„Saturday Night Fever“ begeistert immer noch das Publikum. Das „Kult-Musical“ ist bis Sonntag in der Stuttgarter Liederhalle zu sehen.
Da hat Stuttgart bei einer Musical-Premiere endlich mal nicht das Nachsehen – und dann das: Durch einen internen Kommunikationsfehler hat sich die Anlieferung der Technik um drei Stunden verzögert. Somit beginnt die Tour der Showslot-Produktion von „Saturday Night Fever“ durch neun Städte nicht wie geplant um 18.30 Uhr, aber immerhin nach einem Getränk aufs Haus gerade noch rechtzeitig zur besten Primetime.
Zur Erinnerung: Der Film machte 1977 John Travolta zum Weltstar und spielt in einer Zeit, „als man Kassetten zurückspulte und das Telefon noch ein Kabel hatte“, erzählt eine Stimme aus dem Off. Es geht um den 19-Jährigen Italoamerikaner Tony, der mit seinem Job in einem New Yorker Farbenladen eher schlecht über die Runden kommt, aber samstagnachts in der Disco 2001 Odyssey seinen großen Auftritt hat. Dessen Darsteller Alexander Auler ist auch im Hegelsaal der Größte und überragt die meisten Ensemblemitglieder um einen Kopf.
Zwei Dinge aber muss man trotz der guten Gesangs- und Tanzeinlagen sagen: Er singt wie auch die anderen die Hits der Bee Gees nicht wie gewohnt im Falsett. Zudem wird auf den stilprägenden Solotanz von John Travolta zu „You shoud be dancing“ verzichtet, beziehungsweise setzt ihn der Regisseur und Choreograf Christopher Tölle mehr als Gruppenszene um.
Beides wohl aus guten Gründen, da es immer besser ist, statt schlechte Schablonen von Ikonen zu machen, lieber gute eigene Formen zu finden. Das gelingt insgesamt, zumal sich Tonys neu eroberte Tanzpartnerin Stephanie, gespielt von Shania Ochsner, im Laufe des Abends auch als sehr gute Sängerin entpuppt. Da tut es einem schon um die abgewiesene Annette (Marije Louise Malipaard) leid, die eigentlich am besten bei Stimme ist, wie sie in einer ergreifenden Version von „If I can’t have you“ aus ihrer Seele herauspresst. Die tragische Figur Bobby C bekommt in Persona von Christian Bock für die hineingemogelte „Tragedy“-Interpretation fast ebenso viel Applaus. Auch nicht schlecht: der aus vielen Privatfernsehformaten bekannte Joey Heindle als DJ Monty, der im Film gar keine so große Rolle spielt.
Wenn man von einigen weggelassenen Dialogen, die man heute wohl eher mit Warnhinweisen zu „diskriminierender Sprache“ versehen würde, mal absieht, ist die Geschichte des Musicals zum Film, das es auch schon seit 1998 gibt, relativ werkgetreu auf die Bühne gebracht. Kleine Kulissenschiebereien zwischen Brooklyn-Bridge-Fragmenten, Küchenszenen in Tonys Elternhaus und dem Dancefloor im 2001 Odyssey erledigen die Darsteller scheinbar mühelos selbst. Die unsichtbare Band macht einen guten Job. Überhaupt ist die musikalische Adaption mit dem auch melancholisch interpretierten Leitmotiv „Life goin‘ nowhere, somebody help me“ aus „Stayin‘ Alive“ spannend zu verfolgen bis zum großen Finale mit „How deep is your love“, das sich vom Duett zum Ensemblestück steigert. Vermutlich ist das alles noch stringenter, wenn auch der Anfang dann erst gut getimt ist.
Saturday Night Fever Weitere Vorstellungen noch bis Sonntag, 7. September, KKL-Hegelsaal