Andrea und Tim Holzer haben sich in Hochdorf eine eigene ökologische Landwirtschaft samt Laden, Käserei und großem Ziegenstall aufgebaut. Den Schritt in die Selbstständigkeit als Landwirte bereuen sie nicht.
Im vergangenen November zogen Andrea und Tim Holzer mit ihren Söhnen Tobias (10) und Johannes (12) nach dreieinhalb Jahren Planung und Bau innerhalb Hochdorfs von ihrem gemieteten Wohnhaus in ihr neues eigenes Domizil um. Am Waldrand, in der Verlängerung der Friedhofstraße, hat die junge Familie ein Grundstück gekauft und sich darauf mit dem Bau eines Biohofs einen großen Traum erfüllt. Dazu zählt einerseits das Ende letzten Jahres fertig gestellte Hauptgebäude mit den Wohnräumen sowie ein Hofladen und eine eigene Käserei.
Die Holzers halten Ziegen, Rinder und Legehennen
Bereits im Dezember 2020 waren die Ziegen der Holzers in ihren als erstes gebauten großen Stall eingezogen: 73 Muttertiere finden aktuell darin Platz, von Februar an werden zwischen 120 bis 140 Jungtiere geboren. Die Holzers haben den Schritt in die Selbstständigkeit als Landwirte ohne vorherigen elterlichen Hof im Rücken gewagt.
Angefangen hat das Ehepaar 2010 zunächst im Nebenerwerb mit 13 Thüringer Wald-Ziegen und eigens hergestelltem Ziegenkäse. „Tim hatte bereits als Schüler ein paar Ziegen, das war also nichts völlig Neues für uns“, erzählt Andrea Holzer wie die Wahl auf die meckernden Vierbeiner fiel. Beruflich sind beide keine völligen Quereinsteiger: Während Andrea Holzer in Hohenheim Agrarwissenschaften studiert und dort in der Lehrmolkerei mitgearbeitet hat, ist ihr Mann ausgebildeter Landwirt und hat viele Jahre auf anderen Höfen gearbeitet.
Der Ziegenkäse wurde unter den über die Jahre erweiterten eigenen Erzeugnissen zum Steckenpferd. 2010 konnte die Familie neben dem jetzigen Hofstandort einen alten Kuhstall pachten und für ihre Ziegen umbauen. Bis Ende 2020, als die Ziegen in den nebenan neu gebauten eigenen Stall umzogen, lief die Pacht. „Auf unserem Nachbarhof wird von den Eigentümern heute nur noch Ackerbau betrieben. Als wir deren Stall gepachtet haben, fand auf dem Gelände unser extra angeschaffter Käserei-Container Platz“, berichtet Andrea Holzer, „bevor wir selbst genug Milchziegen hatten, brachte Tim zusätzlich Milch von den Höfen mit, auf denen er gearbeitet hat.“
In der neuen Hof-eigenen Käserei möchte sie ihr Sortiment dank eins Reiferaums gern um länger gereifte Sorten erweitern, sagt die Landwirtin über neue Ziele. Neben den Ziegen halten die Holzers seit 2014 zudem Hinterwälder-Rinder, von denen sie saisonal Fleisch verkaufen. Die Hinterwälder Rinder sind die kleinste Rinderrasse Deutschlands und eigentlich im Hochschwarzwald zu Hause. Die Herde ist in einem gepachteten Stall samt Weideflächen im Ortsteil Ziegelhof untergebracht. Seit 2019 ergänzen zudem 200 Legehennen den Holzer’schen Tierbestand. „Seit vielen Jahren machen wir auf unseren teils eigenen und zum Großteil gepachteten Wiesen- und Ackerflächen im Ort Heu und Stroh zum Verkauf und als Futter für unsere eigenen Tiere“, so Tim Holzer. 33 Hektar Grünland und zwei Hektar Ackerfläche bewirtschaftet die Familie.
Der Hof bietet seine Produkte auch auf Wochenmärkten an
Mit anderen regionalen Erzeugern haben sie sich ein wertvolles Netzwerk aufgebaut. So bekommt man im neu eröffneten Hofladen sowohl die eigenen Produkte, als auch weitere regionale und saisonale ihrer Kollegen. Der bisherige Automat am ehemaligen Wohnhaus in der Kirchheimer Straße 87 bleibt ebenso bestehen wie die Verkaufsstände auf den Wochenmärkten in Esslingen, Kirchheim und Nürtingen. „Man braucht auf jeden Fall mehrere Standbeine“, betont Tim Holzer. Den Hof und die Landwirtschaft für Kinder erlebbar machen möchte die Familie als neues Mitglied des Landes-Programms „Lernort Bauernhof“. In Hochdorf sind die Holzers mittlerweile die einzigen Vollerwerbslandwirte. Entgegen des verbreiteten Trends, dass immer wieder Höfe etwa mangels Nachfolgern aufgegeben werden, haben sie den Schritt gewagt und sich einen Hof als Haupterwerb aufgebaut. „Als die Vermarktung immer besser lief, haben wir entschieden, dass wir es wagen“, so Tim Holzer. Die berufliche Erfahrung habe die Entscheidung erleichtert. „Dazu ist es immer mit Mut verbunden, sich selbstständig zu machen und wahrscheinlich muss man im positiven Sinne auch etwas verrückt sein, wenn man den Schritt in der Landwirtschaft geht“, sagt Andrea Holzer. Die immensen bürokratischen Anforderungen für das Großprojekt seien ihnen zum Glück nicht bewusst gewesen, „sonst hätten wir das vielleicht nicht gemacht“, ergänzt sie und lacht. Durchhaltevermögen war etwa bis zum grünen Licht für die Baugenehmigung oder bei der Beantragung der für den Bau der Käserei und des Ziegenstalls benötigten Fördermittel gefragt. Das alles sei als kleinerer Betrieb ohne vorherigen Hof im Ort gar nicht so einfach gewesen, erzählt Tim Holzer.
Eine große Hilfe beim Projekt Biohof sei die beständige Unterstützung durch die Familie. „Die Selbstständigkeit hat den großen Vorteil, dass man sein eigener Herr ist“, findet Tim Holzer, „es ist viel wert, jetzt Wohnen und Arbeiten an einem Standort vereint zu haben.“
Schülerinnen und Schüler bis Klasse sechs lernen die Landwirtschaft kennen
Hofladen
Geöffnet hat der Hofladen auf dem Ziegenhof-Holzer, Birkenhöfe 3 in Hochdorf derzeit freitags von 14.30 Uhr bis 18.30 Uhr. www.ziegenhof-holzer.de
Lernort Bauernhof
In ganz Baden-Württemberg bieten Landwirte Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Landesprojekts „Lernort Bauernhof“ spannende Einblicke zur Herkunft, Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln. Im Landkreis Esslingen gehört nun auch der Ziegenhof-Holzer in Hochdorf zu den Lernorten. Das Angebot der Landwirtsfamilie Holzer richtet sich an die Klassenstufen 1-6. Informationen gibt es im Netz unter www.lob-bw.de.