Für ihre Arbeiten lässt Foto: Petra Weber-Obrock - Petra Weber-Obrock

Wie vielfältig die regionale Kunstszene ist, ist noch bis zum 15. Dezember im Alten Rathaus beim 34. Kunstmarkt zu sehen.

EsslingenOb gegenständlich oder abstrakt, expressiv oder poetisch – noch bis zum 15. Dezember steht das Alte Rathaus ganz im Zeichen der regionalen Kunst. Nicht nur wegen der bunten Vielfalt lohnt es sich, den 34. Kunstmarkt zu besuchen, den in diesem Jahr Erika Benitzky, Christa Hammel, Galina Krause, Ernst Kronawitter, Hans-Dieter Laudin, Monika Jansen, Andrea Menze, Uli Mundsinger, Gisi Neumann, Gisela Rosenberger, Karina Stängle, Christine Mir-Vesely, Sergio Vesely und Uschi Wiese bespielen. Ihre Werke sind für die Künstler Ausdruck ihrer Inspiration und Herzensprojekt zugleich. Seit zwei Jahren organisiert der Airbrush-Designer Hans-Dieter Laudin den Markt und führt damit das Lebenswerk der verstorbenen Sigrid Häntsch weiter. „Unsere Besucher sind fasziniert von den vielen Stilrichtungen und Techniken, die hier präsentiert werden“, berichtet er. Gerne kämen sie mit den Künstlern ins Gespräch über ihre Arbeiten. Dass der Weihnachtsmarkt viele Interessierte von auswärts in die Schickhardthalle führt, ist ein positiver Nebeneffekt. Laudins eigene Bilder zeigen sich in diesem Jahr von der Tiefe des Universums inspiriert, vor dessen dunkler Fläche sich schwebend Planeten und ihre Umlaufbahnen abheben. Zwei Teilnehmerinnen sind in diesem Jahr neu mit dabei. „Ich bin ein alter Hase der Malerei“, sagt Gisela Rosenberger, die aus Leonberg stammt und in der Pliensauvorstadt ein Atelier bezogen hat. Sie zeigt vorwiegend Gemälde mit leuchtend farbigen Strukturen, die wie eine ungegenständliche Interpretation des Impressionismus wirken.

Die zweite Newcomerin ist Monika Jansen. Ihre Arbeiten zeigen Dialoge klarer Flächen in expressiver Farbigkeit. „Das sind Bilder aus dem Inneren meiner Seele, inspiriert von der Natur und meinem Garten“, sagt sie. Andrea Menze verabschiedet sich mit ihrer kleinen Ausstellung haptisch wirkender Collagen in diesem Jahr zwar vom Kunstmarkt, aber nicht aus Esslingen. Kunstinteressierte können ihre Werke in ihrer Boutique „Paulette“ am Postmichelbrunnen weiterhin bewundern. Erika Benitzkys Arbeiten unterscheiden sich durch die aufwändige Wachsreservetechnik von den Werken der anderen Künstler. Motive wie Sternzeichen, Eulen oder Lebensbäume bergen bei ihr immer einen tiefsinnig poetischen Anspruch. Die Natur und die Musik stehen Pate für die Arbeiten Uschi Wieses. Oft dient ihr das Schneckenhaus als Symbol der Ewigkeit als Inspirationsquelle. Auch bindet sie gern Notenblätter in ihre Oberflächen ein. „Die Musik verbindet Welten“, sagt sie. Ernst Kronawitter beobachtet sie von seinem Standort gegenüber mit einem Lächeln im Gesicht. Mit seinen 85 Jahren ist er zwar der älteste Teilnehmer des Kunstmarkts, aber noch lange nicht müde. Seine farbintensiven Bilder auf Holzgrund und seine figürlichen Stelen beeindrucken nicht nur die Stammkundschaft. Neben ihm präsentiert Günther Bechler die Arbeiten seiner Partnerin Christa Hammel. Große archetypische Kreise, dargeboten oft in Schwarz und Rot mit goldenen Einsprengseln, kennzeichnen ihre ungegenständliche Kunst.

Ganz anders wirken die Werke Galina Krauses. „Ich bin klassische russische Schule“, sagt sie. Die Oberflächen ihrer schönen Stadtansichten sehen aus wie regengetränkt, transparent und vieldeutig. Früchtestilleben, Figurenzeichnungen und Landschaften verraten ihre klassische Inspiration. Einen Kontrast dazu bildet das Werk Karina Stängles, das in diesem Jahr unter anderem von der Farbfeldmalerei Mark Rothkos beeinflusst scheint. Blaue und schwarze Flächen auf weißem Grund, gestaltet mit Binder und Pigmenten, treten in spannenden Dialog miteinander. Gleich nebenan zeigt Uli Mundsinger seine schönen Landschaften und Stillleben in Aquarelltechnik. Gisi Neumanns Werke sind oft von hintereinander gestaffelten Gesichtern in klarer Farbigkeit geprägt. Auch Blumen, Früchte und Ansichten aus der Natur prägen ihre Motivwahl. Ganz sinnlich kommen im Malprozess mit Pastellkreide ihre Finger zum Einsatz. „Nächste Woche demonstriere ich hier, wie ich arbeite“, kündigt sie an. Der Stand von Christine Mir-Vesely am Eingang wirkt wie ein leuchtend bunter flimmernder Farbfleck und ist damit selbst ein Kunstwerk. Sie präsentiert fließend fallende, selbst gefärbte Kleidungsstücke vorwiegend aus Seide, Wolle und Viskose.

Der Kunstmarkt im Alten Rathaus ist noch bis zum 15. Dezember geöffnet. Montag bis Freitag von 13 bis 19 Uhr. Samstag und Sonntag von 11 bis 19 Uhr.

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