Die Handball-Nationalspielerinnen Amelie Berger und Mia Zschocke haben beim Bundesligisten Borussia Dortmund gekündigt. Das wirft Fragen auf – nicht nur, ob das Duo zu einem württembergischen Club wechselt.
Die Geschichte ist äußerst heikel, sie macht Riesenwirbel in der Handballszene, und offiziell will sich keiner so richtig dazu äußern. Fest steht, dass die Nationalspielerinnen Amelie Berger (früher SG BBM Bietigheim) und Mia Zschocke bei Bundesligist Borussia Dortmund schon vor dem Saisonstart am Samstag (34:24 gegen den SV Union Halle-Neustadt) fristlos gekündigt haben. Zudem hat das Duo die neue Anlaufstelle für Betroffene von Gewalt und Missbrauch im Leistungssport des Vereins Athleten Deutschland angerufen.
Erstes Treffen ergebnislos
Vertreter davon haben offenbar bereits Kontakt mit dem BVB aufgenommen – und auch an einem ergebnislosen Krisentreffen am Montag teilgenommen. Neben den Vertretern der unabhängigen Anlaufstelle und den beiden derzeit krankgeschriebenen Spielerinnen sollen Handball-Abteilungsleiter Andreas Heiermann und unter anderem auch Vereinspräsident Reinhard Rauball mit dabei gewesen sein. „Es wird in dieser Woche weitere Gespräche geben. Danach hoffen wir, die Sache zeitnah abschließen zu können“, sagte BVB-Abteilungsleiter Andreas Heiermann nach dem Treffen am Montag und betonte: „Wir gehen dieses Thema mit größter Sensibilität an.“ Athleten Deutschland äußerte sich bisher nicht zu dem Fall. Es sei alles vertraulich zu behandeln, das erwarteten die Betroffenen von der Anlaufstelle.
Schon am Wochenende hatte Heiermann den „Ruhr Nachrichten“ bestätigt, dass der Club die Kündigung der Spielerinnen zunächst nicht akzeptiert habe: „Ja, beide Spielerinnen haben ihre Kündigung vorgelegt. Wir haben keine inhaltliche Kenntnis darüber, was für eine fristlose Kündigung spricht, und haben daher der Kündigung widersprochen, so dass der Arbeitsvertrag für uns weiter Bestand hat.“ Offiziell gibt es bisher noch keine Begründung, warum die Spielerinnen ihren bis Sommer 2023 laufenden Vertrag gekündigt haben.
Heinevetters Instagram-Attacke
Silvio Heinevetter, der Torhüter des Bundesligisten TVB Stuttgart, hatte im Zusammenhang mit den Kündigungen BVB-Trainer André Fuhr attackiert. In einer Instagram-Story hatte Heinevetter zwei Fotos des 51-Jährigen gepostet, diese mit einem Clown- und Schweine-Emoji versehen und geschrieben: „Bleibt stark Mädels.“ Heinevetter, der den gleichen Berater wie die beiden Spielerinnen hat, will sich dazu nicht näher äußern und es bei diesem Statement belassen. BVB-Abteilungsleiter Heiermann kritisierte Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Es gäbe keine bekannten Vorwürfe, die das rechtfertigen, was derzeit im Netz los sei, und es sei abstoßend, wie Menschen dort diffamiert werden.
Fuhr, in der Saison 2018/19 Trainer bei der TuS Metzingen und danach neben seinem Engagement bei Borussia Dortmund auch Coach der Juniorinnen-Nationalmannschaft, gilt in der Branche als „Felix Magath des Handballs“, als harter Hund, der den Druck auf die Spielerinnen stets hoch hält. Kelly Dulfer und Inger Smits waren 2021 nach einem Konflikt mit Fuhr zur SG BBM Bietigheim gewechselt.
Wohin es Amelie Berger und Mia Zschocke zieht, ist noch offen. Nach Informationen unserer Redaktion zeigt Bundesligist Sport-Union Neckarsulm großes Interesse, ein Wechsel des Duos ins Unterland scheint nicht ausgeschlossen.