„Colorquantum“ präsentiert sich als Ort der Kunst und der Literatur. Karmen Kozar und Daniela Wirth stellen ihre Bilder aus. EZ-Chefredakteur Johannes Maria Fischer liest aus „...und manchmal platzt der Kragen“.

Esslingen - Seit Herbst 2020 füllt die Esslinger Malerin Karmen Kozar eine Etage in einem Esslinger Fabrikgebäude in der Mettinger Straße mit neuem Leben. Am Samstag hatte sie zusammen mit ihrer Atelierpartnerin Daniela Wirth zu einer exklusiven Vernissage in das Studio „Colorquantum“ geladen. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Kunst, der Musik mit der Gruppe „Kwadi & friends“ und der Literatur. EZ-Chefredakteur Johannes Maria Fischer las vorab Ausschnitte aus seiner Biografie des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, die Mitte nächster Woche im Leipziger Verlag „edition überland“ erscheint.

Alles scheint möglich

Alles scheint möglich in der imposanten Raumflucht der Kunsthalle. Lichtdurchflutet, mit Ausblick auf die Weinberge, sind die Räume ein Traum für alle Kulturschaffenden. Coronabedingt war nur eine überschaubare Schar Gäste eingeladen, doch ab Montag werden sich die Pforten für alle Kunstinteressierten öffnen. Die Arbeiten der beiden Künstlerinnen wirken an den weißen Wänden wie leuchtende Durchblicke. „Ich würde Esslingen gerne zum Wackeln bringen“, sagt Daniela Wirth tatendurstig. „Die Kulturszene scheint zu schlafen.“ Ihre ästhetisch schönen Bilder bewahren eine narrative Ebene. In fragilen Selbstporträts geht sie sich selbst auf die Spur oder nähert sich Antihelden wie der Person des Joker aus den Batman-Filmen an. „Er ist ein Schurke und Serienkiller, aber sein Herz ist voller Liebe.“ Ihre Farben, darunter ein tiefes leuchtendes Blau, werden mit Hilfe von Marmormehl und Rost auf einen Grund gebracht, der haptische Qualitäten entwickelt und an poröse Wände erinnert.

Malerei und Literatur

Karmen Kozar studiert im vierten Jahr in der Meisterklasse des exzentrischen „Malerfürsten“ Markus Lüpertz. Ihre Bilder zeigten früher gegenständliche Anklänge zum Beispiel in Form von Akten in eleganter Linienführung oder wirbelnden Blumen. Heute erinnern sie an Landschaften, sind aber viel mehr. „Mein Herz schlägt für die Farbe“, sagt die Malerin und bringt in subtilen Zwischentönen Stimmungen und Seelenzustände zum Ausdruck. Das Bild „Morgenwonne“ etwa entstand in einem Urlaub, löste sich dann aber ganz von diesem Anlass. „Der Betrachter hat die Freiheit, meine Arbeiten für sich zu deuten. Jeder sieht etwas anderes darin.“ Sie arbeitet sehr lange an ihren Bildern und diese in ihr. „Durch Lüpertz habe ich gelernt, zu entscheiden, wann sie vollendet sind.“ Karmen Kozar schuf auch das Cover für Johannes Maria Fischers Biografie von Bodo Ramelow „. . . und manchmal platzt der Kragen“. Es zeigt den streitbaren Ministerpräsidenten von Thüringen vor dem Brandenburger Tor, was durchaus symbolisch zu verstehen ist. Johannes Maria Fischer hat sich unter anderem als Journalist und Chefredakteur für verschiedene ostdeutsche Zeitungen sowie als Autor und Dozent einen Namen gemacht. Locker, mitreißend, mal langsam, mal schnell las Fischer Passagen aus seinem Manuskript, das Ramelow in den unterschiedlichsten Facetten darstellt.

Plastische Darstellung historischer Ereignisse

Die Textstelle, in der die Abgeordnete Susanne Hennig-Wellsow im Frühjahr 2020 dem mit den Stimmen der AfD an die Macht gekommenen Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich einen Blumenstrauß vor die Füße wirft, ist so plastisch erzählt, dass man sich in den thüringischen Landtag hineinversetzt fühlt. Fischers Buch wirft Fragen auf, die weit über Ramelows Lebensgeschichte hinausgehen. Beispielsweise nach dem Agieren der Treuhand bei der Übernahme volkseigener Betriebe der DDR und den Hintergründen des Nationalsozialistischen Untergrunds NSU.

Das Colorquantum will mehr

Dass sich Literatur und Kunst im Colorquantum treffen, ist kein Zufall. Zusammen mit ihrer dritten Mitstreiterin, der Kunst- und Gestalttherapeutin Jasmin Weng, planen Karmen Kozar und Daniela Wirth ihr Atelier mehr und mehr zu öffnen.

Ausstellung und Lesung

Ausstellung
Die Ausstellung im Colorquantum, Mettinger Str. 103-105 in Esslingen, ist von Montag, 26. Juli, bis Sonntag, 1. August, von 17 Uhr bis 21 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

Lesung
Am Dienstag, 27. Juli, um 19.30 Uhr liest Johannes Maria Fischer aus „…und manchmal platzt der Kragen“. Die Premiere findet im Kulturzentrum Dieselstraße, Dieselstraße 26 in Esslingen, statt. Der Eintritt ist frei. Anmeldung: www.dieselstrasse.de

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