Mitarbeiter demonstrieren vor dem Hotel für ihre Arbeitsplätze. Foto: Ines Rudel

In der Einigungsstelle wird die Verlagerung der Fertigung von Eberspächer von Esslingen nach Polen nach zäher Diskussion bestätigt.

Esslingen - Zukunft für Esslingen“, forderten die roten T-Shirts der etwa 100 Männer und Frauen vor dem Pullman-Hotel in Stuttgart-Vaihingen – das E in Esslingen geschwungen wie das Logo der Firma Eberspächer, deren Mitarbeiter am Mittwochvormittag vor dem Gebäude demonstrierten, während drinnen Vertreter von Arbeitgeber und Arbeitnehmern verhandelten – und am Abend gegen 21 Uhr das endgültige Aus von 300 Jobs in der Produktion als Ergebnis verkündeten.

Das Familienunternehmen hatte im Mai angekündigt, die Fertigung von Fahrzeugheizungen von Esslingen bis 2022 ins polnische Oława und zu Lieferanten verlagern zu wollen. Der Automobilzulieferer nannte als Gründe den enger werdenden Absatzmarkt, Kostendruck und hohe Verluste, die die Corona-Pandemie noch verschärft habe. Die Arbeitnehmervertreter legten ein Alternativkonzept vor, das einen Teilerhalt des Werkes 3 vorsah. Doch die beiden Streitparteien konnten sich in nachfolgenden Gesprächen nicht einigen, am 17. September erklärte die Arbeitgeberseite die betrieblichen Verhandlungen als gescheitert. Daraufhin wurde eine sogenannte Einigungsstelle angerufen. Dieser Runde am Mittwoch saß ein ehemaliger Richter aus Bayern vor. Außerdem nahmen je fünf stimmberechtigte Beisitzer von Arbeitgeberseite und Betriebsrat teil sowie Berater. „Der Arbeitgeber hat weiterhin das Alternativkonzept abgelehnt“, berichtete Jürgen Groß, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Esslingen. Am Ende konnte nur die Schließung des Werks festgestellt werden. Denn bei diesem Thema hatte die Arbeitgeberseite das letzte Wort.

„Es ging teilweise hitzig zu“, erzählt der Gewerkschaftsvertreter von den Gesprächen. Besonders bei der Frage, ob die Betriebsvereinbarung weiter gilt, laut der betriebsbedingte Kündigungen bis 30. Juli 2022 nicht möglich sind. Daran hielt der Betriebsrat fest. „Dann wäre der Zeitplan des Arbeitgebers für die Werksschließung obsolet“, erklärt Groß. Doch der Vorsitzende der Einigungsstelle habe zu verstehen gegeben, dass er die Sicht des Arbeitgebers teilt. Am Ende stand dann die Entscheidung, dass das Werk zum 31. Dezember 2021 geschlossen wird, in zwei Schritten sollen die Mitarbeiter gekündigt werden. Außerdem wurde ein Sozialplanvolumen von 18,5 Millionen Euro vereinbart, so Groß, das Nachteile für die Gekündigten abfedert – etwa mit Abfindungen. Auch eine Transfergesellschaft zur Weiterqualifikation ist geplant. Für alle Beteiligten sei es „ein hart erkämpfter Kompromiss, mit einem Ergebnis, das für beide Seiten akzeptabel ist“, kommentiert das Unternehmen. Groß sagt: „Wenn 300 Arbeitsplätze wegfallen, kann ich nicht zufrieden sein.“ Zudem habe die Arbeitnehmerseite zu Beginn ein Sozialplanvolumen von 24 Millionen Euro gefordert.