Der Plan geht auf: Rudi Völler und Hannes Wolf freuen sich über den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft. Foto: IMAGO/Avanti//

Es wirkt fast schon nostalgisch. Die deutsche Nationalelf hat beim Sieg gegen Frankreich alte Stärken gezeigt. Das ist noch keine endgültig Wende, sondern nur die Basis für weitere Erfolge, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.

„Es gibt nur ein Rudi Völler!“ Das ist der Klassiker, den die Fußballfans intonieren, wenn der mittlerweile in Ehren ergraute Ex-Stürmer auf den Stadionrängen gefeiert wird. Seit Jahrzehnten. In Dortmund war der Hit wieder zu hören. Weil in der Begegnung mit Frankreich schnell klar war, dass da eine andere deutsche Nationalelf auf dem Platz stand als wenige Tage zuvor gegen Japan.

Dem 1:4 von Wolfsburg folgte das 2:1 von Dortmund. Eine endgültige Wende ist das noch nicht. Und natürlich taucht bei der Suche nach den Gründen für den unerwarteten Erfolg gegen den Vizeweltmeister der sogenannte Völler-Effekt auf. Schließlich hat die Aura des 63-jährigen Volkstribun auch auf die aktuelle Spielergeneration gewirkt.

Doch Völler selbst weiß, dass es mehr braucht als einen Stimmungsumschwung im Vorzeigeteam des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), um in neun Monaten hoffnungsvoll in die Heim-EM zu starten. Deshalb betonte er nach dem Sieg mehrfach, dass er nur einen Abend als Interimsteamchef zur Verfügung gestanden habe. Ab sofort will er wieder Interimssportdirektor sein – und den passenden Bundestrainer suchen.

Mit den beiden DFB-Trainern Hannes Wolf und Sandro Wagner hat Völler zunächst jedoch eine wichtige Erkenntnis zu Tage gefördert: Es steckt mehr in der Nationalmannschaft, als sie zuvor unter dem geschassten Hansi Flick gezeigt hat. Wie von einer Last befreit, trat sie auf – und kam mit letztlich einfachen Mitteln zum Erfolg.

Das Spiel war wieder ein Mannschaftsspiel, da die Nationalspieler um die beiden Torschützen Thomas Müller und Leroy Sané bereit waren, zu kämpfen und zu laufen. Sie unterstützten sich gegenseitig gegen die französischen Dribbelkünstler. Die Mannschaftsteile blieben zudem in Druckphasen kompakt.

Man ist fast geneigt, von der Rückbesinnung auf die deutschen Tugenden zu sprechen. Flick hat sie in den vergangenen Monaten nach dem WM-Debakel in Katar immer wieder eingefordert – die Einsatzbereitschaft, die Leidenschaft und die defensive Stabilität. Völler hat die Basiselemente nun hervorgebracht. Jedenfalls für ein Spiel.