Foto: Katja Eisenhardt - Katja Eisenhardt

Der Esslinger Landrat Heinz Eininger hat zusammen mit Lichtenwalds Bürgermeister Ferdinand Rentschler und 25 Kreisräten 100 neue Bäume im Wald gepflanzt.

LichtenwaldDer Klimawandel macht den Wäldern sehr zu schaffen. Lange Trockenperioden verbunden mit großer Hitze, Stürme und verstärkt auch der Befall durch Borkenkäfer sorgen für kahle Flächen. Landauf, landab kämpfen die Förster um den Waldbestand, so auch im Landkreis Esslingen. Im bevölkerungsreichsten Landkreis Baden-Württembergs macht der Wald fast 30 Prozent der Landkreisfläche aus, die rund 640 Quadratkilometer umfasst. Am gestrigen Tag der Deutschen Einheit machten sich Landrat Heinz Eininger, Lichtenwalds Bürgermeister Ferdinand Rentschler und 25 Kreisräte auf den Weg in Distrikt 7 des Lichtenwalder Forstreviers, um dort 100 neue Deutsche Eichen zu pflanzen. Ein Beitrag zur landesweiten Pflanzaktion „Mein Baum fürs Land“, die gestern im Zusammenhang mit der bundesweiten Aktion „Einheitsbuddeln“ in Baden-Württembergs Wäldern stattfand.

„100 Eichen deshalb, weil wir 98 Kreisräte haben, dazu kommen heute Bürgermeister Rentschler und ich“, erklärte Landrat Heinz Eininger. Auf der Kahlfläche im Staatswald bei Lichtenwald standen zuvor Fichten, die durch den Borkenkäfer zerstört wurden. „Der Käferbefall war in diesem Sommer bundesweit ein großes Problem, er gehört zu den deutlich sichtbaren Auswirkungen der großen Trockenheit des letzten Jahres“, erklärte Revierförster Joachim Schweitzer. „Der Wald leidet, die Auswirkungen des Klimawandels werden deutlich sichtbar“, betonte auch Landrat Heinz Eininger. Umso dringlicher sei es, aktiv etwas gegen das Waldsterben zu tun. Eine Studie der ETH Zürich zeige, dass das wirksamste Mittel gegen die Erderwärmung mehr Wald sei. Dazu gehöre der Erhalt ebenso wie die Weiterentwicklung der bestehenden Wälder. „Neben ihrer Erholungsfunktion für jedermann sind sie zugleich Naturraum, Speicher für Wasser und CO2 und, nicht zu vergessen, ein wichtiger Wirtschaftsraum, in dem der nachwachsende Rohstoff Holz umweltfreundlich produziert wird“, so der Landrat.

Die Zukunft heißt Mischwald

Dass die Wahl bei den Neupflanzungen auf die Eiche fiel, hat gute Gründe, wie Joachim Schweitzer erläuterte: Die Fichten, die hier vorher standen und gut 60 Jahre alt waren, seien klimalabil. Stürme, Trockenheit und der Borkenkäferbefall hätten ihnen sehr zugesetzt. „Die Eiche kann mit Wärme und Trockenheit deutlich besser umgehen, ist insgesamt resistenter und stabiler, allein schon ihre Rinde. Zudem wurzelt sie sehr tief und kann auch schwere Böden durchdringen. Somit erreicht die Eiche das Grundwasser besser als andere Baumarten und wird so auch in Trockenperioden besser versorgt.“ Auf dem Schurwald habe man den großen Vorteil, dass bereits ein Mischwald vorhanden sei. In diese Richtung werde es in Zukunft gehen, so Schweitzer. Auf der Fläche, auf der nun die Eichen gepflanzt wurden, stehen zudem Douglasien und Weißtannen. „Es ist auch noch ein Restbestand Fichten vorhanden, die müssen wir noch fällen. Aktuell macht das keinen Sinn, der Holzmarkt ist mit Fichten übersättigt, der Holzpreis entsprechend im Keller.“ Eichen seien schon immer gepflanzt worden, „das nimmt jetzt aber zu, allein schon, weil mehr Freiflächen zur Verfügung sind“, berichtete der Revierförster. Nadelholz werde aber weiterhin ebenso benötigt: „Wir brauchen Bauholz. Aus einer Buche beispielsweise können Sie keine Dachbalken machen“, erklärte Joachim Schweitzer die Notwendigkeit einer guten Durchmischung des Baumbestands.

Bei den Eichenpflanzungen wurde jetzt explizit darauf geachtet, kleinere Pflanzen mit langen Wurzeln zu nehmen. „Sie sind noch alles andere als stattlich. Bei Pflanzen mit längeren Wurzeln ist die Wasserversorgung anfangs aber besser, was das Anwachsen erleichtert und ein frühes Austrocknen und Absterben verhindert“, so Schweitzer. Das Motto laute also „back to the roots“ - zurück zu den Wurzeln. Die ersten drei Jahre seien für die Neupflanzungen jetzt entscheidend. Mit einem Schutz werden die kleinen Pflänzchen zudem vor dem Verbiss durch Wild gesichert. Gerade Rehe hätten es sonst auf die in der Pflanzschule gedüngten Sämlinge abgesehen: „Durch den Dünger schmecken sie anders als die Natur-Sämlinge. Für Rehe sind sie so geschmacklich besonders attraktiv“, erklärte Joachim Schweitzer die Vorsichtsmaßnahme. Zeitgleich wirke der Verbissschutz wie ein Gewächshaus, in dem der Baum schneller wachse.

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