Üblicherweise eine große patriotische Party: die Konzertreihe Last Night of the Proms, hier im Jahr 2013 in der Royal Albert Hall in London Foto: AFP/CARL COURT

Zwei wegen Großbritanniens kolonialer Vergangenheit umstrittene Lieder werden nun doch beim „Last Night of the Proms“-Konzert gespielt – allerdings nur in Orchesterversionen.

London - Im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste gab es in Großbritannien heftigen Streit um die Texte zweier Stücke, die auf die koloniale Vergangenheit und die Sklaverei verweisen und traditionell beim „Last Night of the Proms“-Konzert gespielt werden. In „Rule, Britannia“ von 1740 heißt es unter anderem: „Herrsche Britannia (...) Briten werden niemals Sklaven sein.“ Zu dem Lied singen die Briten zum Finale der jährlichen Sommer-Konzertreihe kräftig mit und schwenken dabei Union-Jack-Fähnchen. Auch das Lied „Land Of Hope And Glory“ („Land der Hoffnung und des Ruhms“), das stets zum Abschluss gespielt wird, stand auf der Kippe.

Nun werden beide Stücke am 12. September doch gespielt, das teilte der Sender BBC als Veranstalter am Montagabend mit. Sie werden allerdings nur in Orchesterversionen zu hören sein. Zuvor hatte sich Premierminister Boris Johnson für die Stücke ausgesprochen . Er glaube an die „Inhalte“ und nicht an „Symbole von Problemen“, ließ er über einen Sprecher verlauten. Letztlich sei dies sei aber eine Entscheidung der BBC und der Organisatoren der „Proms“-Konzerte. Kulturminister Oliver Dowden hatte auf Twitter geschrieben: „Selbstbewusste, nach vorn schauende Nationen löschen ihre Vergangenheit nicht aus – sie fügen ihr etwas hinzu.“

Großbritannien spielte im 17. und 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle beim globalen Sklavenhandel. Im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste hatten Demonstranten unter anderem die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston in das Hafenbecken von Bristol geworfen. Er wurde über ein Jahrhundert lang verehrt, weil er einen Teil des Vermögens, das er mit dem Verkauf afrikanischer Sklaven machte, als Wohltäter in die Stadtentwicklung investierte.

Die finnische Dirigentin wurde angefeindet

Wegen der Coronavirus-Pandemie finden die Konzerte nicht live in der Royal Albert Hall statt, sie sind nur im Rundfunk zu erleben. Die diesjährige Dirigentin des Abschlusskonzerts, die Finnin Dalia Stasevska, hatte die Änderungen im Programm unterstützt und war dafür angefeindet worden. „Wir bedauern die „ungerechtfertigten persönlichen Attacken auf Dalia Stasevska (...) in sozialen Medien und anderswo“, erklärte die BBC. Man werde an den Liedern festhalten, aber das Abschlusskonzert um neue Elemente bereichern.

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