Atemunterstützung“, erklärt Christian von Schnakenburg, Chefarzt der Kinderklinik. Und er ergänzt: „Für Kinder mit so kleinem Geburtsgewicht ist das Risiko für Folgeerkrankungen hoch.“ Rund 30 bis 40 Frühchen im Jahr, die unter 1500 Gramm wiegen, würden in der Klinik behandelt.

In winzigen Betten liegen die Frühchen kurz nach der Geburt – Kinder wie Noah. „Man bekommt schon viele Fragen, wie klein er ist“, sagt Christina Dack. Mittlerweile ist er gewachsen, entwickelt sich gut und wird von seiner großen Schwester im Arm gehalten. Die Familie blickt positiv in die Zukunft, auch dank der Unterstützung durch die sozialmedizinische Nachsorge.

Spenden an die EZ-Weihnachtsaktion überweist man so: Kreissparkasse Esslingen (IBAN DE38 6115 0020 0000 9020 36 und BIC ESSLDE66XXX), Baden-Württembergische Bank (IBAN DE24 6005 0101 0008 4053 53 und BIC SOLADEST600) sowie Volksbank Esslingen (IBAN DE81 6119 0110 0126 8880 00 und BIC GENODES1ESS). Außerdem per Internet unter www.gut-fuer-den-landkreis-esslingen.de/projects/74352

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