Mit ökologischer Power: Die Kreis-Grünen schicken Andrea Lindlohr (Podium) bei der Landtagswahl 2021 ins Rennen. Foto: Roberto Bulgrin

2021 wird Baden-Württemberg an die Urnen gerufen – ein neuer Landtag wird gewählt. Die Grünen im Landkreis Esslingen setzen auf Bewährtes und schickten erneut Andrea Lindlohr als Kandidatin ins Rennen. Sie soll ihr Direktmandat im Wahlkreis Esslingen verteidigen.

Kreis Esslingen - Grüne und Plastikflaschen – das kann nicht zusammengehen. Diesen Widerspruch bekam auch Uwe Janssen zu spüren: Das Mitglied des Esslinger Kreisvorstands der Grünen wollte im Mehrgenerationenhaus in der Pliensauvorstadt Mineralwasser aus einer Plastikflasche in ein Glas befördern und verspritzte prompt einen großen Teil des Inhalts. Keine Überraschungsspritzer gab es dagegen bei der Nominierungsversammlung von Bündnis 90/Die Grünen für die baden-württembergische Landtagswahl im März 2021. Im Wahlkreis Esslingen schickt die Partei Andrea Lindlohr als Kandidatin ins Rennen. Die 1975 geborene Politikwissenschaftlerin möchte ihr Direktmandat verteidigen, und von den 33 stimmberechtigten anwesenden Mitgliedern sprachen ihr 31 bei einer Enthaltung und einer „Nein“-Stimme das Vertrauen aus. Zum Zweitkandidaten wurde Oliver Werner mit 32 der 32 abgegebenen Stimmen bestellt.

Klimaschutz und Wirtschaft

Ökonomie trifft auf Ökologie. In ihrer knapp 20-minütigen Bewerbungsrede im Vorfeld ihrer Nominierung verband Andrea Lindlohr „grüne“ Basiswerte und klassische Anliegen ihrer Partei mit handfestem, regionalem Pragmatismus. Die wirtschaftspolitische Sprecherin und Fraktionsvorsitzende ihrer Partei im Landtag möchte Klima- und Umweltschutzziele bei gleichzeitigem Augenmerk auf eine funktionierende Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik durchsetzen. Ökologie sei bereits ein großer Innovationstreiber der Wirtschaft – etwa beim ressourcensparenden Maschinenbau, bei energieeffizienten Lösungen im Handwerk und bei der Mobilität. Sie wolle sich dafür einsetzen, dass Mobilitätskonzepte ohne CO2-Emissionen in der Region Esslingen, ihrem Wahlkreis, entwickelt, gebaut und verkauft werden: „Dafür brauchen gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen und die Beschäftigten unsere Unterstützung.“ Ökologische Wirtschaft könne zur Chance für die Region werden.

Radfahrer haben Vorfahrt

Mobilität ohne Immobilität. „Mobilität ist nicht nur das Auto. Wir brauchen mehr Schiene“, waren einige der wenigen plakativen Parolen in der Rede von Andrea Lindlohr. Sie schob aber auch konkrete Inhalte nach. So möchte sich die im Rheinland Geborene für neue Radschnellverbindungen des Landes im Neckartal und auf den Fildern, für eine Stadtbahn von Esslingen nach Nellingen und die Barrierefreiheit in allen Bereichen des Lebens einsetzen. Und – ebenfalls lokal auf ihren Wahlkreis bezogen – für eine gymnasiale Oberstufe an der Gemeinschaftsschule Innenstadt in Esslingen.

Kampf für die Demokratie

Demokratie ohne Bedrohung. Der Mär von psychisch gestörten Einzeltäter bei den Gewalttaten von Halle und Hanau greift nach Ansicht der Mutter eines Kindes zu kurz: Terrorakte kämen nicht einfach so aus dem Nichts – die Vergiftung des politischen Klimas sei der Nährboden dafür: „Ich kämpfe für unsere Demokratie durch Überzeugungsarbeit im Großen und im Kleinen und auch durch klare Auseinandersetzung.“ Als Sofortmaßnahme sprach sich Andrea Lindlohr mit Blick auf die Zustände an der griechischen Grenze mit tausenden von Flüchtlingen für eine Aufnahme von zumindest 5000 unbegleiteten Kindern und Jugendlichen in Deutschland auf. Sie meinte aber auch, dass die Bundesrepublik die Flüchtlingsproblematik nicht alleine für die Europäische Union lösen könne.

Wohnungsbau geht vor

Eine Nachfrage aus dem Plenum wurde ausführlich beantwortet: Ob die Ausweisung von neuen Flächen für Gewerbe- und Wohnbaugebiete nicht mit Klimaneutralität verbunden werden sollte? Die Koppelung sei schwierig, so Andreas Lindlohr, denn es gehe auch um preiswerten Wohnraum. Hier seien die Kommunen und das Land gefragt, um die Flächen vor preistreibenden Investoren zu schützen.

Ersatzkandidat Oliver Werner

Ersatzkandidat Oliver Werner trug sein politisches Manifest schon am Leibe – einen knallgrünen Schal. Der 36-jährige, technisch orientierte Diplom-Kaufmann aus Ostfildern-Scharnhausen, seit 2000 wegen des „Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedankens“ Mitglied bei den „Grünen“, sprach die Veränderungen der Zukunft an – Digitalisierung, 3D-Druck, autonomes Fahren, Agrar-, Verkehrs- und Energiewende. Die Entwicklungen und ihre sozialen Folgen gelte es, zu begleiten und zu fördern. Zumal der Klimawandel komme und nicht verhandelbar sei: „Die Zukunft kann man am besten voraussagen, indem man sie selbst gestaltet.“

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