Eine Andacht mit geistlicher Chormusik setzte in der Stadtkirche den Schlusspunkt. Foto: Roberto Bulgrin

Esslingen hat für viele Menschen lettischer Herkunft eine besondere Bedeutung. Der Kulturverein Saime erinnert an die Tradition der Sängerfeste.

In den Nachkriegsjahren lebten etwa 7000 Menschen lettischer Herkunft als „Displaced Persons“ in Esslingen. Sie waren in Kriegszeiten nach Deutschland verschleppt worden und blieben zunächst. Rasch entstanden damals eigene gesellschaftliche Strukturen. Auch das kulturelle Leben war im Exil sehr lebendig. Höhepunkt war ein großes Sängerfest, das 1947 in Esslingen gefeiert wurde. In Erinnerung daran hat der lettische Kulturverein Saime 2022 erneut zu einem Sänger- und Tanzfest nach Esslingen eingeladen. Daran erinnert der Verein am Montag, 10. November, ab 18.30 Uhr mit einem Vortrag im Kommunales Kino Esslingen.

In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und dem Koki spricht Signe Pujate, die Direktorin des lettischen nationalen Kulturzentrums, über „Das lettische Gesang- und Tanzfest als Phänomen und Unesco-Weltkulturerbe“. Dieses Fest, das alle fünf Jahre stattfindet, knüpft an eine fast zwei Jahrhunderte alte Tradition an und ist Höhepunkt des lettischen Kulturlebens. „Das Fest ist ein einzigartiges kulturelles Phänomen und ein wesentlicher Bestandteil der lettischen Identität und Einheit“, sagt Laura Putane, die Vorsitzende des lettischen Kulturvereins Saime.

Lettische Identität bewahren

In ihren Trachten zogen die Mitwirkenden des Sängerfests 2022 durch Esslingen. Foto: Roberto Bulgrin

Saime wurde 2015 gegründet und vereint die im Großraum Stuttgart lebenden Letten. „Unser Ziel ist es, die lettische Identität durch Sprache, Traditionen, Nationalfeiertage und Jahrestage weiter zu pflegen und zu bewahren“, erklärt Laura Putaane. „Der jüngeren Generation und den Familien, in denen die lettischen Werte und das Bewusstsein der Verbundenheit weitergegeben werden sollen, wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt.“

Im Vortrag soll das Publikum bei freiem Eintritt unter anderem erfahren, ob es stimmt, dass Lettland ein singendes Land sei, und ob das Talent zum Singen und Tanzen jeder Lettin und jedem Letten in die Wiege gelegt werde. Auch die prachtvollen Trachten aus unterschiedlichen Regionen Lettlands werden an diesem Abend präsentiert. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, auch in eigener Volkstracht zu erscheinen.

Ein oscarprämierter Film in Esslingen

Der lettische Animationsfilm „Flow“ erzählt vom Miteinander und davon, wie eine Gemeinschaft gelingen kann. Foto: Naturvision/Janus Films

Nach dem Vortrag können die Besucherinnen und Besucher ab 20.25 Uhr den mehrfach international preisgekrönten lettischen Film „Flow“ im Kommunalen Kino anschauen. Er wurde mit dem Europäischen Filmpreis, dem Golden Globe und einem Oscar ausgezeichnet. „Ein atemberaubend schön und liebevoll gestalteter Animationsfilm über das Miteinander und eine gelingende Gemeinschaft“, verrät Laura Putane. Der Eintritt zum Film kostet 10 Euro.