Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Wagenhallen Stuttgart sind als kreativer Produktionsort konzipiert worden. Im Interview erzählt Robin Bischoff wie Corona nun die Künstlerinnen und Künstler ausbremst.

Herr Bischoff, die Wagenhallen am Stuttgarter Nordbahnhof waren als lebendiges Kunstquartier geplant. Was hat Corona gemacht?

Der Austausch ist stark eingeschränkt. Wir können natürlich auch keine Veranstaltungen machen. Normalerweise mache ich einmal im Jahr einen Rundgang und besuche jeden im Atelier, das konnte ich jetzt natürlich nicht tun.

Ist überhaupt jemand vor Ort?

Ja, die Leute sind am arbeiten. Die Maler produzierten ihre Werke, sie haben oft Ausstellungen aufgebaut und warten, dass sie eröffnet werden können. Die Theaterleute machen Produktionen – für Online-Formate, oder um sie später aufzuführen.

Wie ist die Stimmung?

Manche habe keine Aufträge mehr. Für Dundu, die Großpuppe, die international unterwegs ist, sind die Aufträge komplett weggefallen. Es ist nicht anders als in der übrigen Bevölkerung: Man geht mit der neuen Realität um, weil man nicht weiß, wie es weitergeht.

Wie sieht es finanziell aus?

Es gibt welche, die Nothilfe bekommen haben, manche aber nicht. Wir als Verein versuchen, Informationen weiterzugeben zu Förderprogrammen, Stipendien und Künstlersozialhilfe. Mehr Spielraum haben wir leider nicht. Wir haben als Kunstverein zwar Geld, aber das steht natürlich nur für Kunstprojekte zur Verfügung.

Musste jemand sein Atelier aufgeben?

Bisher nein. Einige hatten Probleme, die Miete zu zahlen. Das konnten wir so regeln, dass sie später zahlen. Aber wir müssen es weiter beobachten. Ich habe schon mal Kontakt mit der Stadt aufgenommen, für den Fall, dass es schlimmer wird.

Bei der Debatte des Stuttgarter Bürgerhaushalt stand der Erhalt des Kulturschutzgebiets vor den Wagenhallen ganz vorn.

Ja, das ist eine erfreuliche Nachricht. Der Mietvertrag für die Container-City, die wir zum Kulturschutzgebiet ernannt haben, läuft der Mietvertrag aus. Für uns ist die Außenfläche wichtig für temporäre Projekte, die Wagenhallen funktionieren gar nicht ohne sie. Umso wichtiger, dass das im Bürgerhaushalt bestätigt wurde.

Der Kopf des Kunstvereins

Person
Robin Bischoff ist in Ludwigsburg geboren worden und hat zunächst Zimmerer gelernt und und dann an der Uni Stuttgart Architektur studiert.

Verein
Der Kunstverein Wagenhallen hat 100 Mitglieder verschiedener Sparten. Seit 2004 haben diese eine einzigartige Produktionsstätte am Stuttgarter Nordbahnhof aufgebaut.

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