Bei einer Demonstration am Tag der Arbeit, die nichts mit dem DGB zu tun hatte, wurden Polizisten angegriffen. Foto: Lg/Christoph Schmidt

Die Polizei wird in Stuttgart bei einer Demonstration am 1. Mai mit Pfefferspray und mit Nägeln gespickten Latten attackiert. Eine DGB-Veranstaltung verläuft dagegen ruhig.

Plötzlich ähnelte die Tübinger Straße einem Kampfgebiet. Berittene Polizisten drängten Demonstranten zurück, die Polizei agierte in voller Montur. Die 1. Mai-Demos in Stuttgart sind wie im vergangenen Jahr von Ausschreitungen überschattet worden.

Laut Polizeisprecher Thomas Ulmer vermummten sich mehrere Dutzend Teilnehmende an der Einmündung zur Tübinger Straße und zogen Transparente aus den Taschen. Die waren sehr groß, weshalb sie laut Polizei gegen die Versammlungsauflage verstoßen haben. Deshalb wurde die Gruppe gestoppt, um die Personalien festzuhalten. Daraufhin wurden die Beamten, nach Polizeiaussagen, aus der Gruppe heraus mit Pfefferspray und mit Latten attackiert, die mit Nägeln und Schrauben bestückt waren.

In diesem Video ist zu sehen, wie die Polizei und Demonstranten aneinandergeraten:

In der Folge setzte die Polizei ihrerseits Pfefferspray ein. Hinzugerufen wurden eine Einheit der berittenen Polizei und eine Hundestaffel. Zunächst gab es von der Polizei keine Angaben über eventuell verletzte Personen.

In den Hintergrund gedrängt wurden deshalb die inhaltlichen DGB-Ansagen und Positionen, wie sie zu Beginn der Veranstaltung noch lautstark verkündet worden waren. Sie wurden später von einer zweiten Demonstration mit dem Thema „1. Mai – Gegen Sozialabbau und für eine solidarische Gesellschaft“ in den Schatten gestellt. Es sei von einem „Stuttgarter Bündnis revolutionärer Organisationen in Stuttgart“ angemeldet worden. Im Zuge dieser Demo kam es auf dem Weg zum Marienplatz schließlich zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Rund 3000 Teilnehmer

Zuvor stellte sich eher die Frage: Hat der Tag der Arbeit an Bedeutung verloren? Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Sektion Region Stuttgart wählte für dieses Jahr den Marktplatz als zentralen Versammlungsort. Die Verantwortlichen versuchten so der Kundgebung zum 1. Mai ein neues Format zu geben, um so gegen einen offenbar wachsenden Bedeutungsverlust anzukämpfen. Vergeblich, denn zur Schlusskundgebung war der Marktplatz nahezu leer. Nur vor der Bühne zeigten sich noch einige wenige „Aufrechte“. Dabei sah es zum Start gegen 10.30 Uhr noch sehr gut aus für den Veranstalter. Rund 3000 Teilnehmende sorgten für ein buntes Bild vieler verschiedener Gruppen mit einem Meer von Fahnen. Eine durchaus kapitale Kulisse für die Auftaktkundgebung.

Dass der Schein trügen könnte, deutet sich aber auf dem Demozug durch die City an, der „aus Sicherheitsgründen“, so der Veranstalter, verkürzt worden war. Hier waren nur Gruppen zu hören, die keine Gewerkschaftsthemen auf ihrer Agenda hatten. Und diese Gruppierungen, und nicht der DGB, hatten auch den Lautsprecherwagen gebucht. Jetzt bestimmten unter anderem aggressive Antifa- und „Free Palestine“-Parolen das Feld.