Zum 50-Jahr-Jubiläum läuft der Horrorklassiker noch einmal auf der großen Leinwand. Die Wiederaufführung in Böblingen zeigt: Der Film ist so erschreckend wie eh und je.
Nervös nestelnde Hände greifen in die Popcorntüte. Mist! Das Zeugs bleibt an den schweißnassen Finger kleben. Aber das ist jetzt egal, denn der Meeresbiologe Hooper (Richard Dreyfuss) ist gerade dabei, zu einem gesunkenen Fischerboot hinunterzutauchen. Im Rumpf klafft ein riesiges Loch. In den zerfetzten Holzplanken klemmt ein Haifischzahn. Als Hooper danach greift, taucht plötzlich eine weißbleiche Wasserleiche vor ihm auf. „Iiiieeeeh!“ Ein Schrei erklingt aus der hinteren Reihe – gefolgt von einem Lachen, weil man sich so erschreckt hat. Die Szene zeigt: „Der weiße Hai“ schockt auch noch nach 50 Jahren.
So lange ist es her, seit Steven Spielbergs Horrorklassiker ins Kino kam. Damals, im Jahr 1975, war „Jaws“, wie der Streifen im Original heißt, der erste Hollywood-Blockbuster der Filmgeschichte. An diesem Montagabend im Böblinger Bärenkino ist die Zuschauermenge eher überschaubar. Rund ein Dutzend überwiegend älterer Filmfans hat sich in dem kleinen Saal eingefunden, um den Kultfilm im englischen Original und digital überarbeitet zu sehen.
Den Kultfilm das erste Mal auf der großen Leinwand sehen
Einer davon ist Gerhard Lang aus Gärtringen. Wie oft er den Film schon gesehen hat? So genau weiß er das nicht mehr. „Im Laufe der Zeit waren es wahrscheinlich schon so fünf bis sechs Mal“, vermutet der 60-Jährige. Als „Der weiße Hai“ ins Kino kam, war er zehn Jahre alt. „Damals war ich noch zu jung. Der war ja ab 16“, erzählt er. Gereizt habe ihn die Aussicht, den Film erstmals auf der großen Leinwand zu sehen und dann auch noch einige der berühmten Filmzitate im Original zu hören – darunter Roy Scheiders Ausspruch „You’re gonna need a bigger boat“ („Du wirst ein größeres Boot brauchen“), als er im Film den Hai zum ersten Mal in voller Größe vor sich sieht.
Für Gerhard Lang war die Wiederaufführung auch ein willkommener Anlass, mal wieder gemeinsam mit seiner Frau ins Kino zu gehen. „In Zeiten von Streaming kommt man da ja nicht mehr so oft dazu“, sagt er. Genau deshalb finde er es auch gut, wenn Filmklassiker wie „Der weiße Hai“ noch einmal auf der großen Leinwand gezeigt werden. „Da spielt für mich auch viel Nostalgie mit hinein“, sagt er.
Zwei Reihen weiter hinten sitzt ein Pärchen, das extra aus Reutlingen nach Böblingen hergefahren ist, um diese Vorführung zu sehen. „Der weiße Hai“ sei neben „Halloween“ sein Lieblingsfilm, sagt der Mann. „Er ist ein großer Horrorfilm-Fan“, sagt die Frau an seiner Seite. So wie wohl viele hier im Saal weiß er eine Menge über die Geschichte des Films – zum Beispiel, dass das mechanische Haimodell namens „Bruce“ beim Dreh ständig Probleme machte (weshalb man den Hai auch erst nach gut einer Stunde das erste Mal sieht) oder dass der damals 27-jährige Steven Spielberg fürchtete, man werde ihn nach diesem vermeintlichen Riesen-Flop nie wieder einen Film drehen lassen.
Kinofan: „Horrorfilme sind wie Achterbahnfahren.“
„Zum ersten Mal gesehen habe ich ihn 1979. Damals war ich neun“, grinst der Reutlinger Kinogänger. Nachhaltig traumatisiert hat ihn das offenbar nicht. „Ich würde eher sagen, ich bin auf den Geschmack gekommen“, sagt der Horrorfilmfan und vergleicht das Erlebnis mit einer Achterbahnfahrt – „... nur, dass das Stück, wo’s runter geht, anderthalb Stunden dauert.“
Dann wird es dunkel im Saal und schon bald sieht man auf der Leinwand aus der Haiperspektive die nackten Beine einer Schwimmerin, während das düstere Zwei-Ton-Thema von Filmkomponist John Williams den Fans wohlige Gruselschauer den Rücken herunterlaufen lässt – genau wie auf einer Achterbahn.
Deutsche Vorstellung
Termin
Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums zeigen die Böblinger Kinos „Der weiße Hai“ in mehreren Sondervorstellungen. Zuletzt gab es am Mittwoch ein gut besuchtes Open-Air-Kino am Oberen See. Am Mittwoch, 20. August, um 19:45 Uhr läuft der Film noch einmal drinnen und auf Deutsch.