Ein Ort mit Flair, aber auch mit etwas morbidem Charme: Die Küferstraße. Foto: Johannes M. Fischer - Johannes M. Fischer

Die Weiterentwicklung der Innenstadt ist ein wichtiges Thema in Esslingen. Am 27. Januar wird im Verwaltungsasschuss bekanntgegeben, wie es unter der Dachmarke "MachES" weitergeht.

EsslingenDie Weiterentwicklung der Innenstadt nimmt Fahrt auf. Im Zentrum stehen zwei Projekte: die „Innovationsmeile Küferstraße“ und das „Stadt Up Esslingen“. Die treibenden Kräfte dahinter: Das Amt für Wirtschaft und die Esslinger Stadtmarketing & Tourismus GmbH (EST).

Die „Innovationsmeile Küferstraße“ wurde vor etwa einem Jahr vom Gemeinderat bewilligt. Ein wichtiger Baustein: Menschen mit Ideen und Innovationen sollen eine zentrale Anlaufstelle erhalten. Im Laufe der vergangenen Monate wurde das Konzept mit Vertretern der Esslinger Gründer- und Innovationsszene weiterentwickelt und soll nun umgesetzt werden. Voraussichtlich werden schon Ende März die ersten konkreten Schritte gegangen sein.

Hinter dem vom Aufsichtsrat der EST im Herbst beschlossene Unternehmens- und Innenstadtförderungsprogramm „Stadt Up Esslingen“ verbirgt sich ein Wettbewerb. Existenzgründer, Jungunternehmen und bestehende Unternehmen können ihre innovativen Geschäftsideen einreichen. Die besten Bewerber erhalten eine fachliche Förderung durch ein Netzwerk Esslinger Unternehmen im Gesamtwert von 120.000 Euro. Der Wettbewerb soll im Frühjahr 2020 starten und anschließend in regelmäßiger Folge angeboten werden.

Über beiden und weiteren Teilprojekten schwebt die vieldeutige Überschrift „MachES“. Was die Dachmarke „MachES“ und die darunter versammelten Teilprojekte en detail ausmachen, wie sie zusammenhängen und wie es konkret weitergeht, ist in den vergangenen Tagen ausgetüftelt worden und wird in zehn Tagen, am 27. Januar, im Verwaltungsausschusses präsentiert. Die Sitzung ist öffentlich. Neben Erklärungen zu den Projekten und einer Zeitschiene erfahren die Besucher bei diesem Termin auch weitere Neuigkeiten aus der Esslinger Gründerszene.

Der 27. Januar kann also getrost als Starttermin angesehen werden für die Weiterentwicklung der Innenstadt. „Zum Jahresbeginn können wir den Ratsvertretern und der Öffentlichkeit die Angebote der Stadt an Gründer, Kreative und Selbstständige nun gebündelt vorstellen“, erklärten Michael Metzler, Geschäftsführer der EST, und Marc Grün, Leiter des Amtes für Wirtschaft, in ihrer Einladung. Wer mitgestalten und die Stadt mit seinen Ideen und Projekten voranbringen möchte, sei herzlich eingeladen, sich einzubringen. „Wir informieren Interessenten zu den Möglichkeiten für Macher in Esslingen, stellen den Kontakt zum Netzwerk her und bringen die passenden Köpfe zusammen.“

Damit ist auch eine tragendes Prinzip des Prozesses benannt: Es geht bei der Fortentwicklung der Innenstadt vor allem auch um Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe. Grün spricht in diesem Zusammenhang von einer „agilen Stadtgesellschaft“, die in der Lage sei, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Es geht also um sehr viel mehr als um Wirtschaftsförderung oder die Bekämpfung von Ladenleerständen. Wer im Stadtkompass blättert – das ist ein programmatischer Text, der die mittelfristigen Ziele der Stadt in allgemeiner Form aufführt – erfährt noch mehr zum Hintergrund: Die Stadt Esslingen geht von einer zunehmenden Fragmentarisierung der Gesellschaft aus. Die Rede ist auch von „Fliehkräften“ und einem „Rückgang der sorgenden Gesellschaft“, von einer „Auflösung der Nachbarschaftsverantwortung“ und einer „Abkehr von der Gemeinwesensorientierung“. Auf Esslingen bezogen zeige sich dies im Bedeutungsverlust der städtischen Identität und den erschwerten Bedingungen politischen Handelns beziehungsweise in einer immer schwieriger zu gewährleistenden Kompromissfähigkeit in der Stadtpolitik. Vor diesem Hintergrund ist die Innenstadtinitiative „MachES“ auch als Integrationsprojekt zu sehen, diesen Fliehkräften aktiv entgegenzuwirken.

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