Äpfel der Sorte „Kardinal Bea“ Foto: Ruckszio - stock.adobe.com - Ruckszio - stock.adobe.com

Die Historie der Jesuiten in Neuhausen greift das Stuttgarter Bureau Baubotanik auf, um den Klimawandel zu erforschen. Mit Apfelbäumen der Sorte Kardinal Bea, die in Neuhausen gezüchtet wurden, wollen die Architekten Hannes Schwertfeger und Oliver Storz zehn Jahre lang mit Bürgerinnen und Bürgern Umwelteinflüsse erforschen. Ein baubotanischer Lehrpfad macht das möglich.

NeuhausenÄpfel der alten Sorte Kardinal Bea werden wohl schon bald wieder in Neuhausen geerntet. Hannes Schwertfeger und Oliver Storz vom Stuttgarter Bureau Baubotanik haben im Rahmen der Ausstellung „Visionäre Räume/Spaces of Difference“ des Kunstvereins Neuhausen vor der Rupert-Mayer-Kapelle einen baubotanischen Lehrpfad angelegt. Da pflanzten sie auch Bäume der Sorte, die als „Zufallssämling“ in den Gärten der Jesuiten nahe dem Horber Wald entstand.

Im Rahmen des Projekt haben die beiden Architekten und Installationskünstler in der Fildergemeinde den „ersten baubotanischen Rundweg in Baden-Württemberg“ angelegt. Schwertfeger wünscht sich, dass das Langzeitprojekt in der Natur, das bis 2029 laufen soll, auch bei Spaziergängern auf reges Interesse stößt.

Auf einem Rundgang hat der Biologe Dietmar Rothmund das besondere Projekt entdeckt. In der Fragestunde des Gemeinderats forderte er Bürgerinnen und Bürger dazu auf, „sich an der Studie aktiv zu beteiligen und sich so mit Fragen des Klimawandels zu beschäftigen.“ Ihre Beobachtungen auf dem Naturpfad dürfen Spaziergänger dem Kunstverein Neuhausen mitteilen.

Das Projekt „Novizenweg“, benannt nach dem bereits existierenden Straßenabschnitt am Ortsrand von Neuhausen, wird von einer wissenschaftlichen Untersuchung des Bureau Baubotanik aus Stuttgart begleitet. „Die Langzeituntersuchung befasst sich mit dem Wachstumsverhalten von heimischen Gehölzen unter der sich abzeichnenden Klimaveränderung“, bringt Oliver Storz das Konzept auf den Punkt. Die beiden Architekten wollen damit auch Impulse für die Kommunalpolitik geben: „Eine solche Studie bildet die Grundlage für das nachhaltige Bauen mit wachsenden Holzpflanzen.“ So hoffen sie, dass ihr Projekt Früchte trägt.

An dieser Langzeitbeobachtung können sich Spaziergänger beteiligen, indem sie ihre Beobachtungen zu Papier bringen und Notizen machen. Schwertfeger und Storz schwebt vor, dass die Neuhäuser langfristig „Veränderungen an den Bäumen und Pflanzen protokollieren.“ Die baubotanische Langzeitstudie setze nicht auf schnelle Effekte, „sondern auf Langsamkeit, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit.“ So hoffen die Gründer des Bureau Baubotanik, dass sich möglichst viele Menschen aus der Gemeinde mit den Veränderungen in der Natur auseinandersetzen. Ein ähnliches Projekt haben die beiden mit dem Theatre Of The Long Now am Inneren Nordbahnhof in Stuttgart angestoßen. Auf der Brachfläche untersuchen die beiden innovativen Stadtplaner Veränderungen in der Natur mit Performances und einem Audio-Rundgang, der 24 Stunden am Tag zugänglich ist.

Der Rundweg in Neuhausen beginnt bei der baubotanischen Installation mit Kardinal Bea Apfelbäumen im Außenbereich der ehemaligen Kapelle in der Rupert-Mayer-Straße. Er führt entlang der historischen Grenze des Jesuitenkollegs, das bis zum Ende der 60er-Jahre in Neuhausen angesiedelt war. „Da haben die Jesuiten auch botanische Studien betrieben“, erinnert Schwertfeger an die lange Tradition, in der sich die beiden Künstler bewegen möchten.

https://kvnneuhausen.com

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